Ein Monat mal anders. “Ist das normal?” (Teil 2)

Ein Monat mal anders. “Ist das normal?” (Teil 2)Man glaubt es kaum. Die erste Ramadan-Woche vergeht wie im Flug. Auch für Rolandas, der sich übrigens tapfer schlägt. Gleich nach dem ersten Fastentag möchte ich wissen, wie dieser für Rolandas verlaufen ist. Am selben Abend bombardiere ich ihn mit Fragen: „Wie fühlst Du Dich? Was hast Du vor dem Fastenbeginn zu Dir genommen? Wie verlief der Tag für Dich? Und vor allem: Hast Du es durchgezogen?“

Rolandas hat  meinen Ratschlag, Datteln zum Sohur (Mahlzeit vor dem Sonnenaufgang) zu sich zu nehmen, beherzigt. In Kombination mit Fisch und Wasser hat er sich für den ersten Fastentag gestärkt. Das erste, das man für gewöhnlich tut sobald man auf der Arbeit eintrifft, ist sich einen Kaffee zu kochen. Ganz nach dem Motto: Ein Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

Es wäre also kein Wunder, wenn allein deshalb der erste Fastentag in Vergessenheit geraten würde und man diese Gewohnheit fortsetzt. Doch ganz im Gegenteil: Rolandas mentale Vorbereitung sorgte dafür, dass der Gedanke etwas zu frühstücken keinen Platz fand. Genau so wenig im Laufe des Tages:

Während des gesamten Tages verspürte er weder Hunger noch Durst. „Ist das normal?, fragt er mich verwirrt. Was er jedoch bemerkt, sind zunächst  minimale Kopfschmerzen, welche im Laufe des Tages immer stärker zum Vorschein kamen.

„Ich habe es essen wollen, nicht weil es mir mein Magen, sondern der Verstand  sagte. Vor allem die Kopfschmerzen  intensivierten sich allmählich und der Körper sagte: Du musst was trinken!”, sagt mir Rolandas.

Auch die Konzentration ließ ein wenig während der Arbeit nach, was jedoch kein Hindernis für Rolandas darstellte. Er fastete den gesamten Tag mit und brach das Fasten zu Maghreb (Sonnenuntergang) wohlverdient. Leider fand das erste Fastenbrechen während der Arbeit statt, sodass er während seiner Pause seine Mahlzeit zu sich nehmen musste. Daher hatte er wenig Zeit, seine Mahlzeit genüsslich zu verzehren. Doch Ramadan hat ja genügend Tage, um Rolandas Möglichkeiten zu bieten, sein Fastenbrechen in aller Ruhe und so schön wie möglich zu gestalten.

Rolandas macht natürlich von den Gelegenheiten gebrauch und gestaltet sein Fastenbrechen die weiteren Tage folgendermaßen:

„Erst mit etwas Wasser und ein paar der leckeren Datteln, dann kommt Suppe an die Reihe und dann vielleicht etwas kräftigeres. Und die Zeit werde ich mir dafür nehmen, nicht einfach schnell reinhauen.”, erzählt Rolandas.

Gesagt, getan. Die letzten Tage war es zwar ein wenig zu warm für die Suppe, doch seinen Plan das Fasten mit Datteln und einer genüsslichen Mahlzeit langsam zu brechen, gelingt Rolandas allemal. Im Pausenraum treffe ich ihn mit einer weiteren muslimischen Kollegin. Wir gelangen ins Gespräch und tauschen uns über unsere bisherigen Erfahrungen bezüglich des Fastens aus.

„Wir machen das alle zusammen!“, motiviert er die kleine Runde und ballt dabei seine Faust. Er habe sich das ganze sowieso viel schwieriger vorgestellt und sei überrascht, wie gut es laufe.

Soviel zu Rolandas erster Fastenwoche. Das wundervolle, aber auch schwüle Wetter derzeit, wird wohl kaum jemandem entgangen sein. Eigentlich die ideale „Eis-Zeit“. Wollen wir doch mal schauen, ob Rolandas Durst währenddessen weiterhin auf sich warten lässt und wenn nicht, schafft es Rolandas diesen konsequent zu ignorieren?

Ich bin gespannt!!

Ein Projekt des Islamischen Informations- und Serviceleistungen e.V.


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