Ein kleiner Irrtum - Etwas zum Schmunzeln

Ein kleiner Irrtum - Etwas zum Schmunzeln
"Über das großzügige Geburtstagsgeschenk, das sie von ihrer Tochter Inge erhalten hatte, konnte sich Thea im tiefsten Inneren ihres Herzens nicht recht freuen.
"Ein Anrufbeantworter ist praktisch", hatte Inge behauptet. "Damit bist du immer zu erreichen!", hatte sie die Vorteile dieses Wunderwerks modernen Telefonkomforts gepriesen und ihrer Mutter die Bedienung ganz genau erklärt.
Trotzdem hatte Thea das Gerät noch nie benutzt. Sie fürchtete, etwas falsch zu machen, wenn sie eine der Tasten mit den seltsamen Symbolen drückte.
Auch sonst stand Thea mit vielen Errungenschaften der modernen Technik auf Kriegsfuß. Automaten ging sie aus dem Weg, sie misstraute den modernen Scannerkassen im Supermarkt, ließ sich die Kontoauszüge in der Bank stets von einem Angestellten drucken und hob Bargeld immer nur am Kassenschalter ab.
Dass man bargeldlos einkaufen konnte, dass man mit einer simplen Plastikkarte an einem Automaten Geld bekommen konnte, das hatte sie noch nie ausprobiert. Das interessierte sie auch nicht! Gab es doch im Leben Wichtigeres als Anrufbeantworter, Kontoauszugsdrucker und Geldautomaten!
Theas Tochter wohnte mit ihrer Familie in einer Großstadt gut sechshundert Kilometer von Theas ländlichem Wohnort entfernt. Zweimal im Jahr kam Thea für eine Woche zu Besuch. Dann unternahmen beide immer einen Einkaufsbummel. Thea kaufte meist nichts ein, doch ihrer Tochter spendierte sie regelmäßig Kleid, Rock oder Mantel.
Auch diesmal war's nicht anders. Thea reichte das Schauen, Inge sah sich diesmal nach Kostümen um. Eines gefiel ihr so gut, dass sie es anprobierte.
"Eigentlich brauche ich ja nichts", murmelte sie, doch ihre Augen leuchteten auf, als sie sich im Spiegel betrachtete. "Das steht mir nicht", sagte sie zu ihrem Spiegelbild und hoffte, von ihrer Mutter das Gegenteil zu hören. Thea tat ihr den Gefallen.
"Na, hör mal!", rief sie mit gespielter Entrüstung. "Die Farben stehen dir! Die Jacke sitzt prima, und der Rock passt dir wie angegossen!"
"Ihre Mutter hat recht", pflichtete die Verkäuferin bei. "Dies Kostüm ist wie für Sie gemacht!"
"Aber nicht für mein Portemonnaie!", seufzte Inge mit Blick auf das Preisschild.
"Das lass meine Sorge sein", lächelte Thea. "Ich zahl das Kostüm, und du lädst mich nachher zum Essen ein!"
Inge war einverstanden. Ein letzter kritischer Blick in den Spiegel - das Kostüm war gekauft. Gut gelaunt verließen die beiden Damen das Geschäft, bummelten noch ein wenig durch die Stadt und einigten sich auf ein Lokal zum Mittagessen. Zum Bezahlen brauchte Inge noch ein wenig Bargeld. Also steuerten sie die nächste Bankfiliale an.
Vorsicht am Geldautomaten!"Gehst du nicht rein?", fragte die Mutter, als Inge vor dem Geldautomaten im Vorraum der Bank stehen blieb.
"Mein Geld bekomme ich auch hier", sagte Inge mit gesenkter Stimme, blickte sich nach allen Seiten um, zückte ihre Scheckkarte und steckte sie in den dafür vorgesehenen Schlitz. "Man kann gar nicht vorsichtig genug sein", raunte sie. "Wir müssen aufpassen, dass uns keiner zusieht!"
"Ach ja?", murmelte die Mutter und stellte sich so vor ihre Tochter, dass diese vor neugierigen Blicken geschützt war, als sie ihre Geheimzahl eintippte.
Dann geschah das Wunder: Der Geldautomat spuckte drei nagelneue Scheine aus, und Inges Mutter unterdrückte einen Aufschrei des Erstaunens. Ungläubig pendelten ihre Blicke zwischen Inge und dem Automaten hin und her, wanderten dann durch den Vorraum der Bankfiliale und fixierten schließlich ihre Tochter.
"Keiner hat's gesehen", raunte sie ihr mit Verschwörermiene zu. "Du kannst es gleich noch mal probieren!"

Unbekannter Autor
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