Ein ♥ für Blogs

>>Direkt zu den Blog-Empfehlungen <<

Ganz ehrlich, ich lese ja nach wie vor eher Offline-Medien. Ich bin ein Zeitungs-, viel mehr noch ein Zeitschriften- und Magazin-Freak (von den Bücherstapeln, die meine Wege pflastern, ganz zu schweigen); aber eben doch auch ein News- und Informationsjunkie, berufsbedingt. Das Schreckliche ist ja, wenn man, obwohl fast täglich in einer Redaktion anwesend, nicht ausreichend zur Rezeption des relevanten Nachrichtenstoffs kommt (und sei es nur des eigenen Blattes) – wie das zufrieden stellend funktionieren sollte, wenn man ständig von schreienden Telefonen und E-Mail-spuckender Software umgeben ist, versuche ich seit Jahren vergeblich zu erfassen: Klingeling-biep.

Das Internet in all seinem rasend schnellen und umfassenden In-Form-Setzen (und Distribuieren) von Datenmaterial eignet sich natürlich wunderbar zum Erfassen des Weltgeschehens – aber halt nur sehr oberflächlich, wenn man sich an die massenkompatiblen – und oft genug von „alten“ Medien getragenen – Portale hält. Wer Hintergründe sucht, wem es nach Analyse verlangt, der streckt seine virtuellen Fühler bald hierhin, bald dorthin aus, wo man Qualität (um nicht zu sagen: Qualitätsjournalismus) erwarten darf; der liest die Zeit, den Spiegel oder auch Geo online.

Bleibt die Feststellung, dass der Betrieb eines Weblogs – vielmehr aber noch das regelmäßige Lesen (vieler) anderer Blogs – eigentlich ein verdammter Luxus ist: In der Tat werden unsere Tage natürlich nicht länger, nur weil wir mehr zu tun hätten. Und sich dauerhaft die Blog-Lesezeit von der Nachtruhe abzusparen ist auch nicht unbedingt ratsam. Natürlich wünsche ich mir selbst einen Haufen regelmäßiger Leserinnen und Leser, die es freilich mit ebenso regelmäßigem Content zu bedienen gälte; dieser müsste auch noch halbwegs aktuelle Themen abbilden. Und um Leute in relevanter Anzahl zur Registrierung auf mad.madication.eu zu überreden, sollte ich dann wohl noch zwei, drei portable Playstations und ein Google-Phone zur Verlosung mit ins Angebot nehmen.

Scherz bei Seite, das spielt’s alles nicht. Ich schreibe nämlich in erster Linie für mich, bin selbst mein ärgster Kritiker, freue mich aber nach Veröffentlichung eines Beitrags – meist Meinungselemente wie politische Kommentare, Platten- und Buchrezensionen, manchmal auch eine gewagte Träumerei – stets ob des (langsam erstarkenden) Echos über den engen Freundes- und Bekanntenkreis hinaus: Schreiben als Akt der seelischen Reinigung – und natürlich der Selbstbestätigung: Scribo, ergo sum! Den Anspruch, in diesem Rahmen echten Journalismus („Street-Recherchen“) zu präsentieren, kann ich derzeit nicht erheben; dazu fehlt mir die Zeit, und dafür gehe ich ja schon einem Brotberuf nach.

Bei all der Klage über mein zu knappes Zeitbudget fange ich dennoch langsam (!) an, selbst in die multimedialen Echoströme des „Mitmach-Webs“ einzutreten, relevante Blogger wahrzunehmen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Auf die Erkenntnis, dass über die bekannten Suchmaschinen allein nur wenige hochwertige (interessante, witzige…) Weblogs zu finden sind, die a) nicht doch irgendwie mit einer großen Plattform in monetärer Verbindung stehen oder b) deren Betreiber/innen nicht zu den Webpionieren gehörten, die sich auch aufgrund mangelnder Konkurrenz früh (und dauerhaft) einen Namen machen konnten, folgte in meinem Fall die Suche nach persönlichen Empfehlungen. Twitter stellte sich als phänomenal gutes Werkzeug dar, in dessen endlosen Wortfluss sich die geistige Angel erfolgreich auswerfen lässt.

In diesem Sinn nehme ich an der heutigen Aktion „Ein ♥ für Blogs“, wie sie von Marcel Wichmann auf uarrr.org ins Leben gerufen reanimiert worden und mir von Mathias Pascottini zugetragen worden ist, mit sechs Empfehlungen (ohne Vergleichswertung, in alphabetischer Reihenfolge) teil. Es handelt sich nicht nur um „Independent-Blogger“, und die verlinkten Seiten garantieren auch nicht in jedem Fall Neuigkeiten, die die herkömmlichen News-Kanäle ergänzen, jedoch tragen sie zur persönlichen Horizonterweiterung in vielerlei Hinsicht bei. Ich brachte bislang nicht jedem von ihnen dieselbe Aufmerksamkeit entgegen, und daran wird sich wohl auch künftig wenig ändern – aber ich schaue immer wieder bei ihnen rein und möchte sie nicht mehr missen.


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