Du bist, wie Du bist

Heute betrachte ich den zweiten Teil von der Aussage von: “Ich bin, wie ich bin“ und „Du bist, wie Du bist“.

Gerade die Aussage “Du bist, wie Du bist” kann uns dazu einladen, unser Verhalten in Beziehungen bewusst wahrzunehmen und zu prüfen. Vor allem unsere Ziele und Wünsche, ob sie für eine “gesunde” Beziehungsgestaltung förderlich sind.

Kennen Sie Situationen, in denen Sie das Verhalten von einer anderen Person (z.B. Chef, Kollege, Partner, Kinder, Freund, Freundin) ablehnen, es Ihnen einfach nicht gefällt. In denen Sie sich ein Verhalten wünschen, das mehr auf Ihre Bedürfnisse eingeht? So zum Beispiel: der Chef sollte ihre Leistungen anerkennen; der Partner sollte mehr im Haushalt helfen, aufmerksamer sein und mehr Zeit mit der Familie verbringen; die Kinder sollen ruhiger oder auch lebendiger sein, sollen konzentrierter ihre Hausaufgaben machen; der Freund sollte doch endlich pünktlich zu Treffen erscheinen, usw.

Manchmal sind uns diese Punkte in einer Beziehung gar nicht mehr bewusst und wir haben vielleicht resigniert, weil Versuche unser Gegenüber zu verändern in der Vergangenheit gescheitert sind. Oder Sie haben erst gar nicht die “richtige” Möglichkeit gefunden, diese Punkte anzusprechen und der Ärger über das Verhalten stapelt sich bei Ihnen geradezu.

Dann reichen oft schon kleine Gesten oder sogar nur das Bild der Person oder ein Gedanke – wie z.B. eine Erinnerung oder nur die Zukunftsfantasie – um diese Aspekte wie den Frust und Ärger wach zu rufen.

  • Wie viel Energie haben Sie schon dafür eingesetzt, eine andere Person zu verändern?
  • Wie oft begleitet Sie Ärger und Frust über das Verhalten einer anderen Person?
  • Warum ist das so? Warum entstehen diese Gefühle?

Auf der einen Seite ist es mehr als verständlich, dass Sie Ihr Umfeld so verändern wollen, dass es am besten zu Ihrer Vorstellung passt. Verspricht die Beziehung dadurch nicht einfacher und leichter zu werden?

Bezüglich Ihrer Gefühle ist es wichtig, zu verstehen, dass bei Ihnen aufkommende Gefühle durch die Handlungen des Gegenübers “ausgelöst” aber nie verursacht werden. Die andere Person kann nicht für Ihre Gefühle verantwortlich gemacht werden. Gefühle entstehen in uns, durch unsere eigenen Gedanken und Bilder, die auch durch unsere ureigene Erfahrungen und unsere Vergangenheit geprägt sind. Auf diesen Aspekt werde ich in einem anderen Artikel noch näher eingehen.

Es bleibt nun aber die Frage, können wir einen anderen Menschen überhaupt verändern?

Zusammengefasst lässt sich nur eines sagen: Wenn Sie das Verhalten einer anderen Person verändern wollen, dann ist das von Beginn an zum Scheitern verurteilt und damit sehr schnell mit Gefühlen wie z.B. Machtlosigkeit und Versagen, Wut und Ärger verbunden. Sie haben das Gefühl nicht durchzukommen, den anderen mit Ihren Wünschen nicht zu erreichen. Es bleibt uns nur eines zu erkennen:

Keiner lässt sich ändern, wenn er es selbst nicht wünscht oder zulässt.

Das einfache Ergebnis ist: “Er ist, wie er ist” oder “Du bist, wie Du bist”.

Natürlich können wir Hierarchien ausnutzen, z.B. der Chef sagt wo es lang geht und wir folgen. Es ist aber ein Trugschluss, zu glauben, dass Menschen unter diesen Bedingungen frei und motiviert arbeiten oder das Interesse entwickeln, sich zu verändern. Das Ausnutzen von Hierarchien kann nur kurzfristig zu Erfolgen führen und es wäre sicherlich zu prüfen, wer den Erfolg definiert.

Es gibt jedoch auch eine weitere Form wie Sie auf die Bitte Ihres Chefs reagieren können: Und zwar, wenn Sie aus eigenem Antrieb tätig werden. Dann haben Sie die Aufforderung des Chefs als Einladung und Bitte verstanden und wünschen die Erreichung des Ziels oder der Veränderung selbst. Das ist eine völlig andere Situation. Denn nun handeln Sie aus eigener Motivation. Welche Art von Motivation Sie zum Handeln bewegt, kann sehr verschieden sein.

Wenn nun aber die ersten Gesprächsversuche des Chefs nicht fruchten, der Mitarbeiter sich nicht „bessert“, wird eventuell eine Schulung als weitere Maßnahme geplant oder er erhält ein Coaching und für das Team wird eine Team-Entwicklung organisiert. Der Chef versucht also durch verschiedene Maßnahmen, sein Ziel und damit das veränderte Verhalten des Mitarbeiters zu erreichen. Möglicherweise kennen Sie aus Ihrer Berufserfahrung die damit verbundene stetige Zunahme von Frust und Ärger auf beiden Seiten.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie von Ihrem Chef, nennen wir es einmal „Angebote“ zur Veränderung Ihres Verhaltens oder des Arbeitsstils bzw. der Effizienz bekommen? Sehen Sie das Angebot als Chance für eine persönliche Entwicklung oder entsteht in Ihnen eher der Widerstand, Sätze wie: „Ich will mich aber nicht verändern“, “Er hat doch keine Ahnung”, “Immer wieder dasselbe”. Und das, weil sie sich selbst nicht verstanden fühlen und keinen Sinn in dieser Veränderung erkennen können.

Beides sind Reaktionen, die anzuerkennen sind, denn im ersten Fall haben Sie die Einladung, die Ihr Chef ausgesprochen hat, angenommen und im anderen Fall dankend abgelehnt. Der Chef hat also nicht wirklich Einfluss auf Ihre Reaktion, noch kann er diese mit absoluter Sicherheit voraussehen. Sie sind autonom in Ihren Entscheidungen und Handlungen.

Die Veränderung kommt also nur dann Zustande, wenn Sie diese erlauben – Sie es sich selbst wünschen und die notwendigen Entscheidungen dafür treffen (bewusst oder unbewusst).

Hier gibt es auch viele Beispiele aus dem privaten Umfeld, in denen wir alle möglichen Anstrengungen unternehmen, um unser Gegenüber doch endlich zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen.

Warum also nicht einen Ansatz wählen, der das Gegenüber mit seinen eigenen, für ihn individuellen Kompetenzen und Fähigkeiten respektiert. Das bedeutet ganz sicher nicht, dass Sie alles gut heißen und akzeptieren müssen, was der andere in einer Beziehung tut und wie er sich verhält. Hilfreich ist aber das Verständnis, dass Sie immer nur Ihre eigenen Grenzen aufzeigen können. Was ist für Sie in Ordnung und was nicht. Und hierzu gehört auch, dass Sie sich im Bedarfsfall vor den Grenzüberschreitungen einer anderen Person schützen.

Folgende Gedanken sind hilfreich, wenn es darum geht, Ihr Gegenüber zu einem anderen Verhalten zu animieren:

  • Was wäre für Sie wichtig und hilfreich?
  • Was benötigen Sie?
  • Wo liegen Ihre Grenzen?

Sprechen Sie über sich und nicht über die andere Person. Teilen Sie der anderen Person mit, was Ihnen wichtig ist. Darüber hinaus können Sie eine Bitte aussprechen, die dem anderen aufzeigt, wie er besser auf Sie eingehen kann. Sie laden ihn zu einem bestimmten Verhalten oder einer Reaktion ein.

Und genau hier enden dann Ihre eigenen Möglichkeiten.

Verstehen Sie nun den Eingangs erwähnten Hinweis, dass der Versuch, eine andere Person verändern zu wollen, zum Scheitern verurteilt ist? Denn wenn wir uns dieses Ziel wirklich setzen und es gleichzeitig aber nicht möglich ist, wie können wir dann mit diesem Ziel wirklich erfolgreich sein? Am Ende ernten Sie nur Gefühle, die sie in der Regel sogar noch als negativ bewerten …Machtlosigkeit und Ärger, Wut und Frustration.

Somit also auch nicht wirklich hilfreiche Gefühle für eine respektvolle Beziehung.

Meine Einladung zum Abschluss wäre: Achten Sie auf ihre eigenen Reaktionen (Gefühle, Stimmen, Meinungen, Körperreaktionen), wenn Sie Zeit in einer Beziehung verbringen.

Achtsamkeit zu entwickeln, bedeutet hier immer wieder, sich das Bewusstsein zu schaffen, für das was ist. Wieder ganz wach zu werden für die eigenen Bedürfnisse und auch zu erkennen, wo diese nicht geachtet werden.  Am besten erreichen Sie das, indem Sie immer wieder kurz Ihren Atem beobachten. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit für 2-3 Atemzüge auf die Bauchdecke und Ihre Atemgefühle. Sie werden sehr bald erkennen, wie sehr dieses Vorgehen Sie dabei unterstützt, sich selbst bewusster zu werden. Es braucht wirklich nicht sehr viel, nur diese kurzen Momente.

Anstelle das Verhalten des anderen verändern zu wollen, ist es hilfreicher, im Dialog gemeinsame Wege zu suchen. Sprechen Sie über sich und Ihre Anliegen und weniger über das, was der andere falsch macht. Aber seien Sie sich bewusst darüber, auch dieses Vorgehen wird nicht immer erfolgreich sein.

Entscheiden Sie dann aber auch wieder aktiv, wie Sie damit umgehen wollen ohne die Schuld dafür beim Gegenüber zu suchen.

Denn mit jeder Entscheidung respektieren Sie dann Ihre ganz individuellen Bedürfnisse und übernehmen Verantwortung für Ihr eigenes Leben.

Nochmals zum Nachlesen: Teil 1 von “Ich bin, wie ich bin – Du bist, wie Du bist“


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