Drei Mann in einem Boot

Die SPD strickt gerade mal wieder an einer weiteren Legende ihres Abgesangs. Sie läßt es jetzt nämlich so aussehen, als seien die ernüchternden Sonntagsfragen nichts weiter, als die verbockte Aktion eines Rudels Platzhirschen. Deren Uneinigkeit und Hinter-den-Kulissen-Zoff sei das Manko ihres Wahlkampfes. Mag sein, dass Gabriel und die zwei Steinigen sich nicht grün sind - dergleichen soll in der Parteipolitik ja schon immer vorgekommen sein. Aber dieses Triumvirat der gegenseitigen Ablehnung dürfte das wohl kleinste Übel der SPD-Misere sein.

Drei Mann in einem BootNunja, was soll diese Partei aber auch anderes erzählen? Soll sie kundtun, dass sie sich in den letzten 15 Jahren aufgerieben hat zwischen falschem Kurs und Schröder, zwischen Unschärfe des eigenen Profils und Schröder, zwischen klassistischer Grundhaltung und Schröder? Das Narrativ der drei Männer, die sich nicht mögen und sich gegenseitig im Wege stehen, läßt sich da bedeutend leichter ertragen. Gewährt es doch die Selbsttäuschung, dass es sich nicht um die Folgen eines parteilichen Niedergangs handelt, sondern um individuelle und personelle Randnotizen, die man in den Griff kriegen könne. Nur Allüren, mehr nicht! Die Partei bleibt der Star, sie ist intakt, sie bietet Lösungsansätze. Doch weil genau das nicht der Fall ist, benötigen sie dieses Scheingefecht dreier Männer auf diesem einen Boot.
Man hat sich über Jahre hinweg würdelos in ein Konzept verstrickt, das sich New Labour nannte, aber bloß ein Konservatismus mit flapsigen Sprüchen war und ist. Der wirkte irgendwie hemdärmeliger als das Original, weil das ausführende Personal populistischer und markiger geschult war. Diesen Kurs hält man noch immer wacker, erzählt aber natürlich das Gegenteil. Man habe sich von den Sünden der Ära Schröder gelöst, habe eingesehen, dass viel davon gut gemeint war, aber nicht gut gemacht wurde, liest man zuweilen. Aber die Sachzwänge damals!, schieben diese Einsichtigen dann nach und machen sich zu Opfern. Denn sie wurden zur Agenda 2010 getrieben, sie wollten sie ja nie.
Die SPD kriselt nicht, weil diese Kerle sich nicht mögen. Sie wird als Alternative deshalb nicht mehr wahrgenommen, weil sie schlicht keine Alternative mehr ist. Weil sie inhaltlich verödet ist, weil sie sich ausverkauft hat unter Schröder und weil dessen Nachwehen noch immer zu spüren sind. Die führenden Sozis von heute sind in einer Ära parteipolitisch sozialisiert worden, in der das New Labour Schröders als der neueste Clou galt, als etwas ganz außergewöhnlich Revolutionäres, weil man hier linken Geist mit Sachzwängen verband und pragmatische Entscheidungen traf. Das mit dem linken Geist glauben diese Sozis um Steinbrück heute noch immer tapfer.
Dieses Trium-verrat war maßgeblich am Niedergang seiner Partei beteiligt. Jeder auf seine Art und Weise. Alle drei haben die Agenda 2010 ohne Kritik mitgetragen oder sogar mitentworfen. In der Ära Schröder ist diese kleine Alternative, die die SPD zuweilen sein konnte, wenn sie mutig genug war, vor der eigenen Courage nicht zurückzuschrecken, eine kleine Option im Kapitalismus sein. Gabriel, Steinbrück und Steinmeier haben an der Alternativlosigkeit fleißig gefeilt.
Im Grunde will da nicht jeder Kapitän sein, wie manches Medium schreibt - es sind einfach nur drei hilflose Matrosen in einem kaum schwimmfähigen Boot. Um Verantwortung und Chefsein geht es doch gar nicht. Inszenierter Streit hat zu sein, damit verdeckt wird, wie unfähig diese Partei für die hohe See geworden ist. Da hat man lieber beschlossen, die scheiternde Kampagne um den Kanzlerkandidaten inneren Querelen in die Schuhe zu schieben und nicht der Entsozialdemokratisierung der Sozialdemokratie. Der Bankrott ist damit personell bedingt und nicht inhaltlich, was soviel heißt wie: wegen der Inhaltslosigkeit.
Haben diese drei Leichtmatrosen sich etwa gestritten, weil ihr Kanzlerkandidat sich einen Bildzeitungshetzer zum Sprecher machte? Davon ist nichts bekannt. Und genau das zeigt, dass es um das Inhaltliche schlecht bestellt ist. Und daran scheitert die Kampagne - an einen Kandidaten, der in einer ausgehöhlten Partei agiert, die er mit ausgehöhlt hat, unter freundlicher Mitwirkung seiner beiden Kollegen.
An Streit scheitert Demokratie nicht. Er ist das Wesen dieses Konzeptes. Hätten diese Männer mal mehr um Positionen gestritten in jener SPD, als das S noch für Schröder stand, dann müssten sie sich heute keinen Streit für die Öffentlichkeit erfinden.

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