Diskussion um Strompreise nimmt immer mehr Fahrt auf

Strompreise steigen, Quelle: Dieter Schütz  / pixelio.de

Strompreise steigen, Quelle: Dieter Schütz / pixelio.de

Es geht eine neue Angst um in Deutschland, mit reißerischen Überschrift wird vor riesigen Preiserhöhungen beim Strom gewarnt, ausgelöst allein durch die Energiewende. Auf die großen Überschriften wollte ich gar nicht eingehen, aber jetzt gab es auch einige recht gute Artikel, auf die ich gerne hinweisen möchte. Aber es verwundert mich doch sehr, dass kaum ein Artikel, der sich mit dem Strompreis befasst, zurück blickt auf die Preisentwicklung vor der Energiewende oder überlegt, wie sich der Strompreis entwickeln würde ohne erneuerbare Energien.

Es ist zu einfach nur den erneuerbaren Energien die höheren  Strompreise in die Schuhe zu schieben. Schon vor der Energiewende ist der Strompreis innerhalb von acht Jahren um 45 Prozent angestiegen, durch höhere Preise für Kohle und Öl. Wer weiss heute schon, wie sich die Preise für Kohle und Öl in den nächsten Jahren entwickeln werden? Strom aus Kohle wird kaum so günstig bleiben wie heute, woran übrigens ausgerechnet der Emissionshandel die Schuld trägt, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg Ende Mai berichtet hat.

Für wen wird der Strom teurer? Alle Strombezeiher in einen Topf werfen funktioniert nicht, denn für die Großverbraucher wird Strom kaum teurer werden, bzw. ist in den letzten 12 Monaten sogar gesunken. Lediglich für private Abnehmer und kleine Betriebe werden die Stromkosten steigen. Dies hat das Verbraucherportal Verivox in einer Untersuchung der letzten 12 Monate ermittelt. Große Stromverbraucher profitieren zudem von sinkenden Preisen an der Strombörse, kleine Verbraucher hingegen nicht.

Das Magazin Cicero berichtet in einem sehr ausgewogenen Artikel davon, dass laut ARD-Deutschlandtrend 53 Prozent der Deutschen den Atomausstieg lieber verschieben möchten, damit die Preise nicht so stark ansteigen. Soll doch der Staat die Kosten tragen, wozu zahlen wir Steuern, scheint die Einstellung zu sein. In dem Artikel heißt es aber auch weiter, dass die Angst, die von den Medien verbreitet und auch geschürt wird, überflüssig und gefährlich ist. Denn diese Angst liefert die Argumente für alle Bremser und Blockierer der Energiewende.

Dabei sind es die großen Stromversorger, die am meisten von dieser Angst-Diskussion haben – sie verdienen mehr, wenn die Preise erhöht werden und sie profitieren davon, wenn erneuerbare Energien ausgebremst werden. Wie viel die Energiewende wirklich kosten wird, kann immer noch keiner sicher sagen, jedes Gutachten sagt etwas anderes aus, je nach Auftraggeber. Wer vor allem leiden wird unter den hohen Strompreisen, das werden die Geringverdiener und Hart-IV-Empfänger sein. Diese dürfen aber nicht instrumentalisiert werden von den Gegnern der Energiewende (siehe Artikel von Antje Radcke), sondern müssen entsprechend unterstützt werden mit z.B. kostenlosen Energieberatungen (z.B. durch die Aktion Stromspar-Check) und Zuschüssen für energiesparende Haushaltsgeräte. Eine reine Subventionierung wäre ein Fass ohne Boden, bzw. eine indirekte Subventionierung der Stromversorger.

So reißerisch wie die Überschrift in dem Artikel der FAZ von letzter Woche ist der Artikel zum Glück nicht. In dem Interview mit Justus Haucap, dem Chef der Monopolkommission, geht es aber doch um die erneuerbaren Energien und deren angebliche “Überförderung”. Dass die Einspeisevergütung nicht mit der Preisreduzierung der PV-Module mithalten kann, ist in der Tat ein Problem, es kann ja nicht sein, dass ein gefördertes Produkt die beste Finanzanlage am Markt ist. Das kann man nur schwer vermitteln, es müssen also flexiblere Lösungen her. Allerdings darf die Festlegung der Einspeisevergütung nicht zwischen Wirtschafts- und Umweltminister beim gemeinsamen Bier festgelegt werden. Daher ist der Vorschlag für eine  Festlegung durch die Bundesnetzagentur eine Diskussion wert.

Aber die vorgeschlagene Quotenlösung als Alternative zum EEG ist wieder nur eine Scheinlösung, denn es gibt keinen Beleg dafür, dass die Quote die Preise senkt. Abgesehen davon, dass sich diese Lösung nach Planwirtschaft anhört, haben bisherige Versuche eher zu höheren Preisen geführt als beim EEG.

Ich verstehe auch hier wieder nicht, dass andere Industrien mit allen Mitteln im Land gehalten werden müssen, eine Stahlindustrie brauchen wir vermutlich nur noch aus traditionellen Gründen. Aber bei der Solarindustrie wird immer betont, dass wir sie uns nicht leisten können.

In dem Artikel betont Herr Haucap auch, dass erneuerbare Energien dem Klimaschutz nicht helfen und verweist auf den Emissionshandel. Nur, so wie der Emissionshandel heute organisiert ist, bringt der gar nichts. Das sagt er auch und fordert weniger Zertifikate und die Einbeziehung von weiteren Industrien, wie auch den Individualverkehr und den Wärmemarkt. Solange sich dies aber nicht ändert, ist der Emissionshandel nicht mehr als eine gut Idee, die schlecht umgesetzt ist.

Zum Netzausbau fordert auch eine europäische Lösung, sind doch die Spitzenlastzeiten völlig unterschiedlich in Europa und auch Ost-West-Leitungen sind notwendig.

Wo bleibt die Energieeffizienz?

Was mich aber wieder einmal sehr verwundert ist, dass viele über steigende Strompreise sprechen und niemand davon über Energieeffizienz. Jede Erhöhung des Strompreises macht Investitionen in effizientere Energienutzung wirtschaftlicher und damit attraktiver. Investitionen in Energieeffizienz sind günstiger als Investitionen in neue Kraftwerke. Wer heute in Energieeffizienz investiert, gehört morgen zu den Gewinnern.

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