Die Widersprüche im Buchmarketing

Die Widersprüche im Buchmarketing

Wie erreiche ich meine potenziellen Leser? Mit dieser Frage beschäftigen sich unzählige Selfpublisher. Sieht man sich an, welche hauptsächlichen Probleme bei der aktuellen Selfpublishing-Befragung genannt wurden, so rangiert Marketing einsam an der Spitze. Dementsprechend voll ist das Netz mit entsprechenden Ratgebern. Ich habe sie zwar nicht alle gelesen, aber sehr viele. Und ich versuche, die Tipps umzusetzen, doch immer wieder stoße ich dabei auf ganz zentrale Widersprüche.


Widerspruch 1: Authentisch sein und die Content Strategie planen


Der Kernsatz eines jeden Marketingratgebers lautet, dass man authentisch sein soll. Da werden Beispiele genannt, z.B. die Autorin, die ihren Hund liebt und deshalb ständig Bilder von ihm postet. Es gibt auch so gehaltvolle Tipps, wie »Posten Sie ein Foto Ihrer Kaffeetasse.«. Wenn ich ein Foto meiner Kaffeetasse posten würde, wäre dies nicht authentisch, denn ich neige nicht dazu, etwas Nichtssagendes zu posten. Was wiederrum sehr authentisch für mich ist, aber das sieht dann ja keiner.Meine alktuelle Bürokaffeetasse

Meine alktuelle Bürokaffeetasse


Nun soll ich aber meinen Content planen. Ich soll planen, wie ich authentisch wirke. Also überlege ich krampfhaft, welchen Teil meines Lebens die Leserinnen und Leser wohl ansprechend und hoffentlich als authentisch empfinden würden. Also, hier dann mal meine aktuelle Bürokaffeetasse. Es mag sein, dass Du mich nun als authentisch empfindest. Dumm ist nur, dass ich es dann nicht mehr tue. Darüber nachzudenken, was ich sinnvoll posten könnte und authentisch zu sein, widerspricht sich für mich.

Widerspruch 2: Für die Zielgruppe bloggen und Nutzen bieten


Es ist sehr wahrscheinlich, dass du diesen Artikel gerade liest, weil du selbst Selfpublisher bist und dir einen Nutzen für dein eigenes Marketing versprichst. Vielleicht hattest du bisher überhaupt noch keine Ahnung, dass es mich überhaupt gibt. Dich haben das Thema und eine Nutzenerwartung hierhin gelockt. Das ist in Ordnung und ich gebe zu, ich habe es ja auch darauf angelegt. Wenn ich nun Sachbücher zu Autorenmarketing schreiben würde, wäre dies die perfekte Synergie. Du würdest sehen, dass ich Expertin bin, und wärst nicht abgeneigt, dir meinen Ratgeber zuzulegen.
Dumm ist nur, dass ich Belletristik schreibe. Natürlich könnte es sein, dass du auch dafür zur Zielgruppe gehörst, aber der Weg von diesem Blogartikel zum Kauf eines meiner humorvollen Bücher ist sicher weiter. Also müsste ich zielgerichteter für meine Zielgruppe bloggen. Dazu gehört es, erst einmal zu wissen, wer meine Zielgruppe überhaupt ist. Da ich glücklicherweise schon ein paar Bücher verkauft habe, bekomme ich langsam einen Eindruck dazu. Meine Zielgruppe sind Erwachsene, eher älter ab Mitte 30, zu 90% Frauen. Sie stehen fest im Leben und lieben es zu lachen. Dieser Artikel interessiert sie nicht die Bohne, zumal die Internetaffinität in meiner Zielgruppe wahrscheinlich auch nicht ganz so ausgeprägt ist. Wahrscheinlich würde ich mehr Menschen aus meiner Zielgruppe erreichen, wenn ich einen Gartenblog machen würde. Nur interessiert mich Garten überhaupt nicht.

Widerspruch 3: Zum Bücherkauf animieren und nicht ›Kauf mein Buch‹ zu sagen


Sie sind überall verhasst. Autorinnen und Autoren, die Beiträge mit der einzigen Aussage »Kauf mein Buch« posten. Allerdings ist es im Webmarketing auch erwiesen, dass die Personen vor dem Schirm in weitaus größerer Zahl reagieren, wenn sie klar zur Handlung aufgefordert werden. Der sog. Click-to-Action-Button gehört zur Grundausstattung jeder Webseite. Wird in Social-Media-Postings direkt dazu aufgefordert, den Beitrag zu teilen, machen dies viel mehr Leser. Ähnlich verhält es sich mit dem Popup auf diesem Blog, der dich dazu auffordert, meinen Newsletter zu abonnieren. Wahrscheinlich hast du ihn schon weggeklickt. Ich hoffe, du hast dich nicht darüber geärgert. Aber da du noch liest, scheint dies nicht so zu sein. Gelegentlich bekomme ich Feedback von Blogbesuchern, die sich über dieses Popup ärgern. Dabei ist es doch wirklich dezent, oder? Fakt ist aber, dass die Abonnenten exponentiell gestiegen sind, seid ich dieses Fenster eingeschaltet habe. Am rechten Seitenrand gibt es auch eine Möglichkeit, den Newsletter zu abonnieren, nur benutzt die kaum jemand.
Beim Buchmarketing ist es ähnlich. Ich kann noch so tolle Posts von meiner Kaffeetasse machen, irgendwann muss ich auch sagen: »So, hier ist mein neues Buch, kauft es!« Zu erwarten, dass jemand die Kaffeetasse bewundert und sich dann sagt »Och, schöne Kaffeetasse. Mal gucken, was sie so geschrieben hat. Vielleicht kaufe ich dann ein Buch.«, ist sehr optimistisch. Machen wir uns nichts vor, Werbung muss sein. Zum Kauf animieren, ohne direkt darauf hinzuweisen, geht einfach nicht.

Gibt es eine Lösung?


Sind diese Widersprüche überhaupt aufzulösen? Ich denke nicht. Vielleicht hast du ja eine geniale Lösung, dann brenne ich darauf, sie zu erfahren. Gleich in den Kommentar damit. (Wieder eine klare Handlungsaufforderung.)
Meine Lösung ist es, die Widersprüche zu ignorieren und das zu machen, wonach mir ist. Auf jeden Fall gebe ich dann ein authentisches Bild ab, auch wenn es Außenstehende nicht so empfinden, weil es nicht ihre Vorstellung von Authentizität erfüllt. Ich blogge, weil es mir Spaß macht und einfach zu mir passt. Okay, »Kauf mein Buch« sage ich noch zu wenig. Das muss ich noch ändern. Also, kauf mein Buch!

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