Die Waldmenschen

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Der Wald ist der dunkle Ort des Unbewussten, voller unbekannter Gefahren. Früher waren Wälder oft so dicht, dass kein Durchkommen möglich war. Kann man sich heutzutage bei unserem gepflegten Forst kaum mehr vorstellen.

Im finsteren Wald, da wohnen die Waldmenschen – urtümliche und naturhafte Menschen, die nicht dieselbe Art Bewusstsein haben wie jene, die sich vor ihnen fürchten. Die Geschichte ist voller Legenden, Erzählungen und Gerüchten von dieser Figur.

  1. Der klassische Waldmensch, der „Wilde Mann“ und seine „Wilde Frau“ sind behaarte, grosswüchsige und nackte Menschen, die im Wald hausen und sich von Nüssen, Rinde, Pilzen usw. ernähren. Sie erschrecken die Köhler, Jäger oder Holzfäller – und heute gelegentlich auch die Jogger.
  2. Für die Römer waren die dichten Eiben- und Eichenwälder nördlich der Alpen voller Waldmenschen. Die Griechen nannten die Völker im kalten Norden pauschal „Kelten“ und die Römer „Gallier“. Differenziert wurde erst später.
  3. Auch aus dem vor-spanischen Mexiko sind Bilder überliefert: Die Mayas (damals dortige Hoch-Zivilisation) bemüht sich die wilden „Waldmenschen“ aus dem unwegsamen Dschungel der Halbinsel Yucatan zu unterwerfen, und sie in ihre Kultur einzugliedern.
  4. Bei Grimms Märchen finden wir den anfangs gefährlichen Eisenhans, der in einem Waldsee lebt und alle Jäger fängt. Erst durch das Ausschöpfen des Sees kann er gefangen genommen werden. Der Eisenhans wird später hilfreich und wird schlussendlich erlöst.
  5. Der übliche “Waldmensch” ist einfach ein Mensch. Als Dämon aber, oder als niedere Gottheit haben die Griechen den Satyr gesehen. Dies allerdings eher ein etwas dicker, lebenslustiger und lüsterner Wald-Geselle, der den Quellnymphen nachstellte.
  6. Der Waldmensch, der den Christen dann als Vorbild für den Teufel diente, war bei den Römern der Faun (Wolfsgott), mit Bockfüssen, Hörnern und Schwanz. Ähnlich dargestellt wie der griechischen Hirtengott Pan (mit seiner Panflöte), der im Wald wohnt und die Leute in Panik versetzt.
  7. Auch in unseren Sagen wird der Waldmensch oder „Wilde Mann“ gelegentlich zu einem Überwesen, wie dem Berggeist Rübezahl oder den Riesen in unseren Märchen.
  8. Neueren Datums ist Mowgli der Waldmensch aus Indien. Der britischen Literaturnobelpreisträger Rudyard Kipling hat diese Geschichte 1890 geschrieben: Ein Findelkind, das bei den Tieren im Dschungel aufwächst und sich Schritt für Schritt aus der Naturwelt in die Menschenwelt bewegt.
  9. Nichts anderes als „Waldmensch“ bedeutet auch der Name des rothaarigen grossen Menschenaffen der Insel Borneo: Orang Utan (Orang = Mensch, Utan = Wald). Bild oben!
  10. Und bis heute stößt man auf den Waldmenschen: auf Spielkarten, am Karneval, auf unzähligen Wappen und natürlich auf alten Wandteppichen, Glasfenstern und Chorgestühl.

Beim Malen denke ich darüber nach:

Haben wir noch etwas vom Waldmensch in uns?
Wer hat den Wilden Mann oder die Wilde Frau gezähmt?
Oder ist er/sie nur versteckt, weiter hinten im Unbewussten?

 

Waldmensch / 46cm x 63cm / Acryl auf Zeichenpapier / 2011, Nr.11-041 / CHF 250.-


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