Die stille Revolution in DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER von Lars Kraume

Der Ungarnaufstand von 1956, besser bekannt als die Oktoberrevolution, inspiriert in Regisseur Lars Kraumes Das schweigende Klassenzimmer eine Gruppe von Schülern dazu, einen wortlosen Protest auszusitzen, der größere Kreise zieht, als es sich die Jugendlichen vorgestellt hatten. Nach seinem vielfach prämierten Der Staat gegen Fritz Bauer nimmt sich Kraume eines weiteren realen Ereignisses der deutschen Nachkriegszeit an. Er tauscht die bieder-muffigen Altherren gegen vor Idealismus strotzende und Hormon-gesteuerte Teenager aus, was sogleich zu so viel mehr Verve führt.

Basierend auf der Autobiografie von Dietrich Garstka erzählt der Film von den beiden Freunden Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) aus Stalinstadt in Ostdeutschland. Die beiden reisen gemeinsam in den Westen um dort das Grab von Kurts Großvater und ehemaligen SS Offizier zu besuchen. Zwar müssen sie durch eine Grenzkontrolle, die Berliner Mauer erhebt sich aber erst einige Jahre später. Und wenn sie schon einmal im Westen sind, können sie ja auch gleich einen Besuch im Kino mitnehmen. Dort erfahren sie in einem westdeutschen Nachrichtenbeitrag von dem Aufstand in Ungarn, der im Osten gänzlich anders dargestellt wird.

Zurück in ihrer Schule erzählen sie von der West-Variante der Ereignisse und überzeugen ihre Mitschüler, einen stillen Protest für die Opfer des brutalen Aufstands abzuhalten. Ihr Lehrer zeigt sich verärgert und irritiert, als keiner seiner Schüler ihm eine Frage beantworten will und meldet das Fehlverhalten dem Schuldirektor (Florian Lukas). Dieser leitet es an das Ministerium weiter, wo eine politische Motivation hinter dem Protest vermutet wird. Es beginnen Ermittlungen, die sogar den Bildungsminister (Burghart Klaussner) auf den Plan rufen, der den Schülern eine Woche Zeit lässt um den Initiator des Protests auszuliefern, sonst wird ihnen ein Abschluss in ganz Ostberlin verweigert.

Die stille Revolution in DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER von Lars Kraume

Das schweigende Klassenzimmer

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Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz)

Dabei konzentriert sich Das schweigende Klassenzimmer nicht nur auf einen Aspekt der Geschichte. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, ein deutsches Teen-Drama der Spät-50er Jahre zu inszenieren. Aber in Das schweigende Klassenzimmer geht noch weitaus mehr – manchmal auch ein bisschen zu viel – vor sich. Der Film ist nicht nur ein “Der Staat gegen eine Abiturklasse”. Es werden Eltern mit einbezogen (Ronald Zehrfeld und Götz Schubert als sehr unterschiedliche Figuren mit denselben Zielen und einen überraschenden Ausgang), als auch der ganz normale Jugend-Alltag mit seinen Liebeleien, Geheimnissen und Neidgefühlen gezeigt.

Ganz nebenbei werden gesellschaftspolitische Themen angeschnitten und ein Blick auf die historischen Gegebenheiten der Zeit geworfen. Dabei eröffnet uns Kraume die Unterschiede zwischen Ost- und Westberlin der 50er Jahre und bettet sie in die deutsche Nachkriegszeit ein, in der die Mentalität durch die Verarbeitung einer Niederlage und einer Nazi-Vergangenheit in gleichen Teilen präsent erscheint. Dabei vermeidet er jegliche Form von Zuschreibung und zeigt somit die Schwere dessen auf, in diesen Zeiten als Jugendlicher aufzuwachsen.

Es gibt unter den Schülern dicke Freundschaften, aber auch Feinde und Figuren, die sich lediglich im Hintergrund bewegen und deren Motive wir niemals erfahren. Kraume konzentriert sich auf einen kleinen Kreis, der umso stärker wirkt. Die Darsteller, neben Scheicher und Gramenz müssen Lena Klemke, Isaiah Michalski und Jonas Dassler genannt werden, verleihen ihren Figuren allesamt die notwendige Tiefe, um die – manchmal etwas an Hollywood erinnernden – Gefühlswelten und Handlungsmuster dieser Kids glaubwürdig in Szene zu setzen.

Die Freundschaftskonzepte von Staat und Schulklasse werden ebenso amüsant, fast sarkastisch dargeboten. Wenn die Schüler gegenüber den Lehrern zur Begrüßung und gegenseitiger Anerkennung “Freundschaft” aussprechen müssen, wirkt das wie eine einstudierte und abverlangte Plattitüde, während die wahre Freundschaft aus dem Zusammenhalt besteht, der schweigend von statten geht und die Oberen erzürnt.

Die stille Revolution in DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER von Lars Kraume

Das schweigende Klassenzimmer

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Florian Lukas als Schuldirektor Schwarz vor seiner Schule.

Ein Showstealer ist dabei Florian Lukas als Schuldirektor Schwarz. Er spielt die schwere Rolle der Grauzone, ist sowohl verärgert über das Verhalten seiner Klasse und zeigt das nur zu deutlich, aber hinter seinen Blicken verbirgt sich auch so etwas wie Verständnis, wie Fürsorge für “seine” Schüler, die er unbedingt zum Abschluss führen möchte. Er hält seine schützenden Hände so gut es geht über sie, zeigt sich im Angesicht des Staates unverstanden, übergangen und unfähig zu handeln, will sich selbst nicht in die Bredouille bringen.

Für Das schweigende Klassenzimmer hat Lars Kraume den Staub seines letzten Films abgeschüttelt und gut aufgelegte Darsteller durch ein Drama dirigiert, dass nicht in der drögen Langeweile der meisten anderen deutschen Historien-Aufarbeitungen untergeht. Man kann mit Geschichte eben doch auch ein wenig Unterhaltung bieten.


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