Spielberg schwärmt in DIE VERLEGERIN für Investigativ-Journalismus

Mit seinem neuen Film Die Verlegerin hat Steven Spielberg sich ein wenig in seinen nostalgischen Gefühlen gegenüber dem Journalismus verloren. So preist er zur Zeit der arg regulierenden Nixon-Präsidentschaft die Verteidigung der Presse an, die in Form der Washington Post, Chefredakteur Bradlee (Tom Hanks) und Herausgeberin Graham (Meryl Streep) um ihre Freiheit kämpft. Nun kann man die Parallele zur Ära Donald Trump und seinen beständigen Attacken auf den Journalismus ziehen oder aber sich die vielzähligen Clickbait-Artikel anschauen und gar auf eine baldige Kontrollinstanz für den immer schwammiger werdenden Begriff des Journalismus hoffen.

Erst einmal bekommen wir aber Steven Spielbergs David-gegen-Goliath-Geschichte, wie er sie immer wieder gerne erzählt. Seit seinem Debütfilm Duell, in dem ein kleiner PKW von einem gigantisch-bösartigen LKW von der Straße gedrängt werden soll, setzt der Regisseur die vermeintlich Schwächeren in heroische Positionen und lässt sie geschichtsträchtige Erfolge erringen. So steht in Die Verlegerin nun der gute – unbestreitbar – Investigativjournalismus gegen die böse amerikanische Regierung der Mit-60er Jahre.

Der Film erzählt von den Pentagon-Papieren, in denen geheime Informationen zum Umgang der amerikanischen Regierung mit dem Vietnam-Krieg unter Verschluss gehalten worden sind. Der Whistleblower Daniel Ellsberg (Matthew Rhys) bringt mehr als eintausend Seiten dieser Papiere in seinen Besitz und geht mit den empfindlichen Informationen zur New York Times. Nachdem die Times gerichtlich daran gehindert wird, eine große Enthüllungsstory aus den Papieren zu machen, kommt der Journalist Ben Bagdikian (Bob Odenkirk) für die Washington Post an die Story.

Spielberg schwärmt in DIE VERLEGERIN für Investigativ-Journalismus

Die Verlegerin

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Tom Hanks und Meryl Streep in DIE VERLEGERIN von Steven Spielberg.

Hier ist es nun an Chefredakteur Ben Bradlee (Hanks) und Herausgeberin Kay Graham (Streep) eine Entscheidung darüber zu fällen, ob man sich dem Gerichtsbeschluss gegenüber der New York Times entgegen stellt und nach dem Grundsatz der Pressefreiheit die Bevölkerung über die Vertuschungsmachenschaften der Regierung in Kenntnis setzt. Dabei könnten sie ihre Zeitung verlieren oder gar wegen Hochverrats ins Gefängnis gehen.

Leider macht uns Spielberg das Gewicht dieser Entscheidung nicht spürbar. Ob wir als Zuschauer nun die wahre Geschichte kennen oder nicht, die Dramaturgie in Die Verlegerin verliert sich in einer fast dokumentarischen Nacherzählung, der es an Spannungsmomenten und einer Spannungskurve fehlt. Werden die Panama-Papers nun wirklich veröffentlicht? Wird die Post zur Rechenschaft gezogen? Fragen, die aufkommen sollten, aber es niemals tun. Von Beginn an ist uns klar, wie die Geschichte ausgehen wird, schon alleine weil wir ganz genau wissen, dass Spielberg seinen beiden Liebsten Hanks und Streep niemals etwas zustoßen lassen könnte.

Wenn man nicht weiß, wie der Prozess der freien Presse gegen die Regierung ausgeht, kann am Ende noch ein kurzer “Was passiert jetzt?”-Moment für ein wenig Aufregung sorgen. Wenn wir die Folgen der Entscheidung erleben, weiß Spielberg ganz genau, wie er es filmisch umsetzen muss, um das Ende hinauszuzögern und uns auf die Reaktion auf die Aktion warten zu lassen.

Spielbergs Dramen sind inzwischen leider oftmals emotionslose Nacherzählungen, die sich darauf verlassen, dass wir ganz automatisch dieselbe Begeisterung für Thematiken aufbringen, wie der Filmemacher. Dabei setzt er auf große und bekannte Namen (Meryl Streep, Tom Hanks, Daniel Day-Lewis) um uns durch ein gutes Schauspiel von der emotionsschwachen Story abzulenken. Bei Die Verlegerin kommt erschwerend hinzu, dass wir erst vor wenigen Jahren Tom McCarthys weitaus besseren Journalisten-Enthüllungsfilm Spotlight bekommen haben, wo sich ein Investigativ-Team des Boston Globe die katholische Kirche und den dort stattfindenden Kindesmissbrauch vorknöpfen durfte.

Spielberg schwärmt in DIE VERLEGERIN für Investigativ-Journalismus

Die Verlegerin

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Bob Odenkirk als Washington Post-Reporter Ben Bagdikian.

Tom Hanks und Meryl Streep sind natürlich perfekt in ihre Rolle gecastet, können ihren Figuren und ihrem Spiel aber nichts mitgeben, an das wir uns erinnern müssten. Vielleicht sind es auch die Rollen selbst, die vom Drehbuch – von Liz Hannah und Josh Singer – so konzipiert worden sind, dass sie kaum Aufsehen erregen können. Sie sind Chefredakteur und Herausgeberin, keine klassischen Journalisten, die dort draußen auf der Straße einer Story nachgehen würden. Sie sind nicht die, die eine Story recherchieren, sondern das Drama verkaufen müssen, ob eine Story veröffentlicht werden soll oder nicht.

Allenfalls Matthew Rhys als Whistleblower Ellsberg und Bob Odenkirk als Reporter Bagdikian können einige wenige Momente in Die Verlegerin bringen, in denen wir den paranoiden Journalisten erleben, der flüsternde Gespräche am Telefon führt, sich heimlich in Motels trifft und unter Verfolgungswahn eine Story zu verteidigen versucht. Beide Männer entscheiden sich dazu, dass diese Story es Wert ist, dafür eventuell ins Gefängnis gehen zu müssen. Diese beiden Männer sind aber leider nicht die Hauptfiguren des Films.

Steven Spielberg besteht viel zu sehr auf die Wichtigkeit seiner Geschichte. Er weist uns geradezu darauf hin, dass das Recht der freien Presse verteidigt werden muss, scheitert aber daran, seinem Film dieses Gewicht zu verleihen. Die Verlegerin trägt ein ganz anderes Gewicht mit sich herum. Das Gewicht der “Sage etwas Wichtiges”-Message, wodurch ein Großteil des Unterhaltungswerts und seiner Überzeugungskraft verloren geht.


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