Die Generation Praktikum oder Stillstand in der Maslowschen Bedürfnispyramide

Die Generation Praktikum.

Der prekäre Arbeitsmarkt? Befristete Arbeitsverträge und dazwischen Arbeitslosigkeit? Multi-Jobber? Anstieg der Leiharbeit?

Über die Misere am heutigen Arbeitsmarkt, insbesondere die der Generation Praktikum, wird viel in den Medien geschrieben. Es geht um berufliche Unzufriedenheit, Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst.

Das Phänomen der Generation Praktikum lässt sich sehr schön anhand einer Coaching-Methode, der sogenannten Maslowschen Bedürfnispyramide, beschreiben.

Erklärung der Pyramide

Die Maslowsche Bedürfnispyramide, welche ich gerne zur Veranschaulichung und Reflektion in meinen Coachings verwende, interpretiert das menschliche Streben dahingehend, dass jeder Mensch in seinem Leben versucht, gemäß den Eigenschaften einer Stufe in der Pyramide weiter aufzusteigen. Das oberste Ziel eines Menschen ist nach diesem Modell die Selbstverwirklichung, wo sich das Individuum voll entfalten kann.

Maslowsche Bedürfnispyramide im beruflichen Kontext

Maslowsche Bedürfnispyramide im beruflichen Kontext

Sobald die Bedürfnisse einer Stufe zu großen Teilen erfüllt sind, hat der Mensch das Bestreben, die nächste Stufe zu erreichen. In der heutigen mitteleuropäischen Lebenssituation sind meist die dritte Stufe und ganz besonders die vierte Stufe, also das Bedürfnis nach Anerkennung und Status, von herausragender Bedeutung.

Überleitung der Pyramide zur Generation Praktikum

Der berufliche Lebensweg ist meistens dadurch gekennzeichnet, dass die Berufsanfänger nach ihrer Ausbildung oder ihrem Studium zunächst in den unteren beiden Stufen, die Stufe der Grundbedürfnisse (1) und die Stufe der Sicherheits- und Schutzbedürfnisse (2) starten. Der Mensch versucht mit seinem regelmäßigen Einkommen, seine Existenz zu sichern. Ist man im Job angekommen, hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag, beruflichen Erfolg und ein gesichertes Einkommen, können die Stufen drei und vier erklommen werden.

Doch was ist, wenn genau diese Kriterien nie erfüllt werden?

In der heutigen Zeit ist es bei vielen Praktikanten und Angestellten so, dass sie entweder einen befristeten Arbeitsvertrag und/oder ein geringes Gehalt haben. In beiden Fällen können sie nicht frei von Existenzängsten sein, da ihr Lebensunterhalt immer auf einer sehr brüchigen Basis steht: Entweder ist latent die Angst vorhanden, dass der Arbeitsvertrag nicht verlängert wird, oder das Konto ist schon vor dem Ende eines Monats leer oder überzogen. Für diese Menschen ist es nicht möglich, ihre Energie auf ihre sozialen Bedürfnisse der Stufen drei und vier zu konzentrieren. Sie sind in der Pyramide quasi von der Entwicklung abgehängt.
Die Generation Praktikum fristet ihr Dasein im Stillstand auf den unteren Stufen der Bedürfnispyramide.

Bild: selbsterstellte Zeichnung


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