Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum Gipfelglück

Von tosenden Wassermassen, Gletschereis und luftigen Eisenklammern — der Anstieg durch das Höllental ist die wohl imposanteste, aber auch anspruchsvollste Normalroute auf Deutschlands höchsten Gipfel.

Wer die Zugspitze (2.962 m) nicht nur als touristische Flaniermeile, sondern als hochalpine Bergtour erleben möchte, kommt am Höllental nicht vorbei.

Auf einer Strecke von knapp 11 Kilometern überwindet man zähe 2.200 Höhenmeter im Aufstieg – eine physische und mentale Achterbahnfahrt durch nahezu alle Facetten einer Bergtour: eine tosende Klamm, luftige Klettersteigpassagen, einen schrumpfenden Gletscher mit berüchtigter Randkluft und ein aussichtsreiches Gipfelfinale.

Wer von Hammersbach durch die Höllentalklamm startet, nimmt nicht einfach den kürzesten Weg auf Deutschlands höchsten Gipfel, sondern entscheidet sich für den abwechslungsreichsten und anspruchsvollsten der klassischen Anstiege.


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Durchs Höllental auf die Zugspitze: Das sind die Anforderungen

Die Route verlangt alles, was eine anspruchsvolle Bergtour ausmacht: Ausdauer für mehr als 2.200 Höhenmeter Aufstieg am Stück (dafür verkürzt die Seilbahn den Abstieg), Trittsicherheit in ausgesetztem Gelände, Klettersteigtechnik, sicheres Gehen mit Steigeisen am Gletscher sowie das Einschätzen aktueller Verhältnisse und Gefahren.

Wer all das mitbringt, wird mit einer einzigartigen Dramaturgie belohnt: Von der dunklen Höllentalklamm geht es hinein ins alpine Gelände; über luftige Eisenleitern und das berühmte Brett, über den Höllentalferner und schließlich über den ausgesetzten Schlussanstieg hinauf zur Zugspitze auf 2.962 Meter.

Zugspitze via Höllental: Toureninfos


📍 Berg/Ort: Zugspitze (2.962 m) | Wettersteingebirge

🚗 Anfahrt: Mit dem Auto oder dem Zug nach Garmisch. Ausgangspunkt ins Höllental ist der Wanderparkplatz Hammersbach bei Grainau > Anfahrt planen

✊ Schwierigkeit: Sehr lange, alpine Bergtour mit Gletscheranstieg (Achtung Randkluft!) und teils ausgesetzten Passagen. Eis/Firn bis 35°, UIAA I-II im Fels, Klettersteig bis C.

↗️ Aufstieg: 2.200 Höhenmeter

↔️ Distanz: 11 Kilometer

⬇️ Abstieg: Mit der Zugspitz Seilbahn. Von der Talstation mit der Zahnradbahn zurück nach Hammersbach (Zugfahrt im Seilbahnticket inkludiert).

🏠 Stützpunkt: Höllentalangerhütte (eventuell Übernachtung)

🧭 Ausrichtung: Nordost bis Ost

☀️ Beste Jahreszeit: Juni bis September

✔️ Ausrüstung: steigeisenfeste Bergschuhe, Steigeisen, Stöcke, evtl. Leichtpickel, Klettergurt, Klettersteigset, Helm, Gletscherausrüstung zur Spaltenbergung, Seil (Länge je nach Gruppengröße), Arbeitshandschuhe, Stirnlampe

🚶 Wegbeschreibung: Von Hammersbach auf markiertem Weg zur Höllentalklamm. Durch die Klamm (in den Tunneln evtl. Stirnlampe) und weiter zur Höllentalangerhütte (hierher solltest du max. 2h brauchen).
Nach der Höllentalangerhütte in ca. 1 h hinauf zum sogenannten Brett (erste, seilversicherte Passage, B) mit Eisenleiter und luftiger Querung an Trittstiften.
Nach dem Brett über Schrofenkletterei (I) in leichteres Gelände. Danach wieder auf gutem Weg bis zum Gletscher.
Den Gletscher zunächst flach, danach bis zu 35° steil (Achtung auf Spalten, eventuell Blankeis) in einem Rechtsbogen bis zum Einstieg des Klettersteigs.
Über die Randkluft (die Verhältnisse ändern sich ständig!) an den Fels. Steigeisen ausziehen und weitere 500 Höhenmeter über den Klettersteig zum Gipfel.
Der Klettersteig ist zu Beginn am schwierigsten (C, sehr steil und glatt), aber auch danach anhaltend und noch sehr lang!
Vom Gipfel seilgesichert (A/B) zur Bergstation der Zugspitzbahn und mit der Gondel zurück ins Tal.

Die Zugspitze übers Höllental: Die Tour in fünf Abschnitten

Bevor wir losstarten, sehen wir uns den Routenverlauf in 5 prägenden Abschnitten an. Damit du weißt, was wirklich auf dich zukommt!

  1. Abschnitt: Hammersbach → Höllentalklamm → Höllentalangerhütte (758 m-1.381 m): Morgendliche Erfrischung in der spektakulären Klamm; mit Tunnels, Stegen und etwas Abkühlung von oben. Nach der Klamm auf flachem Talboden zur Hütte. Regenschutz & Stirnlampe für die Tunnel in der Klamm nicht vergessen. (Dauer: 1.5-2 Std.)
  2. Abschnitt: Höllentalangerhütte & der untere Klettersteig „Brett & Leiter“ (1.381 m-1.800 m): Von der Hütte zum unteren Kletterstieg am sogenannten Brett, eine glatte Felswand mit Eisenstiften und Eisenleiter. Klettersteigkategorie B, Klettersteigausrüstung davor anlegen. (Dauer: ca. 2 Std.)
  3. Abschnitt: Brett Höllentalferner (1.800 m-2.250 m): Nach dem unteren Klettersteig kann man die Kletterausrüstung nochmals ablegen. Knapp 400 Hm steigt man über einen alpinen Steig (kurze Kletterstellen I) bis zum Höllentalferner auf. (Dauer: ca. 1 Std.)
  4. Abschnitt: Höllentalferner & Randkluft (2.250 m-2.450 m): Nun steigt man über den Gletscher und die berüchtigte Randkluft. Zunächst flach, dann bis zu 35° steil den Glescher in einem Rechtsbogen hinauf. Der ist im Hochsommer meist aper. Sicheres Gehen mit Steigeisen (Grödel reichen bei Blankeis keinesfalls!), Pickel- und/oder Stock.
    Die Randkluft bildet den Übergang zwischen dem schwindenden Gletscher und der Felswand, durch die der Klettersteig weiterführt. Die Verhältnisse an der Randkluft sind äußerst variabel; je nach Ausaperung kann es äußerst schwierig sein, sie zu überwinden. (Dauer: ca. 1 Std.)
  5. Abschnitt: Oberer Höllental-Klettersteig → Zugspitze (2.450 m-2.962 m): Das Finale der Tour bildet der Höllental-Klettersteig: 500 Höhenmeter klettert man über Bügel, Klammern, Rinnen, Kamine und den finalen Grat bis zum Gipfel der Zugspitze.
    Klettersteig-Schwierigkeit C, gute Armkraft und Ausdauer nach bereits 6–7 Stunden Aufstieg und Trittsicherheit im alpinen Gelände werden hier nochmals gefordert. (Dauer: ca. 2,5 Std.)
Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum GipfelglückKartenbasis: 3D Satellitenansicht von Outdooractive

Durch das Höllental auf die Zugspitze: Der Weg auf das Dach Deutschlands

Morgengrauen im Getöse der Klamm

Es ist 04:30 Uhr am Parkplatz in Hammersbach. Während das Zugspitzland noch friedlich schläft, knirschen die Sohlen der Bergschuhe bereits auf dem feuchten Schotter. Der Rucksack wiegt spürbar schwer – Klettergurt, Klettersteigset, Pickel, Steigeisen und Helm lassen keinen Zweifel daran, dass heute kein gewöhnlicher Wandertag ansteht.

Der Weg schlängelt sich zunächst sanft entlang des Hammersbachs empor, bevor man am Eingangshäuschen die Höllentalklamm betritt. Sobald man das Tor passiert hat, umschließt einen eine völlig andere Welt. Das Getöse des Wassers unterdrückt alle anderen Geräusche. Durch dunkle Tunnelsysteme, über schmale Holzstege und vorbei an tropfenden Felswänden geht es stetig bergan. Wassernebel legt sich kühl auf die Haut. Die „Hölle“ macht ihrem Namen hier optisch alle Ehre – doch klimatisch ist die Klamm der perfekte Wachmacher für das, was noch folgt.

Zugspitze Höllental Klettersteig Zugspitze Höllental Klettersteig Aufwachen in der Höllentalklamm.
Die kleinen Wasserfälle und der tosende Bach machen munter und sorgen für eine angenehme Abkühlung.

Morgenrot am Anger

Hinter dem Klammausgang öffnet sich schlagartig die Kulisse: Der Höllentalanger breitet sich wie eine grüne Oase zwischen den gewaltigen Felswänden aus.

Vor uns erglüht die Zugspitze im Morgenrot. Die riesige Bergstation knapp unterm Gipfel wirkt schon richtig nah. Von der Höllentalangerhütte (1.387 m), die wir wenig später erreichen, sind es allerdings noch fast 1.600 Höhenmeter bis zum goldenen Gipfelkreuz.

Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum GipfelglückWir verlassen die kühle die Klamm. Vor uns erglüht unser Tourenziel im Morgenrot.

Die neu erbaute Höllentalangerhütte lädt zwar kurz zum Verschnaufen ein, doch der Blick nach oben verrät: Die Tour beginnt gerade erst und der Weg ist noch weit.

Der erste Felskontakt (Brett & Leiter)

Nach der Hütte steilt das Gelände bald an. Der sanfte Weg verwandelt sich in einen felsigen, alpinen Steig, ehe man vor einer senkrechten Felswand steht.

Hier heißt es: Gurt an, Helm auf und Klettersteigset einklinken. Das Brett – eine abdrängende Felswand – ist mit Stahlseilen versichert, verlangt aber Vertrauen in den Gummi der Schuhsohlen.

„Wer an der Leiter und dem Brett bereits unsicher ist, sollte bedenken: Das Höllental wird erst im oberen Teil so richtig wild.“

Auf glatten Felsplatten traversiert man, gestützt nur auf feine Eisenstifte oder die Trittstufen einer Leiter, über dem Abgrund. Bedacht arbeiten wir uns Eisenklammer für Eisenklammer nach oben. Die Schwindelfreiheit wird ein erstes Mal auf die Probe gestellt (Schwierigkeit A/B).

Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum Gipfelglück Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum Gipfelglück Zugspitze Höllental Klettersteig Das Brett ist die erste Schlüsselstelle der Höllentalroute.
Die historischen Eisenstifte wurden von den frühen Pionieren in den Fels geschlagen und dienen bis heute als Tritte – der entscheidende Unterschied zu früher: Dank moderner Klettersteigsets muss heute niemand mehr ungesichert darüber.

Nach den Brett legen wir die Kletterausrüstung nochmals ab. Denn bis zum Höllentalferner und dem oberen Klettersteig liegen nochmals 400 Höhenmeter. Die Landschaft ist hochalpin und herrlich abwechslungsreich. Der Steig bleibt technisch fordernd: Kurze, einfache Kletterstellen (I) müssen wir ohne Seilsicherung überwinden.

Einen letzten Wiesenfleck nutzen wir für eine längere Rast, ehe wir zum Beginn des Höllentalferners aufsteigen.

Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum GipfelglückDas letzte Grün lassen wir bald hinter uns. Immer näher kommen wir dem Höllentalferner.

Der Höllentalferner: Über schwindendes Eis

Hat man den Grünen Buckel hinter sich gelassen, flacht das Gelände kurz ab, bevor man das karge Kar des Höllentalferners erreicht. Der größte Gletscher Deutschlands wirkt wie ein wundes Eis-Relikt: blank, nach oben hin steil und auch spaltig!

Wir zurren die Steigeisen fest an die Bergschuhe, nehmen den Pickel in die Hand und legen uns eine gute Linie über den Gletscher zurecht.

Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum GipfelglückDer Höllentalferner.
Aus der Ferne wirkt er überraschend klein. Erst aus der Nähe wird deutlich, dass er einige steile Höhenmeter überwindet. Dank seiner geschützten Lage zwischen Riffelwandspitzen und Zugspitze trotzt er dem Gletscherrückgang noch wacker.

Der Aufstieg über den Gletscher erfordert Konzentration und sicheres Gehen mit Steigeisen. Die Hangneigung steigt im oberen Drittel auf etwa 35 Grad an. Eher mittig steigen wir über as blanke Eis auf. Erst auf Höhe des Einstiegs zum Klettersteig queren wir nach rechts hinüber (Achtung Spalten).

Im Spreizschritt über die Randkluft

Am oberen Ende des Gletschers wartet das Nadelöhr der Tour: Die Randkluft. Hier tut sich im Sommer eine oft meterbreite und Kluft zwischen dem Eis und Schnee des Gletscher und der Felswand auf. Je nach Jahreszeit und Schneelage präsentiert sich diese Stelle völlig unterschiedlich – von einem einfachen Schritt bis hin zu Klettermanövern oder einem Sprung über den Abgrund.

Zugspitze Höllental Klettersteig Zugspitze Höllental Klettersteig Die Randkluft – die Lücke zwischen Gletscher und Fels – lässt sich heute leicht überwinden.
Danach kommen die steilsten und forderndsten Meter am Klettersteig (C).

Hier am Übergang vom Gletscher zum Fels bildet sich oft eine lange Schlange an Bergsteigern, da hier alle die Steigeisen wieder ausziehen müssen. Das erfordert einiges an Geduld – besonders, wenn kühler Wind vom Gletscher herabpfeift.

Der Höllental-Klettersteig: Grandioses Finale an der Zugspitze

Hat man die Randkluft überwunden, liegt der alpinistisch heikelste Teil hinter, aber der anstrengendste Klettersteigteil vor einem. Über knapp 500 Höhenmeter zieht sich der obere Höllental-Klettersteig (Schwierigkeit B/C) durch die gewaltige Ostwand.

Kraftraubend sind vor allem die ersten Meter nach dem Gletscher. Denn hier ist der Klettersteig besonders steil und der Fels sowohl glatt als auch trittarm. Nach dem ersten Aufschwung muss man eine kurze Querung ohne Stahlseil überwinden.

Danach leiten durchgehend Stahlseile, Bügel und Stifte durch steile Rinnen, über ausgesetzte Bänder und Felsaufschwünge.

Zugspitze übers Höllental: Durch die Hölle zum GipfelglückAm Höllentalklettersteig.
500 Höhenmeter geht’s über ausgesetzte Bänder und Aufschwünge entlang des Stahlseils empor.

Der Tiefblick zurück auf den Höllentalferner wird von Minute zu Minute spektakulärer. Die Oberschenkel brennen, die Luft wird spürbar dünner. Hoch über uns blitzt schon das Gipfelkreuz vom Felsgrat und auch die Bergstation wirkt schon zum Greifen nah. Doch der Schein trügt. Noch ist der Weg weit und die letzten Höhenmeter ziehen sich gewaltig.

Der Grat mit Eibsee-Blick

Die Motivation verlässt uns nicht. Eher nimmt sie Meter um Meter zu, als wir den Grat, vom dem sich ein grandioser Blick hinab auf den Eibsee auftut. Hoch über dem Tal und herrlich ausgesetzt steigt man dem goldenen Gipfelkreuz der Zugspitze entgegen.

Wir verlassen das Stahlseil und reihen uns ein in den Touristenstrom, der von der Bergstation der Zugspitz-Seilbahn zum Gipfel fließt. Obwohl die Tour bereits alles andere als einsam war, ist der Tumult nach dem ruhigen Aufstieg ein kleiner Schock.

Wenig später, nämlich als wir selbst mit der Bahn nach unten schweben, sind wir nach dem lange Aufstieg froh über die unterstützende Infrastrukur.

Und auch, wenn ich ein Bebauen der Alpengipfel nicht befürworte, beeindruckt mich die Seilbahn. Fast 2.000 Meter Höhenunterschied überwindet die Pendelbahn und kommt dabei mit nur einer Stütze aus. Sehenswert weniger für Bergsteiger, dafür besonders für Technik-Interessierte. Idealerweise besteigt man die Zugspitze davor aus eigener Kraft.

Die Zugspitze mit Bergführer:in

Du möchtest die Zugspitze professionell begleitet mit einer Bergführerin erleben? Dann melde dich bei mir und stell mir eine unverbindliche Anfrage. Seit Juli 2026 bin ich Bergführer-Anwärterin und verbringe gerne einen Tourentag mit dir!

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Zugspitze übers Höllental: Diese Ausrüstung war dabei

  • Leichter Bergschuh: Scarpa Ribelle S HD
  • Kletterrucksack: Exped Whiteout 30
  • Steigeisen: Blue Ice Harfang Alpine
  • Leichtpickel: Petzl Ride
  • Klettergurt: Petzl Sitta
  • Klettersteigset
  • Helm
  • Stöcke
  • Erste-Hilfe-Set inkl. Rettungsdecke & Biwaksack
  • GPS-Uhr: Suunto Vertical Titanium
  • Kleidung, Accessoires und Verpflegung

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🏔️ GEWINNSPIEL 🏔️ Endlich wieder daheim. Endlich wieder Klettern und rauer Kalk. 🧗‍♂️🫶🏻 Step by step: Durch das Höllental auf die Zugspitze 🏔🥾

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