Die Geburt – Nur 48 Stunden (Teil 2)

Die Geburt – Nur 48 Stunden (Teil 2)

Freitag, 3.21 Uhr

Wache durch ein lautes Geräusch auf. Stelle fest, dass es mein knurrender Magen ist. Kann nicht mehr einschlafen.

 

Freitag, 6.25 Uhr

Die Freundin schickt die Schwester mit dem Frühstückstablett sofort wieder raus, da sie sich sonst übergeben müsse. Komme mir vor wie Jan Ulrich, der vom Hungerast geplagt den Mont Ventoux hinaufradelt.

 

Freitag, 8.30 Uhr

Erster Besuch beim Wehenschreiber. Der Wehenhemmer leistet ganze Arbeit und der Schreiber bewegt sich weniger als Bill Cosby beim Tanzen.

 

Freitag, 9.11 Uhr

Laufen Runde für Runde schweigend durch die Gartenanlage des Krankenhauses. Fühle mich wie Bill Murray am Murmeltiertag in Punxsutawney. Versuche die Melodie von „I got you Babe“ aus dem Kopf zu vertreiben.

 

Freitag, 10.30 Uhr

Ereignisloser Besuch beim Wehenschreiber. Biete der Freundin an, bei mir die Wehen messen zu lassen. Sie verlässt wortlos das Zimmer Richtung Gartenanlage.

 

Freitag, 11.41 Uhr

Frage die Freundin, ob es ihr etwas ausmacht, wenn sie alleine weiter spazieren geht. Ich sollte meine Kräfte besser schonen, damit ich sie später bei der Geburt besser unterstützen kann. Entnehme ihrer ausbleibenden Antwort, dass es ihr anscheinend etwas ausmacht.

 

Freitag, 12.30 Uhr

Spreche vorsichtig das Mittagessenthema an. Die Freundin herrscht mich an, ob ich denn an gar nichts anderes als immer nur an Essen denken könne.

 

Freitag, 13.32 Uhr

Die nächste Sitzung am Wehenschreiber ist ernüchternd wie der Blick aufs Bankkonto am Monatsende.

 

Freitag, 14.11 Uhr

Die Ärzte denken darüber nach, den Wehen medikamentös auf die Sprünge zu helfen. Daraufhin bequemen sich die selbigen wieder einzutreten.

 

Freitag, 15.47 Uhr

Dürfen tatsächlich den Kreissaal betreten.

 

Freitag, 16.32 Uhr

Der Anästhesist begrüßt uns mit dem aufmunternden Spruch, rein ginge es halt leichter als raus. Spiele mit dem Gedanken, ihm eine reinzuhauen. Erkläre ihm stattdessen, dass im umgekehrten Falle die Menschheit schon längst ausgestorben wäre. Findet er evolutionär gesehen recht einleuchtend.

 

Freitag, 16.43 Uhr

Werde des Raumes verwiesen, damit der Freundin in Ruhe eine lokale Betäubung in den Rücken gesetzt werden kann. Verabschiede mich mit ausschweifenden Worten des Bedauerns.

 

Freitag, 16.44 Uhr

Will mich gerade auf den Weg zur Cafeteria aufmachen, als mir ein frisch gebackener Vater mit Tränen der Rührung in den Augen seinen Neugeborenen präsentiert. Das Gesicht des Säuglings ist stark gerötet, er hat eine erstaunlich große und breite Nase sowie verkniffene Augen. Er erinnert mich das Kindchenschema verhöhnend an Franz-Josef Strauß. Versichere dem Vater mit wohlfeilen Worten, was für einen prachtvollen Stammhalter er gezeugt habe. Bete innerlich, unser Kind möge keine Ähnlichkeit mit bayerischen Politikern oder Politikern jeglicher Couleur aufweisen.

 

Freitag, 17.04 Uhr

Kehre in den Kreissaal zurück, wo die lindernde Wirkung der Betäubung nicht nur die Schmerzen, sondern auch die Wehen vertrieben hat.

 

Freitag, 18.51 Uhr

Ernte wenig Verständnis von der Freundin, als ich über meine unmenschlichen Magenschmerzen klage.

 

Freitag, 21.49 Uhr

Seit Stunden keine Neuigkeiten von der Wehenfront.

 

Freitag, 23.14 Uhr

Hören Tom-Waits-Lieder in Dauerschleife, was dazu führt, dass sich das Krankenhauspersonal immer seltener in unserem Zimmer blicken lässt, um nach dem Rechten zu sehen.

 

Samstag, 1.04 Uhr

Die Hebamme zieht ihre erfahrenste Kollegin für eine Einschätzung zu Rate. Diese kommt in Gestalt eines alten Hutzelweibchens, das die ideale Besetzung für Jodas Mutter in einer Star Wars – Verfilmung darstellt. Sie brabbelt ein paar unverständliche Worte. Hört sich an wie „Das Kind nicht auf natürlichem Wege zur Welt kommen wird“.

 

Samstag, 2.49 Uhr

Erwäge, unsere Wohnung zu kündigen und dauerhaft ins Krankenhaus zu ziehen.

 

Samstag, 4.11 Uhr

Der Stationsarzt kommt in den Kreissaal und erklärt, er möchte sicherstellen, dass es dem Kind gut gehe. Dazu müsse er mit einer langen Nadel durch die mütterliche Scheide ins Köpfchen des Kindes piksen, um den Sauerstoffgehaltes des Blutes zu untersuchen. Wir würden uns sicherlich fragen, ob dies dem Kind weh tut. Das sei wahrscheinlich der Fall. Glücklicherweise würde sich das Kind später daran aber nicht erinnern und schon gar nicht daran, dass er es gepikst hätte.

 

Samstag, 4.15 Uhr

Der Arzt kommt zurück und verkündete freudestrahlend, dass unser Kind mehr Energie für den Rest der Nacht habe als er selbst. Eine Information so beruhigend wie die Ankündigung Norbert Blüms, die Renten seien sicher.

 

Samstag, 5.45 Uhr

Die Ärzte entscheiden, das Kind per Kaiserschnitt zu holen. Ziehe mir viel zu große OP-Klamotten an und werde auf dem Weg zum OP-Saal von einer älteren Dame als Herr Doktor nach dem Weg zur Babystation gefragt. Erkläre ihr indigniert, dass ich jetzt operieren müsse und sie sich bitte an die Schwestern wenden möge.

 

Samstag, 6.23 Uhr

Höre im OP, wie der Oberarzt das Personal anweist, man möge sich beeilen. Er habe noch zwei weitere Eingriffe und einen wichtigen Termin um 10 Uhr. Bilde mir ein, dass unter seinem OP-Kittel Golfhosen hervorlugen. Könnte sich aber auch um eine schlafentzug- und nahrungsdefizitbedingte Sinnestäuschung handeln.

 

Samstag, 7.11 Uhr

Nach präzisem Schneiden, Ziehen und Drücken der Ärzte hält uns die OP-Schwester ein kleines käseschmieriges Bündel entgegen. Es scheint ob der langen Geburt etwas verstimmt zu sein und brüllt uns mit puterrotem Kopf an.

 

Samstag, 7.24 Uhr

Bin erleichtert als mir die Hebamme das gewickelte Kind in den Arm drückt und es nicht mehr aussieht wie ein Kleindarsteller aus der Alien-Trilogie.

 

Samstag, 7.35 Uhr

Werde von der Kinderkrankenschwester mit den Worten verabschiedet, Mutter und Kind müssten sich jetzt ausruhen. Verlasse das Krankenhaus, kann mich aber nicht an den Weg zur U-Bahn oder den Namen unserer Straße erinnern. Lege mich auf eine Bank im vertrauten Krankenhausgarten. Schlafe ein und träume davon mit dem greisen Inder die Yoga-Figur „Essender Mann“ einzuüben.


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