Die fehlende Schüssel

“Waaaas? – Sie haben zu Hause keine спутниковая антенна?* – Sie lassen demnach Ihre Frau nicht Fernsehen gucken?”

So ward ich gestern von einer Migrationshintergründlerin gefragt. Mit einer Frage – “Sie lassen demnach Ihre Frau nicht Fernsehen gucken?” – die so viele Fehler enthält, dass sie mich zunächst stammeln machte.

Erstens unterhalten wir uns gern und oft. Zweitens können wir uns durchaus gemeinsam vor einen Mac setzen, um gemeinsam feuerzeugschwenkend ein YouTube-Vidik zu gucken. Drittens hat sie seit einem Jahr ein Peddik, worauf nicht nur Russen-TV, sondern auch das TV-Programm der Westukraine oder – sollte sie es wünschen – das der Lokalsender der Städte Kiew, Charkiw oder Dnipropetrowsk läuft. Viertens, Fünftens, Sechstens, Siebt…

Keines der zahlreichen Argumente trage ich vor. Zumal die Frage offenbar darauf hinausläuft, wieso bei uns der Fernseher nicht – wie sonst bei Russen üblich – rundumdieuhr läuft.

Kulturelle Empfindungen kann man nicht erklären, ohne arrogant zu wirken. “Die Fähigkeit des Genusses ist Bedingung für denselben” (Marx), das laufende TV-Programm und innerfamiliärer Kommunikation sind reziproke Größen.

Darüber hinaus übersetzt sich (m|M)ir die Frage der Migrantin wie von selbst. Ich erblicke innerlich eine Bäuerin, welche Aristokraten befragt.

“Waaas? – Sie essen Ihr Mittagessen mit Besteck? – Demnach lassen Sie ihre Frau nicht mit Fingern essen?”

Die Werte hinter Verhalten sind unvermittelbar. Wer es nicht fühlt, wird es auch nicht erjagen (Goethe). Odersoähnlich.

Statt zu erklären, nehme ich – wie immer in solchen Situationen – den Fakt als solchen und die fragende Migrantin im Besonderen humorig auf die Schippe.

“Meine Frau darf deshalb nicht gucken, weil in den Filmen dieser Programme immer – и в большом количестве – Deutsche umgebracht werden. Weil es darinnen ständig detoniert, pfeift und zischt. Stets rufen irgendwelche Russen “Urrra!” und treiben wehrlose Deutsche in die Flucht. So als sei es damals ein großer Krieg gewesen, der nur deshalb erfunden wurde, um den Ruhm der einzig ruhmreichen Armee erst so richtig rühmlich zu machen.”

Das Statement ist zwar übertrieben – stimmt aber.

Alternativ kann man natürlich mittels Sputnik-Schüssel zahlreiche Putin-Programme gucken. Die dementsprechende Rede meinerseits war bereits bereitgestellt. Sie wäre definitiv gekommen, hätte es ein Gegenargument gegeben. Doch die Migrantin schmunzelt nur, was bedeutet: Anerkanntes Rechthaben. So konnte ich meine Argument-Reserven in den Kasernen lassen.

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Ach übrigens (1): Dass in Russland irgendwann einmal das geschriebene Wort (zum Beispiel in Tweets oder Blogs) spannender sein könnte, als Berichte der TV-Stationen, hätte man dortzulande unter Jelzin nicht für möglich gehalten.

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Ach übrigens (2): Putinismus wird man einmal jene slawische Krankheit nennen, die stets die russländische Politik befällt. Russen brauchen den starken Mann. Sie brauchen einen IHN, um glücklich zu sein. Putinseidank ist endlich Ruhe im Karton.

 

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* Deutsch: Sputnik-Antenne/Satellitenschüssel


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