Die bedrängte Mittelschicht

Es ist Frühling und kreuzberger Großfamilien zieht es raus in die Parks. Ich selbst war auf Dienstreise in Franken. In Bayern ist alles so organisiert, dass die Aktiven den Laden am Laufen halten können. Es beginnt mit den Ampelschaltungen vom Flughafen in Richtung Innenstadt. Dort gibt es regelmäßige Busse in Richtung Werk. Ohne Umstieg und mit Endhaltepunkt dort, wo die Shuttlebusses des Werkes enden. Das geht so schnell, dass sich ein Taxi nicht lohnt.

In der Altstadt alles so, wie man es erhofft. Zivilisiert, natürlich, man spricht sogar noch bayerisch. In den Schaufenstern und im REWE fand Ostern wirklich statt. In Berlin achten die Filialleiter ja darauf, die Gottlosen nicht mit Osterhasen zu verprellen. In Franken fällst Du ins Osternest, wenn Du den Laden betrittst. Gut so.

Im Restaurant abends mit Kollegen geht alles praktisch und zügig. Die Tische sind abgewischt, Bedienung spricht deutsch, alles was auf der Karte steht, ist bestellbar. Also ganz anders als in Berlin.

Morgens im Hotel schalte ich n-tv ein während ich im Bad herumwusele und den Koffer packe. Ich höre bedrohliche Musik, höre, dass die Mittelschicht soeben als latente Nazis geoutet wurde. ".. zwei Drittel unterstützen rechtspopulistische Positionen...". Ich schaue hin und warte auf eine Definition von "rechtspopulistisch" und dass die Quelle genannt wird. Die Definition bleibt n-tv schuldig, aber unten rechts wird die Quelle eingeblendet: "Friedrich Ebert Stiftung".

Auch in Franken bleibst Du von Berlin nicht verschont. Irgendwelche Spinner haben werktätige Leute in ihrem Feierabend gestört. Leute, die sich durchs Verkehrschaos gequält haben, sich über ihre Abzüge auf der Gehaltsabrechnung ärgern. Die eben nicht mit ihren Kleinkindern auf den Spielplatz im Park gehen, weil der von bunten Bräuchen mit rotierendem Lamm okkupiert ist. Die den Wertverlust ihres Diesels beklagen und sich über den Bescheid vom Straßenausbaubeitragsgesetz ärgern. Denen es also allabendlich ohnehin bis obenhin steht.

Die kriegen dann also einen Anruf aus Berlin. Von einer Endzwanzigerin mit einem Bachelor in "Europawissenschaften". Etwa so:

"Guten Abend, mein Name ist Annalena von der Friedrich-Ebert Stiftung in Berlin."
- "Ich kaufe nichts."
- "Ha ha, wir machen nur eine Umfrage zur Zufriedenheit mit der gegenwärtigen Politik. Interessieren Sie sich für Politik?"

Ich habe das selbst schon mal erlebt. Die haben keine wissenschaftlichen Ansprüche. Die haben gelernt, doppelzüngig zu sprechen und rammen Dir dann hinterrücks das Messer rein. Oder verraten Dich an jemanden, der das dann tut.

Ich weiß von jemandem, als der bei einer Wahlumfrage die AfD nannte, da fragte die Annalena zurück, ob er sich denn bewusst sei, dass das eine rechtspopulistische Partei sei. Als Antwort gab er ihr eine Lektion in Währungspolitik.

Diese jungen Geisteswissenschaftlerinnen - wenn man sie noch so nennen will- sind hochgradig konformistisch, hinterhältig, aufstiegsorientiert aber nicht leistungsbereit. Und schon gar nicht übernehmen sie für irgendetwas Verantwortung ohne einen Anspruch an den Staat zu formulieren. Die von uns die Organisation ihrer Zukunft einfordern. Den gewohnten Standard behalten wollen, aber ohne CO2 und so. Denn sie haben bei Hobeck und Baerbock gelesen, dass das längst geht.

Es ist wirklich so: Je freier die Leute sind, desto mehr fühlen sie sich überfordert. Je höher der Lebensstandard, den sie von ihren Eltern gewöhnt sind, desto höher das Anspruchsdenken. So "danke für die Schokolade, aber wieso hast Du die nicht im Fairtrade gekauft, Du Nazi?"

Meine neue Art sie zu provozieren ist nicht mehr das Gegenargument. Sondern ich sage, dass ich keinen Müll mehr trenne, gerne mit dem Auto spazieren fahre. Mit Braunkohlestrom meine Datsche beheize. Dann kriegen die Puls. Und ich werde ganz ruhig.


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