Die Bachelorette hat mich bekehrt

Ich trage hier die Frisur der Bachelorette der vergangenen Folge. Mit Rosen im Haar. Rosen! Verschenke aber keine - sondern feiere eine Hochzeit, das Ziel aller Bachelorettes

Ich trage hier die Frisur der Bachelorette der vergangenen Folge. Mit Rosen im Haar. Rosen! Verschenke aber keine – sondern feiere eine Hochzeit, das Ziel aller Bachelorettes

Seit drei Wochen läuft „Die Bachelorette“ auf RTL. Seitdem bin ich hin und hergerissen, ob es erstrebenswert sein könnte, Bachelorette zu sein. Prinzipiell ist das natürlich toll, 20 Männer, die einen wollen (beziehungsweise: wollen müssen) und ein Fernsehsender, der einen als absolut begehrenswerte Frau inszeniert (obwohl man da bei Bachelorette Anna noch etwas mehr machen könnte). Andererseits muss man selbst natürlich auch mindestens einen dieser Männer gut finden – wobei Anna sich da nicht wirklich schwer tut. Bei gefühlt jedem Kandidaten kriegt sie weiche Knie, Herzklopfen oder wird ihr vor Begeisterung schlecht. In der letzten Folge dann der Romantik-Overkill, angesichts dessen einem wirklich schlecht wurde ­– und ich sehr froh war, nicht Bachelorette zu sein. Weil ich nicht gewusst hätte, wie man mit diesen Situationen umgeht:

erst sang Kandidat Tim der Bachelorette ins Ohr. Ein romantisches Lied, während sich beide engumschlungen auf einem Leuchtturm einen Sonnenuntergang ansahen. Ja. Und während ich noch damit beschäftigt war, zu verarbeiten, dass es solche Situationen wirklich geben kann, und mich fragte: wie reagiert man denn da?, wurde es noch krasser: Arzt Johannes nahm Anna beiseite, um ihr ein Gedicht vorzulesen. Das er selbst geschrieben hatte. Im Mondschein. „Ih“, riefen Menschen, mit denen ich die Sendung ansah, Dinge wie „Ich habe Gedicht-Ekelgänsehaut“, schrieben insbesondere Mädchen auf Twitter. Einfach zu viel von zu viel, so waren Twitter und ich uns einig – bis eine meiner Mit-Guckerinnen am Ende des Gedichts, das ich vor lauter Empörung über diesen Romantik-Angriff gar nicht richtig angehört hatte, plötzlich sagte: „Das war aber eigentlich ein schönes Gedicht.“

Hm. So fragte ich mich: Liegt dieser Ekel angesichts romantischer Gesten so gerne kundtun nur an unserer eigenen Unfähigkeit souverän damit umzugehen? Liebesgedichte und Minnegesänge sind schließlich seit Jahrhunderten eigentlich der Grundstein von Beziehungen, gehörten klassischerweise stets zum Erobern einer Frau dazu. Also war das vielleicht gar nicht zu viel von Tim und Johannes. Sondern wir haben verlernt, romantische Gesten anzunehmen, ganz ohne Ironie. Weil wir im Alltag einfach zu wenig solcher Situationen erleben. Weil wir aus der Übung sind und Mitte-20-jährige Durchschnittsmädchen schon dahinschmelzen, wenn er per Whats App das Smiley mit den Herz-Augen schickt. Aber sollte das unser Maßstab sein? Eigentlich nicht. Eigentlich ist das mit dem Gedicht irgendwie mutig. Und wenn einer etwas ins Ohr singt, kriegt man vielleicht auch einfach nur Gänsehaut. Ganz ohne Ekel.