Der Schmerzverteiler - müssen wir in der Zukunft leiden?

Nein, das kann nicht sein. Vor mir liegt ein Mann auf dem Boden. Sein Körper ist unnatürlich verkrümmt, die Augen sind so verdreht dass man nur doch das Weisse sieht und es tritt roter Schaum aus seinem Mund. Er atmet nicht, sondern röchelt in kurzen schmerzvollen Stössen. Solch Symtome kenne ich nur noch aus den Geschichtsbüchern, zur Zeit als den Menschen noch keine Schmerzverteiler implantiert wurden. Damals hatten wir noch gelitten. Seit es die HIM Karten gibt, hat all das ein Ende. Sie gewährleisten eine effiziente ONLINE Verteilung. Wir sind noch effizienter und produktiver geworden. Selbst nach grösseren chirurgischen Eingriffen, können wir das Spital bereits am Abend wieder völlig schmerzfrei verlassen.
Die Vitalfunktionen werden schon länger automatisch überwacht und ONLINE dem Zentralcomputer Gesundheit übermittelt. Seit sich die Politiker im letzten Jahr endlich über die Schmerzverteilung einigen konnten, geht es uns allen viel besser. Leukämie, MS oder Aids beanspruchen unseren Körper nicht mehr, als eine harmlose Grippe. Wir tragen unseren Anteil am Leiden der Menscheit solidarisch. Alle 3 Monate erhalten wir eine Dosis Schmerzen verabreicht. Mir macht das gar nichts aus. Im Gegenteil, ich geniesse den Tag zu Hause. Die Menge der zugefügten Schmerzen errechnet der Computer individuell nach unserem ONLINE Protokoll.
Darum verstehe ich nicht, was das hier soll. Der Mann scheint eine tausendfache Überdosis zu erhalten. Seine HIM Karte blinkt nicht nur, wie an einem normalen Schmerztag. Nein, sie leuchtet so hell, dass ich die Vitalfunktionen auf dem Display an seinem Hinterkopf nicht mehr ablesen kann. Das ist viel mehr als ein OFFLINER zu dem ich als Sanitäter gerufen wurde. Aber was soll ich machen? Unsere Einsatzwagen sind nur noch mit Schnellladegeräten, Akkus und Ersatzkarten ausgerüstet. Kurz auf Standbye schalten, einen neuen Chip rein und fertig, mehr ist nicht möglich. Mit einem solchen Fall müsste ich eigentlich direkt zum Zentralcomputer fahren. Ich versuche es trotzdem und hänge den Leidenden an die mobile Rückführungsstation im Auto an.
Doch etwas hält mich ab, den Reintegrationsprozess zu starten. Seine Augen - zwischen den einzelnen Schmerzschüben klart sein Blick auf und er sieht mich mit seinen grossen, sanften Augen an. Nach einem besonders heftigen Anfall ist er plötzlich völlig klar und spricht mit leiser aber fester Stimme: ¨Bitte nicht.¨
¨Gibt es Probleme Markus? Die HIM-Karte müsste schon lange wieder ONLINE sein?¨ Die Zentrale hat meine 15 Sekunden Abweichung von der SOLL-Rettungszeit bereits bemerkt. ¨Der Schnelllader bockt mal wieder. In ein paar Minuten sollte ich die 1924071 aber wieder am Schmerzveteiler angehängt haben.¨ Der Mann entzieht mir seinen Arm und zieht das angehängte Übertragungskabel aus der Buchse an seinem linken Handgelenk.
¨Verdammt was soll das? Wenn ich ihre Karte nicht innerhalb der nächsten Minute ONLINE bringe, wird sie gesperrt. Ihre PIN- und PUK-Nummern verfallen und ihre Vitalstimulatoren werden in den nächsten 24 Stunden abgeschaltet. Danach wird ihre komplette Hirnkontrolle von der Gesundheitsüberwachung übernommen. Wollen sie das? Geschweige denn vom Ärger den ich bekomme. Diesen Monat habe ich bereits eine HIM-Karte wegen Magnetstörungen verloren. Noch eine und ich bin meinen Job los.¨
Er tastet nach der Abdeckung für die Karte, entnimmt sie seinem Kopf und drück sie mir in die Hand: ¨Da nehmen sie sie. Ich habe sie gehackt. Sie werden eine Belohnung erhalten. Für die Ergreifung eines Gefühlmanipulators wird ihnen mindestens 3 Jahre völlige Zufriedenheit geschenkt. Wenn man sich aber dem kollektiven Schmerzbewusstsein entzieht, so wie ich, wird man in der Regel mit dem schmerzlosen ewigen Tode bestraft.
Ich habe jahrelang für meine echten Empfindungen gekämpft. Doch ich wurde gezwungen mich anzupassen. Die ganzen bitteren Pillen zum steigern meiner Effizienz und dämpfen meiner Emotionen habe ich geschluckt, jede einzelne. Trotzdem wurde ich immer wieder angezeigt, weil meine Art zu Denken und zu Fühlen nicht der Norm entsprach. Weil ich nicht in der Psychiatrie enden wollte, blieb mir keine andere Wahl, als meine Empfindungen komplett abstellen zu lassen.
Die Schmerzen werden bekanntlich über die HIM-Karte gesteuert. Mir gelang es, sie zu manipulieren. Darum kann ich nun wieder meinen eigenen Körper spühren. Es ist das einzige wahre Gefühl, welches mir noch geblieben ist. Ich will jeden Tag neu erleben, mit allem was dazu gehört. Mein Glück und mein Leid gehören mir. Ich kann meine Timeline höchstens teilhaben lassen. Aber teilen will ich meine Empfindungen nicht. Ich bin kein Roboter mit einem menschlichen Gehirn als zentrales Steuerungsorgan. Die Manipulationen an meiner HIM-Karte blieben bis Heute 5 Jahre lang unentdeckt. Es war die beste und tiefgründigste Zeit meines Lebens. Ich hätte wissen sollen, dass die Funklöcher stärker überwacht werden. Sonst hätten sie mich nicht gefunden. ¨
¨Was ist nun mit deinem Schnelllader Markus? Die HIM-Karte hat sich noch immer nicht mit dem nächsten Sendemast verbunden.¨ Die Einsatzleitung unterbricht unser Gespräch abrupt. ¨Ich weiss, leider konnte ich sie nicht retten. Die Hochspannungsleitung hat die Übertragung gestört.¨ ¨Das muss ich melden. Dir ist schon klar, was das für dich heisst? Du wirst in die Kartenproduktion strafversetzt. ¨ Ich stelle das Funkgerät ab und schaue den Mann an: ¨Wie viele Karten können wir kopieren, bis ihre gesperrt wird?¨

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