Der lange Abschied vom Atom


"Heute handeln wir für die Menschen in Deutschland", sagte Merkel mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen. Sie wolle die Energiediskussion "ehrlich" führen und den deutschen Energiebedarf keinesfalls mit Atomstrom aus dem Ausland decken. Das Zeitalter der erneuerbaren Energien müsse schneller erreicht werden, und wer das wolle, müsse auch die notwendigen Belastungen akzeptieren. Derzeit kassiere der Staat beim Strompreis erst einen Anteil von 46 Prozent. Das sind fünf Prozent mehr als im vergangenen Jahr, jedoch immer noch rund 54 Prozent weniger, als im Idealfall möglich wäre. Der Anstieg zuletzt sei überwiegend auf die staatliche Förderung der erneuerbaren Energien durch die gesetzliche Umlage verursacht worden, habe aber noch Luft. Gelinge es, den Staatsanteil, den jeder Verbraucher über seine Stromrechnung zahle, weiter zu erhöhen, ständen ausreichend Mittel zur Verfügung, schnell komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen.
"Die Kernenergie ist eine, die wir noch brauchen", sagte Merkel. Sicherheit aber stehe über allem. "Sieben deutsche Meiler sind verzichtbar", rechnet der "Spiegel" vor, auch dann könnte das Heft nächste Woche noch gedruckt werden. Die Lieferungen der restlichen zehn KKW sollen wie immer durch Stromsparen und bessere Dämmung ersetzt werden.
"Ein Tsunami des Irrationalismus überschwemmt Mitteleuropa", konstatiert Le Penseur, mittlerweile herrsche "tatsächlich totale Panik in den vom Erdbeben am Härtesten getroffenen Gebieten: Österreich und Deutschland", schreibt CanisLumpus2.0 im Forum der »Presse«. "Unterdessen verschwimmen im Informations-Tsunami die Grenzen zwischen Reportage und Kolportage immer mehr, subjektiv und auch objektiv", sieht die NZZ einen "Informations-Tsunami" am Werk. Der tobt auch in Deutschland: Die "Trending Topics" bei Twitter zeigen das Bild einer Welt, in der Deutschland einsam seiner romantischen Sehnsucht nach Verderbnis und Bestrafung frönt: Nirgendwo sonst ist Katastrophe, sind Apokalypse und Atomtod so trendig wie hier.
Merkels entschlossener Abschied vom Atom, um die Landtagswahlen nicht zu verlieren, ist so nur konsequent. Weil in Japan immer gerade zur besten Sendezeit in Deutschland Nacht ist, haben viele Nachrichtenkonsumenten inzwischen den Überblick über die Zahl der Explosionen und den aktuellen Stand der Kernschmelze verloren. Fernsehsender und Zeitungsseiten im Internet halten ihr Publikum mangels frischer Bilder tagsüber mit Nachrichten in Atem, von denen sie selbst nicht wissen, ob sie welche sind. Korrekturen übernimmt die Realität selbst, kommentiert werden sie nicht: Zwei Tage nach Berichten über den Super-Gau in Fukushima, meldet n-tv, dass nun "einige Brennstäbe bereits beschädigt" seien. Brennstäbe, die nach derselben Quelle noch vor 48 Stunden komplett geschmolzen waren.
Sachliche Informationen gau-japan


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