Der Feuchte entkommen

Ganz ungewöhnlich für diese Zeit, hat es in Auroville Ende Dezember bis Anfang Januar an mehreren Tagen, teils auch in den Nächten geregnet, zuweilen stundenlang und so intensiv, dass alles, wirklich alles vor Feuchte nur so dampfte und tropfte. Die Zeitung ist latschig, das Betttuch klamm, das Brot schwammig und die Wege matschig, wenn nicht gar unter Wasser.

Für mich bedeutet das zeitweiliger Hausarrest. Das ist nicht weiter tragisch, denn mit meiner Lese- und Schreiberei kann ich mich tagelang vertun, wo immer ich bin. Und wenn es wie hier gleich nebenan eine leidlich ausgestattete Bibliothek gibt, können es von mir aus auch Wochen sein.

Wenn bloss die Feuchte nicht wäre, die dir bis unter die Haut kriecht, dir beim Lesen über die Schultern guckt und mit dir ins Bett schlüpft. Wenn du dich bloss nicht Tag und Nacht fühltest, als wärest du in feuchtwarme Watte gepackt, von der du dich nur für die Dauer einer Dusche befreien kannst – und ein paar zusätzliche Minuten.

Fahrt in die Berge

Es passte deshalb wunderbar, dass für letzten Sonntag (5. Januar 2020) eine Reise nach Kerala mit Zwischenstopp in den Bergen vorgesehen war. Weg vom Schimmel und Konsorte! Weg von Feuchte und Matsch! Wir waren zu viert: neben Veera, unserem Taxifahrer, waren Batu, Murugans Sohn, Claudia, meine Reisegefährtin, und ich mit von der Partie. Eine Tagesreise von Auroville entfernt liegt Kanthaloor, ein kleines, etwas verschlafenes Nest in den Western Ghats. Die letzten eineinhalb Stunden fährst du auf schmalen, löchrigen Strassen, auf denen jede Begegnung mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zum Abenteuer wird. Etwas ausserhalb von Kanthaloor, so richtig «in der Pampa» liegt das Deshadan Eco Valley Ressort: klein, fein, herzlicher Empfang, rustikal und gepflegt, nicht billig, aber ideal, um die Bergwelt aus der Nähe kennen zu lernen und die Feuchte unter der Haut loszuwerden. Abends wird es kühl, die Luft ist unbeschwert und die Nacht still. Nach den feuchten Wochen in Auroville haben wir hier Bedingungen wie in einem Sanatorium.

Der Feuchte entkommenDie Umgebung des Ressorts, vom Balkon aus aufgenommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Gegend bereise. Hier und hier habe ich meine durchaus auch zwiespältige Eindrücke beschrieben.

Schlaraffenland im Zugvogelnest

Nach zwei Nächten im Ressort eine lange Tagesfahrt zu Gabi und Beat, den Freunden und wunderbaren Gastgebern in Kuzhupilly auf Vypin Island, Kerala (Zugvogel in Kerala). Hier ist es wieder warm, sehr warm. Es bläst allerdings eine kühlende Brise, von den Backwaters her am Vormittag und nachmittags vom Meer her. Und obschon wir von Wasser umzingelt sind, ist die Feuchte überhaupt kein Problem.

Strand, wunderbare Gespräche, ein kulinarisches Schlaraffenland mit abenteuerlichen Exkursionen für den Gaumen. Noch bei jeder Malzeit, ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen kommt es in deinem Gaumen zu geschmacklich Überraschungen mit Wow-Effekt, von denen du weisst, dass du sie nur hier haben kannst und nirgendwo sonst. Das ist das Zugvogelnest in Kuzhupilly, wie ich es seit längerem kenne und wohin ich mit Freude immer wieder zurückkehre – nicht nur wegen der geschmacklichen Explosionen …

Der Feuchte entkommen… und Sonnenuntergänge wie aus dem Bilderbuch.

Morgen Samstag geht es wieder zurück nach Auroville in der Hoffnung, dass es dort trockener geworden und dadurch mein wetterbedingter Hausarrest aufgehoben ist.


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