Das hässliches Menschlein

Das hässliches Menschlein

Cirkin insan Yavrusu - photo Tolga Ozgal

Maral Ceranoglu, eine junge Türkin, erobert mit ihrem Stück „Cirkin insan Yavrusu“, was in der deutschen Übersetzung so viel heißt wie „das hässliche Menschlein“, Europas Bühnen. Ihr letzter Halt war anlässlich des „festival premières“ in Straßburg.

Die drei jungen Tänzerinnen und Schauspielerinnen Yelda Baskin, Gülce Uğurlu und Elif Ürse zeigten dort, mit welchen Vorurteilen Lesbierinnen, Kurdinnen und religiöse, Kopftuch tragende Frauen in der Türkei zu kämpfen haben. Das Stück, das authentische Geschichten im Hintergrund aufweist, kommt zwar mit dem erhobenen Zeigefinger an, dennoch überwiegt der lockere Transport dieses sperrigen Themas. Dies erreicht Geranoglu hauptsächlich durch die Spielfreude und das schauspielerische Talent ihrer Protagonistinnen, sowie den bewussten Einsatz von Komik. „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen, das von seiner Familie verstoßen wird und zum Schluss der schönste Schwan wird, den man weit und breit je gesehen hat, wird als Untergeschichte mit erzählt. So wie in jenem Märchen wendet sich auch bei Ceranoglu jedes einzelne Lebensschicksal zum Guten. Sie vermittelt, dass gerade die Repressalien, denen die drei Frauen von ihren Familien, in der Schule oder am Arbeitsplatz ausgesetzt waren, den Ausschlag gaben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch bis dorthin bietet sie in einer Mischung aus Theater und Tanzrevue, wenngleich auch mit einer sehr reduzierten Choreographie, die Möglichkeit, von der Kindheit, der drei je eine Minderheit verkörpernden Frauen, zu berichten. Von Kindheiten, die bestimmt waren von unerklärlichen Reaktionen der Erwachsenen, von Verboten, die nicht verstanden werden konnten und vom Ausgestoßenwerden aus einer Freundesgemeinschaft, die das Anderssein erbarmungslos bestraft. In drei wunderbaren komödiantisch dargestellten Szenen ging es dann ans Eingemachte. Alle gängigen Klischees gegen die angesprochenen Minderheiten wurden jeweils in einem grotesk überzeichneten Dialog ans Tageslicht, respektive auf die Bühne geholt. Sei es, dass Kurdinnen wie am Fließband Kinder gebären würden, sei es, dass Lesbierinnen aus kranken Familien stammten oder sei es, dass verschleierte Frauen unter ihrem Schleier nur teure Designermarken tragen würden. Die dazu wunderbar anschaulich eingesetzte Körpersprache, in der die Frauen einen schwerfällig, ja verkrüppelten Gang imitierten, wies auf die Kruditäten hin, die hinter diesen Aussagen stecken.

Das Stück eignet sich hervorragend, um Jugendliche mit der Problematik der Vorverurteilung von Außenseitern zu konfrontieren. Nur die Tatsache, dass für alle drei unterschiedlichen Frauenpersönlichkeiten dieselbe Schlussfolgerung aus den Erlebnissen ihrer Vergangenheit gezogen wurde – nämlich die „Jetzt-zeige-ich-es-ihnen-erst-recht“-Attitüde gilt leider nicht für alle Betroffenen. Der schöne Regieeinfall am Ende des Stückes – das im Übrigen eine Gemeinschaftsarbeit aller Beteiligter darstellt – die ideale, moderne Türkin zu portraitieren – machte es schlussendlich möglich, alle Frauen im Publikum mit ins Boot zu holen in dem es heißt: „Rudere brav mit, sei erfolgreich, positiv gestimmt, familienfreundlich und vor allem – sei ja nicht anders als die anderen – sonst weißt du, was dich erwartet.“


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