Das Familienbett. Oder: Wie man sich bettet, so schläft man

Vor gut einer guten Woche kam es in der Mütter-Blogger-Szene zu einem kurzen, aber heftigen so genannten ‚Mommy War‘, der sich um das Thema ‚Familienbett‘ drehte. Dabei wurde leidenschaftlich und unerbittlich darüber gestritten, ob Eltern und Kinder gemeinsam in einem Bett schlafen sollen oder nicht. Dabei lassen sich grob die folgenden zwei Lager skizzieren:

  • Die Gegner vertreten die Ansicht, dass nur Eltern das Familienbett befürworteten, die nicht in der Lage seien, ihren Kindern Grenzen zu setzen. Außerdem sei die Libido der Familienbetten-Fans so ausgetrocknet wie die Wüste Gobi in der Dürrezeit, so dass es ohnehin zu keinen sexuellen Aktivitäten mehr komme, bei denen Kinder im Bett stören könnten.
  • Die Anhänger sind wiederum der Meinung, dass nur emotional vollkommen degenerierten Eltern das Familienbett ablehnten, die so notorisch notgeil seien, dass sie es permanent wie die Karnickel trieben, während sich der Nachwuchs einsam und von Verlustängsten gepeinigt im Kinderzimmer in den Schlaf weint.

 Zugegebenermaßen ist diese Zusammenfassung möglicherweise etwas sehr zugespitzt und pointiert, aber es klingt schön polemisch und gibt mir darüber hinaus die Gelegenheit bereits im ersten Abschnitt mehrfach das Thema Sex anzusprechen (man muss ja auch mal ans Suchmaschinen-Marketing denken).

Partnerschaftliche Zweisamkeit im Bett. Bei Eltern unbekannt.

Partnerschaftliche Zweisamkeit im Bett. Bei Eltern unbekannt.

Nun sehe ich mich selbst nicht in der Lage, einen substanziellen Beitrag zur Diskussion über die Vor- und Nachteile des Familienbetts beizusteuern. Ich bin für ein tolerantes Elternmiteinander, so dass alle mit ihren Erziehungsansätzen glücklich werden: ‚Leben und leben lassen.“ Oder thematisch angepasst: ‚Schlafen und schlafen lassen.“

Allerdings hat mich der Familienbett-Streit inspiriert, einmal über die Schlafsituation im Familienbetrieb zu sinnieren.

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Bei uns gilt die eherne und unumstößliche (Ha! Haha! Hahahahahaha!) Regel, dass jeder zunächst in seinem eigenen Bett einschlafen muss. Gut, eigentlich bezieht sich das ‚jeder‘ nur auf die Kinder, denn ich selbst verspüre kein Bedürfnis in fremden Betten einzuschlafen (Ich denke, die Freundin wird sich freuen, das zu lesen). Ich bin der Ansicht, dass es sich hierbei nicht um eine unmenschliche und kinderverachtende Regel handelt, verfügen doch sowohl Tochter als auch Sohn über ganz vorzügliche und formidable Schlafmöglichkeiten.

Der Sohn zum Beispiel hat ein sehr bequemes und kuscheliges Hochbett, das wir vor einigen Jahren bei dem beliebten schwedischen Möbelgeschäft gekauft haben, zu dem man so gerne geht, um Fleischbällchen zu essen. Über das Bett ist ein blauer mit Sternen versehener und Gemütlichkeit erzeugender Baldachin gespannt. An der Wand spendet eine kleine Lampe in Mondform behagliches Licht, so dass es keinen Grund gibt, sich vor bösen Monstern und wilden Tieren, die bekanntermaßen in der Dunkelheit von Kinderzimmern ihr Unwesen treiben, zu fürchten.

Eine kleine Musikanlage am Kopfende ermöglicht ihm außerdem, das Einschlafen durch das Hören von CDs und Kassetten zu verkürzen. Die Trautheit seines Bettes wird lediglich ein wenig getrübt, da sich in der Ritze zwischen Matratze und Bettrahmen ungefähr 17 Paar zusammengeknüllte Socken befinden, die der Sohn dort Abend für Abend deponiert. Aber wahrscheinlich stört mich das mehr als ihn.

Die Tochter wiederum nennt ein mondänes selbstgebautes Hochbett ihr Eigen. (Und nein, Sie müssen sich keine Sorgen um die Tochter machen. Denn nicht ich, der ich mit dem handwerklichen Talent von Tim Taylor aus „Hör mal, wer da hämmert“ gesegnet bin, hat das Bett errichtet, sondern ein schreinerisch begabter Vormieter.) Das Bett ist ungefähr 3,00 Meter hoch, 1,60 Meter breit und 2,00 Meter lang. Außerdem gibt es eine sehr großzügige Ablagefläche, wo die Tochter alles aufbewahrt, was sie benötigt, um dort oben mehrere Tage zu überleben: ein CD-Player, unzählige Hörspiel-CDs (Gesamtabspieldauer: knapp 37 Stunden), Schreib- und Bastelutensilien, unbenutzte und insbesondere benutzte Taschentücher, vereinzelte Schulbücher und Schmierzettel, Pullover, Hosen, eine Armee von ihr Gesellschaft leistenden Stofftieren sowie für das kulinarische Wohlergehen ein paar angebissen Stullen und halbvolle Trinkbecher.

Der Schlafbereich ist so geräumig, dass wir eine Zeit lang überlegt haben uns eine zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen, indem wir ihn als Ein-Zimmer-Appartement vermieten. Dieses Vorhaben scheiterte allerdings am Veto der Tochter.

Das elterliche Bett ist dagegen eher von kärglichem Komfort. Die Freundin und ich teilen uns eine 1,40 Meter breite leicht altersschwache Matratze, die in einen niedrigen Bettrahmen eingelassen ist. Somit stünden theoretisch für jeden von uns 70 Zentimeter Schlaffläche zur Verfügung, was vielleicht nicht gerade üppig, aber für zwei Menschen mit einigermaßen durchschnittlichem Body-Mass-Index vollkommen ausreichend wäre. Tatsächlich stellt sich unsere Schlafsituation allerdings vollkommen anders dar und wird durch das folgende Schaubild sehr gut veranschaulicht.

Die Kartographie des Ehebettes (Quelle: The Doghouse Diaries)

Die Kartographie des Ehebettes (Quelle: The Doghouse Diaries)

Zu Beginn unserer Beziehung hatte ich noch versucht, der Freundin in guter Patrick-Swayze-Dirty-Dancing-Manier zu verstehen zu geben:

„This is my sleep space, this is your sleep space. I don’t go into yours, you don’t go into mine.“

Die Freundin lachte nur und wärmte ihre kalten Füße an meinen Beinen. Seitdem habe ich mich mit meinen knapp 50 Zentimetern im Bett abgefunden.

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In Anbetracht der komfortablen Schlafmöglichkeiten der Kinder und unserem eher beengten Schlafplatz könnte man als rational denkender Mensch davon ausgehen, dass es für Tochter und Sohn eigentlich keine Notwendigkeit und auch keinen Anreiz gibt, ihr Bett in der Nacht zu verlassen und sich bei uns einzuquartieren. Dies ist jedoch mitnichten der Fall. Stattdessen spielt sich recht häufig das im Folgenden beschriebene Szenario ab.

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Liege abends gemeinsam mit der Freundin im Bett. Aus der Not meines spärlichen Schlafplatzes eine Tugend machend erwäge ich die Anbahnung eines kleinen amourösen Techtelmechtels. Raune der Freundin ins Ohr: „Manchmal möchte ich schon mit dir.“ Diese ist zwar irritiert ob meiner textlichen Anleihe beim Howard Carpendale Roland Kaiserschen Oeuvre, ist einer erotischen Episode im partnerschaftlichen Zusammenleben aber dennoch nicht abgeneigt.

Ehe wir allerdings auch nur ansatzweise das kopulative Vorspiel einleiten können, hören wir aus der Ferne das Tapsen kleiner Füße auf den Dielen im Flur. Kurze Zeit später trifft der Sohn im Schlafzimmer ein. Mit gesenktem Haupt und leichtem Zittern in der Stimme erklärt er, dass er nicht schlafen könne und fragt, ob er zu uns ins Bett dürfe. Dabei schaut er uns von unten an und klimpert mit den Augen wie die Maus aus der nach ihr benannten Sendung. Habe den Verdacht, dass er Worte und Mimik auf dem Weg durch den Flur mehrfach geprobt hat.

Will ihm gerade die Vorzüge seines eigenen äußerst geräumigen Bettes anpreisen, als die Freundin ihm sagt, er könne selbstverständlich bei uns schlafen. Weder ich noch der kleine Freund sind von dieser Aussage sonderlich begeistert, aber wir fügen uns gezwungenermaßen in unser Schicksal.

Allerdings ergibt sich ein Problem: Der Sohn ist nämlich nicht alleine gekommen. Unter seinen Armen trägt er einen Teddybären, einen Stoffhund, zwei Plüschschafe, ein Robbe, ein kleines Nilpferd sowie einen Spielzeug-Ritter aus Plastik. Zu seinen Füßen liegt außerdem ein Fußball, den er anscheinend durch den Flur gedribbelt hat. Es ist mir schleierhaft, wie er das alles alleine bis zu uns befördern konnte. Vermutlich parkt vor unserem Schlafzimmer ein 7,5-Tonner.

Nach sehr zähen und harten Verhandlungen, die auf eine Zukunft des Sohnes als Gewerkschaftsführer schließen lassen, einigen wir uns darauf, dass die Stofftiere mit ins Bett dürfen, der Plastikritter auf dem Nachttisch platziert wird, von wo aus er uns bewachen kann, und der Fußball vor dem Fußende des Bettes die Nacht verbringt.

Zufrieden legt sich der Sohn zwischen die Freundin und mich. Dabei besteht er darauf, sich ganz eng an uns beide zu kuscheln. Mein Platz im Bett reduziert sich auf ungefähr 35 Zentimeter.

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Bin gerade dabei ins Reich der Träume zu dämmern, als erneut Fußschritte im Flur zu hören sind. Nach einem Zwischenstopp im Bad (‚Blase entleeren‘) und in der Küche (‚Blase wieder auffüllen‘), trifft die Tochter im Schlafzimmer ein. Sie erklärt, sie fürchte sich alleine in ihrem Bett und möchte ebenfalls bei uns schlafen. Nachdem der Sohn bereits in unserem Bett liegt, gibt es relativ wenige Argumente, ihre Bitte abzuschlagen.

Auch sie ist in Begleitung erschienen. Sie hat eine Puppe, ein Plüschpferd, ein Kuschelkissen, einen Stoffhasen, ein Wollschaf und ein undefinierbares Wesen aus Frottee mitgebracht. Außerdem führt sie einen dicken Fünf-Freunde-Sammelband mit sich, denn sie sei noch nicht müde und wolle noch etwas lesen. Nach erneuten Verhandlungen, die in Zähigkeit und Heftigkeit denen mit dem Sohn in nichts nachstehen, dürfen die Tiere mit ins Bett, das Buch muss draußen bleiben.

Die Tochter möchte auf der rechten Seite neben der Freundin liegen. Kaum hat sie sich hingelegt, beginnt sie mit einem Move, der als Schlafplatz-Expansions-Shuffle in die Geschichte des Familienbettes eingehen wird. Sie wackelt mit dem Po, strampelt mit den Füßen und schwingt mit den Armen, bis sie sich gut 60 Zentimeter des Bettes gesichert hat. Freundin und Sohn rutschen nach links, so dass mein eigener Platz auf etwas weniger als 25 Zentimeter zusammenschrumpft – wobei die 2 cm Bettrahmen mit eingerechnet sind.

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Während die restlichen Familienmitglieder selig schlummern, versuche ich mich in eine Seitenlage zu begeben, bei der ich nicht sofort aus dem Bett falle, die es mir aber gleichzeitig erlaubt, die Tritte des Sohnes abzuwehren, während ich heimlich versuche, die Stofftiere aus dem Bett zu befördern. Vielleicht gibt es Leute, die bereit sind, Geld dafür zu bezahlen, um sich dieses Bild von Anmut und Grazie anzuschauen. Dann stünde mir eine glorreiche Zukunft im Zirkus offen.

Erachte diese Wahrscheinlichkeit aber als äußerst gering und tröste mich mit dem Gedanken, dass die Zeit unsere prekäre Schlafsituation schon lösen wird. Denn wenn die Kinder erstmal 18 sind, ziehen sie hoffentlich aus und kommen in den Nächten nicht mehr zu uns. Somit muss ich nur noch die nächsten acht bis zehn Jahre einem Schlangenmensch gleich die Nächte auf der Bettkante verbringen. Gute Nacht!


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