Córdoba (II)

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Ich wache auf. Aber nicht alleine – ein Kater hat es sich in mir gemütlich gemacht. Ich versuche zu schreiben. Und lasse es sein.

Zusammen mit Mao und Gaelle gehe ich wieder durch die Stadt. Gaelle wird auf der Straße von einer Frau angehalten: ›Ich möchte ihnen nur sagen, das sie wunderschön sind‹. Daraufhin sagt Mao, mit einem Augenzwinkern, dass sie herumläuft wie aus der Mülltonne. ›Aber dein Gesicht scheint‹ – beide lachen, Mao hackt sich bei mir ein. Wir suchen eine Stretchhose für Mao. Ich fühle mich gut: Der Rhythmus der Stadt pulsiert durch meine Adern und plötzlich, wie die Tauben über die Plaza fliegen, lassen sie mir ein paar Gedanken da. Wir gehen in den Park, wo wir auf betonierten Liegen rumhängen, über unser Geschichte sprechen, und warum wir glauben, wir sind, wie wir sind. Gaelle ist eine gefährliche Frau – wenn man schwach ist. Sie traut niemandem, ist rastlos. Wie der Wind, denke ich. Wir sprechen über Politik und Gaelle glaubt, das Belgien zerfällt, zu unterschiedlich seien die Meinungen im Volk. Auf unserem Rückweg begegnen wir Kindern, die in Uniformen von der Schule kommen, und Kindern, die verschmutzt und in abgetragener Kleidung, große Wagen mit Altpapier hinter sich her ziehen.

Nachmittags schauen wir Filme, die ich nicht verstehe. Ich versuche zu schreiben. Und lasse es sein. Pola hat mir geschrieben, sie will mich sehen. Ich rauche eine letzte Zigarette mit Mao. Als ich ihr sage, dass ich bei der Frau – Dani ihr Name, die mich aufnehmen will, übernachte, kommen nicht mehr nur ihre Augen und ihr Lachen auf mich zu.

Dani und Francesco
Nueva Córdoba
, dort wohnt Dani. Auf dem Weg zu ihr verrenke ich mir den Hals. Mehrfach. Studentenviertel. Dani wohnt in einem Hochhaus, wie viele Studenten hier – nichts mit pittoreskem Altbau wie in Berlin. Die Wohnung wirkt kühl, ungemütlich – aber Dani und ein Kater, der nicht ihrer ist, sind warm. Nach wenigen Sätzen, die Fremde anfänglich miteinander teilen, verschwindet Dani im Bad, denn wir sind eingeladen zum Essen, von einem gewissen Francesco aus den Staaten, der ursprünglich bei Dani residieren wollte, nun aber doch in einem Gästehaus untergekommen ist. Als Dani eine Stunde später wieder vor mir steht, denke ich ›Kampfstern Galactica‹.

In diesem anderen Gästehaus gibt es also Asado, ein typisch Argentinisches Grillallerei vom Rind, Weißbrot und warme Salate, bestehend aus Grillkartoffeln, Grilltomaten, Gurken, Mais und viel Grün, die aber erst alle vorbereitet werden müssen. Ich möchte gerne helfen, kann aber nicht, so dass mir nichts anderes Übrig bleibt, als die schnippelten oder umher stehenden Gäste mit meiner Anwesenheit zu belästigen. Sigrid aus Österreich lacht. Immerhin. Das Essen ist großartig, vor allem die Würste. Dazu wird ein Liter-Becher umhergereicht: Fernet Branca mit Cola. Ich denke an morgen, nehme aber trotzdem einen Schluck – dann versuche ich nicht mehr an morgen zu denken. Francesco fällt bereits durch Gleichgewichtsstörungen auf, die anderen spielten Billard. Ein schöner Mann mit langen Dreadlocks, deutlich älter als ich, beginnt sich mit mir auf Deutsch zu unterhalten. Er ist Argentinier. Ich bin erstaunt, begreife aber schnell, als ich die 24-jährige blonde Ursache, für seinen Eifer sich der Deutschen Sprache zu bemächtigen, erblicke: Sie ist seine Freundin. Dann fahren wir los, mit dem Taxi und fünf Personen in eine Großraum-Disco. Wir werden von der Polizei gefilzt, Francesco macht Witze, dass Iliana das Kokain verstecken soll. Ich kann darüber nicht lachen. Aber dafür dann über Iliana selbst. ›Was kostet der Eintritt?‹ fragt sie den Kassenwart, woraufhin er trocken antwortet: ›60 Pesos.‹ Daraufhin Iliana: ›Und für die Hübschen?‹. Zugegeben der Witz ist nur Witz, wenn man sich der äußeren Erscheinung der jungen Dame aus den Staaten bewusst ist … Drinnen herrscht dunkle Enge, von Lichtschwerten zerhackt, vom wummernden Bass geschüttelt, vom Nebel, Schweiß und Parfum durchdrungen. Trotz anfänglicher Skepsis gefällt es mir und ich falle in wenigen Takten in Kontemplation. Satoshi Tomiie legt auf.

Francesco wankt inzwischen wie eine Boje auf hoher See, er versucht trotzdem zu landen. Irgendwo nur. Seine Anspielungen sind flach wie Dichtungspapier – das weibliche Publikum hält folglich einen Sicherheitsabstand zu ihm wie Schiffe vor Untiefen. Aber Francesco gibt nicht auf, nein, er verwandelt sich im Laufe der Ausweichmanöver in eine wandernden Sandbank. Nach und geben wir uns gegenseitig Longdrinks – Wodka Energy – aus, tanzen, reden ohne zu verstehen, rauchen verdammt gutes Marihuana, das wie Wacholder und Rosmarin schmeckt, schlummern, zappeln, träumen und denken, vergessen und erinnern. Gegen 5 Uhr wird Diana müde. Wir fahren mit einem Taxi zurück. Ich rauche noch eine auf der Terrasse und sie erzählt mir von ihrem Wunsch durch die Welt zu reisen: Von Südamerika hat sie viel gesehen. Am liebsten war ihr Kolumbien, dass war auch der Grund warum sie angefangen hat, Leute bei sich aufzunehmen: Die Gastfreundlichkeit, die Herzlichkeit der Kolumbianer. Sie möchte unbedingt nach Neuseeland, denn das sei das einzige Land, wo Argentinier ein einjähriges Arbeitsvisum bekommen würden. Dort will sie arbeiten und mit dem Gesparten dann nach Asien. Mit den Gehältern Argentiniens kommt man nicht weit. Ihr gefallen meine Tattoos. Sie hat bereits Ideen für ihre eigenen: Vom jedem Land, dass sie bereist, möchte sie ein signifikantes Symbol. Dann verabschieden wir uns und gehen schlafen.


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