Bücher: Verboten. Drogen: Erlaubt.

20.07.2010Artikel zu Iran Politik & Gesellschaft erstellt von Leyla Tayeri

Während die Teheraner Staatsanwaltschaft jede Erklärung für beängstigende Berichte über Explosionen im Evin-Gefängnis verweigert, geben weitere Berichte über die Verteilung von Drogen in Abteilung 350 des Evin-Gefängnisses den Familien und der Öffentlichkeit weiter Anlass zur Besorgnis.

Bücher: Verboten. Drogen: Erlaubt.

Veröffentlicht bei Rooz Online am 19. Juli 2010 Quelle (Englisch):http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/july/19//books-banned-drugs-allowed.html

 Unterdessen gibt es Berichte, denenzufolge Amir Hossein Kazemi von der Nationalistischen Befreiungsfront und der Journalist Massoud Bastani sich in einem kritischen Zustand befinden sollen. Am Freitag besuchte Zahra Rahnavard [die Ehefrau des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten von 2009 Mir Hossein Moussavi, d. Übers.] Narges Mohammadi, die seit ihrer Freilassung aus dem Gefängnis im Krankenhaus liegt. Rahnavard sagte: „Dass Tragödien wie diese sich in Gefängnissen eines Landes ereignen, dessen Beamte behaupten, gerecht zu sein, ist eine Schande.“

Während Bücher im Evin-Gefängnis verboten sind und Familien inhaftierter Journalisten und politischer Gefangener keine Bücher für ihre inhaftierten Angehörigen mitbringen können, kursieren Drogen in Abteilung 350 des Gefängnisses, wo vorwiegend Journalisten und politische Gefangene einsitzen, ohne Probleme.

Der Webseite Kalemeh zufolge machen sich viele Familien wegen der in Abteilung 350 kursierenden Drogen große Sorgen. Sie vermuten, dass bestimmte Motive dahinter stecken und verstehen nicht, wie Drogen innerhalb der Abteilung so leicht verteilt werden können, während Bücher streng verboten und selbst die Abteilungsbibliothek und der kleine Freizeitbereich geschlossen sind.

Außerhalb des Gefängnisses sind Drogen zwar teuer, aber im Gefängnis sind sie billig zu haben.

Familien von politischen Gefangenen haben in einem Schreiben an die Teheraner Staatsanwaltschaft eine Aufklärung der Explosionsgeräuche gefordert, die in der Umgebung des Evin-Gefängnisses gehört wurden. Gefangene hatten nach den Explosionen in der Nähe der Gefängnismauer Flammen gesehen.

Die Teheraner Staatsanwaltschaft hat eine Stellungnahme dazu verweigert.

Berichten zufolge sollen sich Amir Hossein Kazemi von der Nationalen Befreiungsfront und der Journalist Massoud Bastani in einem kritischen Zustand befinden.

Amir Hossein Kazemis Ehefrau hat in einem Brief an die Teheraner Staatsanwaltschaft die Gleichgültigkeit der Gefängnisbeamten gegenüber dem Zustand ihres Mannes scharf kritisiert.

Sie schreibt: „Mein Mann leidet seit 15 Nächten an heftigen Zahnschmerzen. Experten meinen, dass er außerhalb des Gefängnisses operiert werden muss, aber die Gefängnisbeamten sagen, das sei nicht möglich und geben ihm stattdessen Tag und Nacht das Schmerzmittel Gelofen.“

Amir Hossein Kazemi ist seit dem letzten Winter im Gefängnis und wurde vor Kurzem in einem 10minütigen Gerichtsverfahren zu drei Jahren Haft verurteilt.

Andere Berichte sprechen von Massoud Bastanis kritischem Zustand: „Massoud Bastanis Zahn- und Kiefererkrankungen haben ein kritisches Stadium erreicht. Er kann seinen Mund nicht öffnen und hat wegen der Schmerzen in den letzten Nächten nicht schlafen können.“

Im letzten Jahr waren Massoud Bastani und seine Familie vom Geheimdienstministerium unter extremen Druck gesetzt worden.

Massoud Bastani hatte sich letztes Jahr freiwillig gestellt, nachdem seine Frau Mahsa Amrabadi verhaftet worden war. Er wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, außerdem wurden ihm für die Dauer von fünf Jahren seine Bürgerrechte abgesprochen.

Übersetzung aus dem Englischen: Julia

http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/july/19//books-banned-drugs-allowed.html

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