Brüssel: Drehkreuz für Verfolgte aus dem Nahen Osten

Brüssel: Drehkreuz für Verfolgte aus dem Nahen Osten

13.11.2009Artikel zu Iran Politik & Gesellschaft erstellt von Helmut N. Gabel

Amnesty International setzt sich mit der Aktion „A face for freedom“ für Menschenrechte im Iran ein

Brüssel: Drehkreuz für Verfolgte aus dem Nahen Osten

A face for freedom in Iran in Bruessel

Vor dem Europäischen Parlament in Brüssel stehen Reste der niedergerissenen Berliner Mauer. Zwei Meter breite, vier Meter hohe Mauerreste auf sehr stabilen Betonfüßen sind über die ganze Front des Gebäudekomplexes rhythmisch mit Lücken dazwischen aufgereiht. Hindurch eilen fotografierende Touristen, aber sehr viel mehr Politiker und Studenten aus ganz Europa. Am Donnerstag, 12.November nehmen sie sich Zeit zu lächeln. Auf dem Luxemburger Platz vor den symbolischen Resten einer gescheiterten Diktatur, stehen fünf Helfer von Amnesty International vor einem Tisch und buhlen um Aufmerksamkeit für die Menschen, die sich einer aktuellen Diktatur widersetzen. Passanten werden gebeten sich für die Freiheit der Menschen im Iran mit einem Lächeln fotografieren zu lassen. „What can I do?“ fragen die Entschlosseneren sofort, als sie gebeten werden die Aktion zu unterstützen. Dann stehen sie alleine, zu zweit oder als Gruppe mit einem Schild „A face for freedom in Iran“ in der Hand und schauen in die Kamera. Die etwas Vorsichtigeren halten statt ihrem Gesicht eine Hand in die Kamera, um auf ihre Weise Solidarität mit den Menschen im Iran zu zeigen. Manche eilen zu Terminen und lächeln im Vorübergehen. „Insgesamt“, sagt Lydia B., Organisatorin der Aktion in Brüssel „bin ich sehr beeindruckt von den vielen Menschen, die stehen geblieben sind und den friedlich Protestierenden im Iran mit ihrem Foto Mut zusprechen wollen. Was mich besonders gefreut hat, waren die vielen jungen Menschen, die sehr gut über die Verhältnisse im Iran informiert waren.“ Innerhalb von zwei Stunden kamen wie schon zuvor in Venlo, Amsterdam und Antwerpen über 250 Gesichter in den Kasten. Diese Gesichter werden auf Postern nebeneinander gefügt und auf verschiedenen Webseiten (www.amnesty.be//www.insideofiran.com) veröffentlicht, die auch aus dem Iran zugänglich sind. Durch die Wiederholung solcher Aktionen soll dem Regime im Iran Druck gemacht werden als Mitglied der UNO die Menschenrechte im eigenen Land zu respektieren. Zugleich ist die Botschaft an die Iraner auf der Straße: wir im Westen wissen Bescheid, wir stehen zu euch.
Studenten aus Europa unterstützen ihre protestierenden Kommilitonen im Iran
Eine deutsche Studentin, die in Maastrecht europäisches Recht und wirtschaftliche Zusammenarbeit studiert und mit ihren Kommilitonen das Parlament in Brüssel besucht, kommentiert die Aktion:„So weit wir das hier in Europa mitbekommen, sind viele unserer Altersgenossen hinter den Mauern der iranischen Staatssicherheit damit beschäftigt etwas zu erkämpfen, was wir hier schon in bestimmten Grenzen auskosten dürfen: Freiheit. Ich werde diese Aktion unterstützen und würde den Menschen im Iran gerne zurufen: Singt weiter, damit die Mauern hoffentlich bersten und ihr eure Entwicklung in die Hand nehmen könnt!“ 

Drehkreuz der Verfolgten
Gleichzeitig fand an diesem Tag eine Pressekonferenz des Nationalen Widerstandsrats in Brüssel statt, bei der es um die gleiche Frage ging: wie kann das Regime im Iran dazu bewegt werden die Menschenrechte im eigenen Land zu respektieren. Vor einem Monat liefen 10.000 Menschen in Brüssel einen Marathon. Davon waren die allermeisten Assyrer, die auf die Verfolgungen ihrer assyrischen Verwandten und Bekannten im Irak aufmerksam machen wollten. 70.000 Besucher wurden von dem Ereignis angezogen. Brüssel scheint sich mehr und mehr zum Drehkreuz für Verfolgte zu entwickeln, weil viele politische Entscheidungen von hier ausgehen. Europa könnte mit vereinter Stimme klar machen, dass die Einhaltung von Menschenrechten im Iran eine grundlegende Basis für Kooperationen ist. Europa könnte mit mehr Nachdruck Hinrichtungen anprangern und bestenfalls verhindern. Ehsan Fattahian, der am 11.11.2009 um vier Uhr morgens wegen Abfall vom Glauben (Apostasie) hingerichtet wurde, wird von einem Engagement Europas nicht mehr profitieren, aber vielleicht kann sein Tod und der Tod vieler anderer den Europäern die Gefahr des staatlichen Fanatismus so klar vor Augen führen, dass die Menschenrechte einen gewichtigeren Platz auf der politischen Agenda bekommen.
Freiheit braucht Verantwortung
Die einen verteidigen die Freiheit der Bevölkerung im Westen mit Soldaten am Hindukush, während andere genau hinschauen, was im Nahen Osten geschieht und welche Impulse dort die Unterstützung des Westens brauchen. „A face for freedom“ ist eine Solidaritätsaktion für Menschen im Iran, die es wagen für ihre Menschenrechte trotz drohender Folter und harter Strafen auf die Straße zu gehen. Im Iran rufen einige „Tod Russland“ oder„Tod Khamenei“ und andere „Obama, bist Du mit Ihnen oder bist du mit uns?“ Jahrzehntelang hieß es in den Straßen Teherans nach dem Freitagsgebet „Tod den USA“ und keiner hat öffentlich widersprochen. Seit den Wahlen im Juni widersprechen viele. Die Protestierenden fragen sich, ob sich die USA in geheimen Verhandlungen mit dem Regime einlullen lassen und die Menschenrechte opfern werden. Das Regime in Teheran schlägt hart zu. Es wird weiter hart zuschlagen, wenn der Westen mehr und mehr weg sieht. Viele Analysten glauben an ein letztes Aufbäumen des Regimes, deren Vertreter die Existenz von Irans besonderer Staatsform, Velayat-e-faghi, vor dem Ruin stehen sehen. Zum 30. Jahrestag der Besetzung der Botschaft der USA in Teheran am 4. November skandierten einige Demonstranten sogar die Ideale der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Was werden sie am 7. Dezember singen, wenn der nächste Protest erwartet wird? Es gilt hinzuschauen und Brutalität zu benennen.

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