Bohlen, Das Bo und Sido im Juror-Check

Zippt man durch das TV-Programm, bleibt man unweigerlich an ihnen hängen. Nahezu jeden Wochentag wird auf den verschiedenen Kanälen zur Primetime eine Castingshow ausgestrahlt. Da sucht Deutschland das neue Supertalent oder den Superstar, dort gibt es die große Chance oder den X-Faktor. Bei allen Formaten gibt es neben hochtalentierte vor allem medienwirksam bizarre oder das Publikum polarisierende Kandidaten. Die wichtigste Rolle – abgesehen von den Zusehern, die auf kostenpflichtigen Telefonnummern für ihren Favoriten abstimmen – spielt allerdings die Jury. Zeit, drei Jury-Mitglieder einem Check zu unterziehen.

Er ist Musiker, Produzent, Songwriter, Pop-Titan und der Thomas Gottschalk deutscher Castingshows: Dieter Bohlen. Die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar, DSDS“ gehört nach „Popstars“ zu den ältesten im deutschsprachigen Raum. Seit ihrem Beginn 2002 ist Dieter Bohlen fester Bestandteil der DSDS-Jury. 2007 ist das Geburtsjahr von „Das Supertalent“ (RTL), wo erneut Dieter Bohlen von Anfang an in der Jury sitzt. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Musik- und Unterhaltungsbranche weiß er, worauf es bei den Kandidaten ankommt, um das Publikum zu überzeugen und erfolgreich zu sein: „Es geht um das Gesamtpaket!“ Der 58jährige hält mit seiner Kritik („Wenn du deine Stimmbänder in Säure schmeißt, dann haben wir ein gelöstes Problem“) nicht hinter dem Berg und legt sie in direkter, unverblümter Ehrlichkeit offen, was von vielen als beleidigende Unverschämtheit angesehen wird. Doch gerade die markigen Bohlen-Sprüche wie „Wenn die Kelly Clarkson morgens aufs Klo geht und in die Schüssel pinkelt, klingt das immer noch besser als dein Gesang“ sind die Markenzeichen beider RTL-Castingshows. Auf der anderen Seite spart Bohlen auch nicht mit Lob, wenn es jemand verdient („das war absolute Weltklasse“, „Daumen hoch“, „… jetzt hab ich Haut von Gans“), und setzt sich gegen seine Jury-Mitglieder für Kandidaten ein, wenn er von diesen überzeugt ist. Dieter Bohlen ist ein knallharter Profi mit „hammergeilem“ Unterhaltungswert.

Im Jahr 2010 wurde die 1. Staffel von „X-Factor“ (VOX) ausgestrahlt. In der 2. Staffel stieß zur Jury um Sarah Connor und Till Brönner der Rapper Das Bo (Mirko Bogojević) hinzu. Bekannt wurde der gebürtige Hamburger mit der Band „Fünf Sterne deluxe“, die aus dem Hip-Hop-Duo „Der Tobi & das Bo“ hervorgegangen ist. Seine erste Solo-Single „Türlich, Türlich“ (sicher, Dicker) erreichte die Top 5 der deutschen Charts. Ähnlich wie Bohlen findet Das Bo bei den X-Factor Kandidaten ehrliche, klare Worte, die zwar erfrischend humorvoll, allerdings weniger innovativ wie Bohlens Kreationen sind. Der Charme des Rappers entfaltet sich, wenn Mädchen auf der Bühne sind. Dann sieht man seine Augen verträumt funkeln, ein verschmitztes Lächeln und im Gegensatz zu Bohlen keine plumpe Anmache auf Kosten anderer, sondern elegante Sprüche. Selbst Spontanmeldungen bei sexy Girls wie „Das ist ganz egal wie Du singst, du kriegst auf jeden Fall ein ‚Ja‘ von mir“ sind nicht als Machogehabe vom Single Das Bo zu sehen, sondern als Auflockerung, wenn die Kandidatin aufgeregt wirkt. Auch kann sich Das Bo bei Kandidaten, für die er ein Faible hat, gegen seine Jury-Kollegen behaupten, selbst wenn Sarah Conner die Leit-Jurorin ist. Das Bo ist ein Rapper und Juror mit Herz auf dem rechten Fleck.

„Die große Chance“ war eine Talentshow im Österreichischen Rundfunk ORF, die zwischen 1980 und 1990 lief. Seit 2011 läuft eine Neuauflage als Castingshow-Format ähnlich „Das Supertalent“. In der Jury sitzt neben Zirkusdirektor Bernhard Paul, Popsängerin Sabine Kapfinger und Ballerina Karina Sarkissova der deutsche Rapper Sido. Bereits 2010/2011 war Sido in der Jury der ORF-Castingshow „Helden von morgen“. Am 14. Oktober erschien das von Bushido und Sido erste gemeinsame Album „23“. Bei „Die große Chance“ zeigt Sido unverblümt, was er von der Performance der Kandidaten hält. Selbst im Wortgefecht mit einer älteren Dame aus dem Publikum, die ihn einen Banausen schimpfte, blieb der Rapper cool und ehrlich. Oftmals macht sehr zur Freude des Publikums dem gebürtigen Berliner der österreichische Dialekt der Teilnehmer und des Jury-Mitglieds und Tirolerin Zabine zu schaffen. Zum Eklat kam es, als Michael Jeannée, Kolumnist der auflagenstärksten Zeitung Österreichs, der Kronen Zeitung, den Motorengeräusche imitierenden Heurigenwirten Martin Zimmermann auf der Bühne vorstellen wollte. Sido bezeichnete den Auftritt als „arrogante Scheiße“ und kritisierte auch zwei seiner Jury-Kollegen als ängstlich vor einer möglichen Rache Jeannées in dessen Kolumne, die tatsächlich auch folgte. Bei der Abstimmung der Juroren kam es zu einer Pattsituation, sodass das Publikum über Zimmermann entschied. Schließlich schied der Kandidat mit heftigem Protest aus der Show aus. Bei aufreizenden Frauen bleibt Sido manchmal schwitzend aber trotzdem standhaft und blickt mit treuem Blick zu seiner Verlobten Doreen Steinert, die er liebevoll „Frauchen“ in der Show nennt. Sido ist ein erfrischend geradliniger Juror mit viel Humor und ehrlichem Gefühl.

Ob Bohlen, Das Bo oder Sido – ohne sie wären die Castingshows nicht das, wofür sich zahlreichen Menschen tagtäglich vor den Fernsehern setzen, um mit ihren Favoriten mitzufiebern, sich aufzuregen und lautstark zu lachen.

Recherche und geschrieben Heidi Grün


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