Bevorzugt Amazon eigene Produkte?

Bevorzugt Amazon eigene Produkte?Nach einem Bericht des Wall Street Journals sollen die Suchroutinen von Amazon so eingestellt sein, dass sie die hauseigene und deshalb für den Online-Händler profitableren Produkte höher bewerten.

Es sei zwar nicht festgelegt, dass diese Produkte an sich deshalb höher eingestuft werden, weil es eigene sind. Aber die Suchkriterien seien zu diesem Zweck den Produkten entsprechend eingestellt. Das schwächt die im Grunde betrogenen anderen Händler auf der Plattform bis hin zur Geschäftsaufgabe. Wie schon der Aufdruck auf manchen Amazon-Versandkartons sagt:

„Amazon – und du bist fertig.“

In dem Bericht beruft sich das Wall Street Journal auf ehemalige Mitarbeiter eines für Amazons Suchmaschine zuständigen Teams, das vom Management unter Druck gesetzt worden sein soll, dafür zu sorgen, dass Amazons Eigenmarken weiter oben in den Ergebnislisten auftauchen als entsprechende Fremdprodukte.

Der größte Onlinehändler der Welt steht schon seit längerer Zeit im Fokus von Wettbewerbsermittlungen, er sowohl Marktplatzbetreiber als auch selbst Anbieter ist. Wettbewerber dürfen bei einer solchen Struktur auf der Plattform nicht benachteiligt werden.

Die Behauptungen seien falsch, versuchte eine Amazon-Sprecherin die Welt glauben zu machen: „Wir haben keine Änderungen der Kriterien für Suchergebnisse vorgenommen, die Profitabilität einschließen.“ Es gebe nicht nur dieses eine Kriterium, sondern eine Vielzahl von Daten, die in die Auswertung neuer Funktionen beeinflussen. Die Endkunden bekämen das angezeigt, was sie sich wünschten, egal, ob eigene Produkte oder die von Partnern.

Regulierer aus den USA und die EU-Kommission ermitteln schon

Aktuell laufen schon Ermittlungen in den USA und bei der EU-Kommission, bei denen es um die Benachteiligung von Händlern auf Amazons Marketplace geht. Es wird speziell untersucht, ob Amazon als Betreiber Daten der Plattform nutzt, um sich gegenüber anderen Händlern einen Vorteil zu verschaffen.

Amazon hat als weltweit erfolgreichster Online-Händler eine entsprechend große Marktmacht. Nach Angaben des Handelsinstituts IFH beeinflusst Amazon die Käufe auch auf anderen Plattformen, weil es als wichtigste Produktsuchmaschine auch zur meistgenutzten Informationsquelle geworden ist. Der Vorsitzende der deutschen Monopolkommission hat deshalb auch schon laut über eine mögliche Entbündelung nachgedacht.


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