Besinnliche Adventszeit?

Alle Menschen um mich herum zeigen glückliche Gesichter, freuen sich auf freie Tage und eine besinnliche Adventszeit. Und ich? Ich hätte gerne die Kraft, ebenfalls diese ganz besondere Zeit zu genießen. Aber…

In der letzten Woche überraschte mich eine erneute Welle Depression, die mich fest umklammerte und nicht wieder los lassen wollte. Ganz plötzlich war sie da und mit ihr die trüben Gedanken und fürchterlichen Träume. Natürlich habe ich versucht, dagegen anzukämpfen. Vielleicht war aber genau das der große Fehler.

Ich rechne schon seit geraumer Zeit damit, dass es mich „erwischt“. Schließlich kommt Stephan´s Todestag immer näher. Allerdings habe ich schon gehofft, dass „es“ noch ein bisschen auf sich warten lässt. Ist ja nicht so, dass ich die Depression mit offenen Armen willkommen heiße.

Die plötzlichen Gedanken, dass man ja doch zu nicht´s zu gebrauchen ist, nicht´s auf die Reihe bekommt, völlig unglaubwürdig erscheint, wenn jemand sagt, dass man „toll“ ist und „geliebt wird“. Nicht´s kann dann vordringen. Die eigenen negativen Gedanken lassen alles andere in einem großen schwarzen Nichts verschwinden. Saugen alles in sich auf und verschlingen einen. So ging es mir jedenfalls.

Bis… ich endlich den Gefühlen und den Tränen freien Lauf ließ.
Am liebsten hätte ich etwas zerschlagen, hab ich aber nicht.
Am liebsten hätte ich mir selbst weh getan, hab ich aber nicht.
Am liebsten hätte ich alle Menschen um mich herum angeschrien, hab ich aber nicht.
Hätte ja auch nicht wirklich etwas gebracht.
Aber meine Gefühlen wollten raus und ich habe sie einige Tage nicht gelassen. Großer Fehler. Dabei habe ich das im letzten Jahr eigentlich ja schon mehrfach gelernt, dass es einfach am besten ist, sich fallen zu lassen.

Irgendwie wollte ich schlauer und stärker sein, als das, was da über mich hereinbrach. Mit am schlimmsten waren die glücklichen Menschen um mich herum. Ob auf den Straßen, am Telefon oder sonstwo: mir ging es beschissen, mein Innerstes war aufgewühlt, wie das Meer bei einem herbstlichen Sturm und stand im krassen Widerspruch zu allem, was ich täglich um mich erlebte. Zum Glück hab ich mich zurückgehalten. Schließlich kann dafür ja Niemand etwas. Und ich muss da ganz alleine durch. Fast zumindest.

Ich habe versucht, mich selbst davon zu überzeugen, dass das Leben schön ist und so. Habe den Blick in den Spiegel gewagt (der vor ein paar Tagen ja noch total aufbauend war) und wollte mich selbst nicht anschauen. Da waren nur negative Dinge, die mir auffielen. Am nächsten Tag zwang ich mich wieder zu dem Blick. Und dazu, nicht auf das Negative einzugehen, sondern nach etwas Positivem zu suchen. Etwas, was mir selbst gefällt. Hat ziemlich lange gedauert. Aber ich habe etwas gefunden. Und am nächsten Tag wieder etwas Neues. Und so weiter. Das war unheimlich hilfreich.

Und die Tränen dann. Endlich kamen sie. Endlich schaffte ich es, ihnen freien Lauf zu lassen. In den Armen von René konnte ich endlich loslassen. Und dann stellte er eine unheimlich wichtige Frage: „Hast Du vor irgendetwas Angst?“. Zuerst wollte ich laut und deutlich verneinen. Aber dann ließ ich der Frage die Möglichkeit, in meine Gedanken einzuströmen und dann war auch die Antwort da: „Oh ja. Ich hab unheimliche Verlustängste. Bezogen auf meine Familie, auf die Menschen, die mir wichtig sind. Angst, dass das Leben bzw. der Tod wieder unerwartet zuschlagen könnte. Oder ich meinen Freund durch andere Umstände verlieren könnte. Angst, vor jeder Sekunde, die mein Leben wieder einschneidend ändern könnte. Angst, verletzt zu werden und danach keinen Ausweg aus dem schwarzen Loch zu finden.“

Schon eigenartig. Darüber nachzudenken und sich diese Ängste einzugestehen hat unheimlich geholfen. Klar, sie sind nicht verschwunden und darüber nachdenken darf ich nur, wenn ich auch mit der anschließenden Depri-Welle klar komme. Aber anscheinend muss das immer mal sein. Ansonsten platzt mein Kopf vor negativen Empfindungen und ich geh daran kaputt.

Ohne meine beiden Lieben hier… nun ja… sie bauen mich immer in den richtigen Momenten auf oder lassen mich halt weinen… hier habe ich das Gefühl, ich darf sein, wie ich bin und die Angst gehört seit letztes Jahr zu mir und ich werde sie wohl nie wieder ganz los werden…

Eine besinnliche Adventszeit?

Vielleicht schaffe ich nun, diese zu finden. Endlich habe ich an den Sonntagen frei und auch Weihnachten muss ich nicht arbeiten gehen. René leider Heiligabend und am ersten Feiertag ja (und natürlich promt bis Mitternacht), aber wir werden das Beste daraus machen und am zweiten Feiertag haben wir die ganze Familien-Bande hier bei uns. Darauf freue mich mich schon unsagbar. Dieses Treffen konnte dieses Jahr auch nur hier in unserer neuen Wohnung sein. Das ist der einzige Ort, an dem ich mir meiner Familie so richtig bewußt bin. Und im Hier und Jetzt leben darf.


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