Bankeis Lehre vom Ungeborenen und Shinzan Miyamae Roshi

Bankeis Lehre vom Ungeborenen und Shinzan Miyamae RoshiZazen steht also einfach für den Buddha-Geist, der gelassen sitzt. Verweilt ihr im Ungeborenen, ist folglich alle Zeit Zazen, nicht nur, wenn ihr formell sitzt. Solltet ihr während der Meditation etwas Besseres zu tun haben, ist es völlig in Ordnung, aufzustehen und zu gehen. In meiner Schule ist jeder frei, dies nach eigenem Gutdünken zu handhaben.
Bankei Eitaku [1622-1693] ist einer der populärsten japanischen Zen-Meister der Rinzai-Schule. Seine Lehre übermittelte er vor allem in Reden und Gesprächen, die allgemein verständlich waren und viele Menschen erreichten. Im Mittelpunkt steht darin das "Ungeborene", die Buddha-Natur oder der Buddha-Geist, in dem es stets zu verweilen gelte, um nicht in dualistische Ansichten und Streitereien abzugleiten. Natürliche Spontaneität und Freiheit von Ritualen sind weitere Kennzeichen von Bankeis Überlieferung. 
 
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Anlässlich der o.g. Neuübersetzung von Bankei-Texten stieß ich auf Shinzan Miyamae (geb. 1935), der die ehemalige Klause Bankeis, Gyokuryuji, als Tempel  wiederherstellte. Über dem Eingang ließ er die Worte anbringen: "Übungsstätte für Jung und Alt, um Erwachen zu verwirklichen." Shinzans Lehre wird in The Zen Character (in der Kindle-Version unter 5 Euro zu haben) vorgestellt, zunächst anhand seiner von einer Expertin kommentierten Kalligrafien, dann durch ein paar kurze Reden des Abtes und schließlich rührende Zeugnisse seiner Schüler. Shinzan geht es vor allem darum, den "wahren Menschen" zu erwecken, er lehrt hierzu nari kiru, die völlige Präsenz im Augenblick, bei allem, mit dem man jeweils beschäftigt ist.   In jungen Jahren begegnete Shinzan einer Nonne, die ihn ihrem Zen-Lehrer Mitsui Daishin in Gifu vorstellte. Shinzans Ausbildungstempel war der Zuiryoji, der 1806 von Meister Inzan renoviert worden war. Im Shogenji-Kloster übte Shinzan mit Meister Kajiura Itsugai. Dieser verbot ihm überraschend zunächst die Teilnahme am sanzen, dem Treffen unter vier Augen: "Solange tu nicht getan hast, was ich getan habe, solange du also kein kensho (Entdecken der eigenen Natur) hast, bist du auf dich allein gestellt." Die Shôgenji-Lehrer waren damals auch als "Linie der Narren" (gudon no keifu) bekannt. Später setzte Shinzan sein Übung im Enjoji tief in den Bergen bei Meister Inaba Shinden fort.  Zu Shinzans Überzeugungen gehört, dass kensho an sich keine Erfahrung darstellt, sondern eine Veränderung in der Art und Weise, wie man auf Erfahrungen reagiert. Ganz im Sinne Bankeis sind in seinem Tempel alle willkommen, auch psychisch Gestörte und Kriminelle. Ein bekannter Fall ist der des hochrangigen ehemaligen AUM-Mitgliedes Kazuaki Okazaki, den Shinzan im Gefängnis betreute. Da er zum Tode verurteilt war (das Urteil wurde im Juli 2018 vollstreckt), durften ihn nur noch Familienmitglieder besuchen. Daraufhin adoptierte ihn Shinzan (Kazuaki hieß fortan Miyamae) - und Shinzans Frau ließ sich vom Meister scheiden. Seine Einstellung zeigte sich auch nach einem Großbrand, der den Tempel schwer beschädigte: "Alles weg, aber okay."   Shinzan konzentriert sich auf zaike bukkyo, den Laienbuddhisms. Er praktiziert neben Einzelkontakten auch "Gruppen-sanzen" und trennte seinen Tempel formell von der Myoshinji-Linie des Rinzai ab, aus der man ihn kritisierte, weil er das Geschäft um die Bestattungen, an denen viele Zenmönche verdienten, nicht mitmachen wollte, und Laien darin unterrichtet, wie sie dabei Kosten sparen können. Myoshinji schloss ihn hierauf formell aus und entzog ihm die Rente. Der Hundeliebhaber Shinzan begründete die Zendo Kyodan (Zenwege-Gemeinschaft), die Menschen innerhalb moderner Lebensumstände zu Erwachen und Wohlbefinden verhelfen will. Laut Shinzan gibt es zwei Weisheiten, die des hannya (Buddha-Weisheit), nach der nichts beständig sei, und die des yugagyo/yogacara, die alles für vom Geist (subjektiv) erschaffen hält.    Hier einige Zitate:
"Nari kiru (das vollkommene Einssein mit der jeweiligen Tätigkeit) in der Bewegung ist effektiver, um kensho zu erlangen, als nari kiru im Sitzen."
"Um den größten Nutzen zu haben, sollte man nachts sitzen. Denn wenn man müde wird, gibt es da einen Zeitpunkt, wo gar keine Gefühle mehr existieren, sondern nur mu. Wenn man mit ganzem Herzen mu praktiziert, ist die dualistische Sicht von hässlich-schön, gut-böse abgeschnitten, und man kann mu-mon, das Tor von mu, durchschreiten."
"Wenn man das Koan im hara (Unterbauch) untersucht, wird man gewiss kensho erlangen."
"Was bedeutet Buddhas Satz: 'In der ganzen Welt bin ich der Einzige'? Wenn deine gesamte gedankliche Aktivität anhält, dann wirst du es verstehen."
Seine Schüler sagten u.a. dies über ihn:
"Dieser Meister hat keine Zeit für endloses Sitzen. Zen ist Aktion oder gar nichts."
"Sein Tempel war im japanischen Atlas für 'Orte zur Heilung von Geisteskrankheiten' verzeichnet."
"Er konnte das angeborene Gute in jedem Menschen klar sehen."
"Er sagte zu mir: 'Nun bist du ein Zen-Mensch. Vorher warst du nur ein gewöhnlicher 'Hä?'-Mensch.'
Man sieht Shinzan kurz ab ca. Min. 4:30 in diesem Trailer. Es existiert auch ein Gespräch mit ihm auf Youtube, dessen Tonqualität allerdings zu wünschen übrig lässt. Außerdem erinnern sich zwei Schüler an ihre Mu-Praxis in Shinzans Tempel. Nachfolgend erläutert einer seiner Dharma-Nachfolger Kalligrafien des Meisters.


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