"Avengers: Infinity War" [USA 2018]


Nach 18 Filmen und zehn Jahren hat sich genau genommen… nichts geändert. Oder doch: Scarlett Johanssons Haare. Blond sind sie jetzt. Aber sonst so? Serialisierung. Breite. Fülle. "Avengers: Infinity War" choreografiert Episoden und Episödchen, Stücken und Stückchen und Stückwerk. Sobald eine Figur abgearbeitet ist, wird die nächste verarbeitet. Zu Gags, Ironie, heiler Wiedergeburt. Im immergleichen Rhythmus. Auf das Schaffbare folgt das Geschaffene. Sobald der Film sein Ende findet, geht es in die Verlängerung. Das MCU – es ist sein Wahnwitz – endet nicht mit dem Tod. Stets verbirgt sich dahinter eine weitere Auferstehung, ein weiterer Verweis und die Eintrittskarte eines weiteren Erlebnisses, das vergänglich bleibt: Die nächsten zweieinhalb Stunden Filmmaterial sind, wenn nicht abgedreht, so aber wenigstens eine Festplattendatei. Deshalb bleibt der Schmerz, und "Avengers: Infinity War" handelt von Leiden, kein akuter, höchstens eine rötliche Druckstelle. Überall ist zu vernehmen, dass Disney und Marvel Eier und sich etwas getraut hätten. Was denn eigentlich? Dass Superhelden und Superheldinnen leiden dürfen, aber ihr Leiden leidensverdaulich bleiben muss? Was ist Leiden? Die Frage erübrigt sich, weil es danach sowieso mehr zu feiern gibt.
Dass der Film den Weltraum einbindet (für alle noch einmal: "SPACE"), ruft die Guardians auf den Plan. Die Feierstunde kann beginnen. Aber irgendwie scheint die Musik viel zu leise abgemischt. Anthony und Joe Russo haben ihren Film vollgestopft, bisweilen überfrachtet. Die Avengers, aber nicht nur die, werden auf ihre Fähigkeiten, etwas ganz Besonderes tun zu können, beschränkt: Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) zaubert, Spider-Man (Tom Holland) krabbelt und schwingt, Hulk (Mark Ruffalo) will nicht Hulk sein und Steve Rogers (Chris Evans) ist Steve Rogers (allerdings mit Bart). Was eint dieses Sammelsurium an Individualisten? Der Kampf. Wenn Thor (Chris Hemsworth), Star-Lord (Chris Pratt) und Rocket (Bradley Cooper) über Autoritäts- und Muskelfragen debattieren, ergibt sich der Witz aus deren diametralen Selbsteinschätzungen. Das ist ein Witz, der nicht albern, der sogar den dunklen Zweifeln ein wenig Erdung beschert. Aber lakonisch, stofflich wird der Film eher sporadisch. Zwischen viel zu vielen Gefechten und viel zu vielen "Ich-erklär'-dir-jetzt-was-Dialogen" ist "Avengers: Infinity War" dort lähmend, wo Vergessenheit und Fluffigkeit Liebhaberattraktionen gebündelt bereithalten sollen. Viele MCU-Beiträge verstehen das Abenteuer als Wiederholschleife. 
Will man den hysterischen Reaktionen bewaffneter Schützer von Kultur und dem Kulturerbe Disney Glauben schenken, dann erkunde der Film monumentale geistige Fallhöhen mit dem ersten bösen Bösewicht Thanos (Josh Brolin). Ohne Zweifel: Thanos ist mächtig böse und mächtig stolz, physisch präsent und physisch unangreifbar. Mehr als ein Halunke, der im Überschätzen seiner Fähigkeiten existenzialistische Drehbuchmonologe raunt, ist er aber auch nicht. Im Gegenteil: Die Stauung von weinerlicher Melodramatik und, nicht zu vergessen, apokalpytischem Weltenendepathos, das sich in der Figur verkleistert, ist vor Schwülstigkeit nicht einmal mit Superkräften zu retten. Wenn die Russo-Brüder das pathetische Moment, was ein Film derartiger Dimension in der Tat benötigt, nicht antreiben, sondern sich auf Joss Whedon berufen, schicken sie Thor auf das Schlachtfeld, auf dem er sich heroisch ankündigt – eine mitreißende, eine unverkrampfte Sekunde schierer musikalischer Comicwichtigkeit zwischen dilettantisch getrickstem Pixelanarchismus, der idiotensicher in einem Mittelerde-Film von Peter Jackson Platz gehabt hätte. "Avengers: Infinity War" ist ein weiteres Häufchen Leergut von jener Kunst, nie ein Endstadium zu erreichen.
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