Augen auf beim Mascara-Kauf!

Wimperntusche, Lidschatten und Co. können gefährliche Infektionen auslösen

Kosmetikprodukte für die Augen bergen so manche Risiken. So gilt es nicht nur, bestimmte Hygieneregeln zu befolgen. Glanzpartikel und ölhaltige Inhaltsstoffe können Irritationen und Verletzungen hervorrufen. Was es beim Kauf und der Verwendung von Mascara, Lidschatten und Kajal zu beachten gilt, erläutert Dr. med. Diana Mintzer, Fachärztin für Augenheilkunde bei CARE Vision Germany, im Experteninterview.

Auf Kosmetikprodukten liest man häufig die Angabe „hypoallergen“. Was verbirgt sich genau hinter diesem Begriff?

Dr. Mintzer: „Der Begriff ,hypoallergen‘ bedeutet übersetzt ,wenig allergieerzeugend‘. Das heißt, dass das betreffende Kosmetikprodukt keine allergieauslösenden Inhaltsstoffe enthält und die Wahrscheinlichkeit für eine Unverträglichkeitsreaktion gemindert ist. Man kann sich aber nicht hundertprozentig auf diese Angabe verlassen, denn der Begriff ist rechtlich nicht geschützt. Der Hersteller kann den Begriff also nach freiem Bedarf verwenden. Ich empfehle Patienten, die unter einer Kontaktallergie leiden daher immer, die Inhaltsstoffe des Produkts genau zu lesen, einen Allergietest durchführen lassen und im Zweifel einen Arzt zu Rate zu ziehen.“

Warum können besonders nach der Verwendung von Mascara Unverträglichkeiten auftreten?

Dr. Mintzer: „Die Mascara kann bei feuchtem oder heißem Wetter schnell verlaufen und so in die Augengelangen. Die ölhaltigen Inhaltsstoffe sammeln sich an der Wurzel der Wimpern und verursachen sehr leicht Irritationen, Augenreizungen und Infektionen. Moderne Wimperntuschen, die einen volumengebenden und verlängernden Effekt haben sollen, enthalten häufig feine Härchen und Fasern. Wenn diese in das Auge gelangen, kann das ein sehr unangenehmes Gefühl verursachen. Die Augen beginnen zu jucken, röten sich und schwellen eventuell sogar an. Zusätzliches Reiben der Augen kann die Beschwerden verstärken.“

Kann auch Lidschatten solche Augenreizungen auslösen?

Dr. Mintzer: „Ja, durch feine Glanzpartikel kann es zu ähnlichen Unverträglichkeiten kommen wie bei der Mascara. Die Partikel sind sehr spitz.  Gelangen sie in die Augen, können sie eine Reizung verursachen. Puderlidschatten oder Cremelidschatten enthalten feinere Partikel, die nicht spitz, sondern rund und damit viel verträglicher für die Augen sind.“

Wie verhält es sich mit der Verträglichkeit von Augen-Makeup bei Kontaktlinsenträgerinnen?

Dr. Mintzer: „Kontaktlinsenträgerinnen müssen besonders auf gut verträgliche Produkte achten, da sonst gesundheitliche Risiken drohen. Die feinen Fasern in den modernen Wimperntuschen und die Glanzpartikel der Lidschatten können leicht unter die Linse gelangen. Dort verursachen sie nicht nur ein störendes Sandkorn-Gefühl, sie können neben Augenirritationen auch zu Schäden an der Hornhaut führen. Falls der Verdacht besteht, dass sich Mascara oder Lidschatten unter die Linse verirrt haben, muss diese sofort entfernt und gereinigt werden. Zudem sollte das Auge ausgespült werden. Ich empfehle Kontaktlinsenträgerinnen, sich in der Apotheke oder Parfümerie beraten zu lassen und vor dem Kauf die Linsen hinzuweisen. So kann ein entsprechendes Produkt, das für Linsenträgerinnen geeignet ist, ausgewählt werden. Das gilt sowohl für Mascara als auch für Lidschatten und Kajalstifte.“

Gibt es spezielle Produkte für empfindliche Augen?

Dr. Mintzer: „Ja, die gibt es. Man erhält sie häufig in Apotheken und gut sortierten Parfümerien. Manchmal auch beim Optiker. Frauen mit empfindlichen Augen sollten bei der Mascarawahl zum Beispiel auf ein Produkt zurückgreifen, dessen PH-­‐Wert dem der Tränen entspricht. Es brennt nicht in den Augen.“

Müssen im Umgang mit Augen-­Makeup bestimmte Hygieneregeln beachtet werden?

Dr. Mintzer: „Ja, unbedingt. Augen-­Makeup sollte nicht länger als drei bis sechs Monate benutzt werden. Auf keinen Fall darf Mascara an die Freundin verliehen werden. An der Bürste sammeln sich leicht Bakterien, die in das Auge gelangen und Reizungen und Entzündungen verursachen können. Ich rate auch davon ab, den Kajalstift direkt auf den inneren Lidrand aufzutragen. Auch hier ist die Gefahr einer Unverträglichkeit oder einer Infektion gegeben.“

Welche Pflege-und Wellnesstipps haben Sie für gestresste Augen?

Dr. Mintzer: „Zunächst freut sich die zarte Haut rund um die Augenpartie immer über eine pflegende und kühlende Creme. Diese beugt auch unschönen Augenringen vor. Augen, die durch lange Arbeit am Bildschirm gereizt und gerötet sind, trocknen schnell aus und brauchen Feuchtigkeit. Künstliche Tränen, die zum Beispiel Hyaluronsäure enthalten, helfen hier sehr gut. Sogenanntes Augen-­Yoga entspannt die Muskeln und macht sie gleichzeitig widerstandsfähiger. Zudem hilft auch herzhaftes Gähnen. Die Augen werden dadurch befeuchtet und gereinigt und die Gesichtsmuskulatur entspannt sich. Bei geschwollenen Augenlidern und Tränensäcken hilft ein bewährtes Hausmittel. Kalte Teebeutel aus schwarzem oder grünem Tee lassen die Schwellungen schnell zurückgehen, wenn sie für zirka zehn Minuten auf die Augen gelegt werden.“

Quelle: CARE Vision Germany GmbH
Foto: Marlies Schwarzin / pixelio.de

Diese Hinweise ersetzen nicht den Besuch beim Augenarzt.