Auflagen von Zeitungen weiter rückläufig

Angeblich gibt es eine Medienkrise. Ich merke davon nichts. Neben meiner Tätigkeit als Statistik-Dozent verdiene ich Geld ja vor allem mit Beiträgen für Vergleichsportale, überwiegend aus dem Bereich Wirtschaft. Und meine Auftragsbücher sind gut gefüllt, aktuell schreibe ich beispielsweise eine Serie zum Thema Robo Advisors. Doch bei den großen Zeitungen scheint die Situation tatsächlich nicht sehr rosig zu sein. Das kann man nicht nur an den ständigen Klagen der Journalisten ablesen, sondern auch an harten Zahlen, genauer gesagt der Auflagenstatistik.

Die Entwicklung bei den Tageszeitungen

Nach den Daten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) haben praktisch alle Printmedien massiv an Auflage verloren, allen voran die Tageszeitungen. Seit 1991 ging deren Auflage nach Daten von Walter Schütz um rund 44,0 Prozent zurück, nämlich von 27,3 auf 25,3 Millionen.

Aus Sicht der Zeitungen ist dabei nicht nur bedenklich, dass die Auflage so stark gefallen ist, sondern dass sie es seit 1993 immer schneller tut. Von 1991 bis 1993 ging die Auflage schon einmal deutlich um 7,0 Prozent zurück. Möglicherweise wegen vieler Abokündigungen im Osten, wo es nun auch Privatfernsehen gab und gleichzeitig viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Dann passierte ab 1993 acht Jahre lang vergleichsweise wenig, von 1993 bis 2001 betrug der Auflagenverlust nur 6,7 Prozent, das entspricht einem Rückgang von 0,86 Prozent pro Jahr.

Dann aber ging es erst richtig bergab. In den nächsten vier Jahren lag der Rückgang bei 8,4 Prozent, deutlich mehr als in den acht Jahren zuvor. Seit 2011 braucht die Auflage nur noch zwei Jahre, um mehr als 8,0 Prozent zu fallen. Alleine von 2012 bis 2013 ging die Auflage um 7,1 Prozent zurück, also (relativ betrachtet) mehr als in den acht Jahren von 1993 bis 2001.

Die Entwicklung wird auch durch die Daten der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, kurz ivw, bestätigt. Sie sammelt die Zahlen für Werbekunden, die ihre Planung ja auch die Reichweite aufbauen. Deshalb unterscheidet der Verein Verbreitung und Verkauf. Denn gerade Magazine verschenken einen Teil ihrer Auflage. Dann liegt eine eigentlich kostenpflichtige Elternzeitschrift beispielsweise zum Probelesen kostenlos beim Kinderarzt aus. Solche Exemplare werden natürlich weniger gelesen. Auch zwischen Abos und Einzelverkauf wird unterschieden.

Allerdings haben die Daten den Nachteil, dass nicht alle Zeitungen und Zeitschriften erfasst werden, sondern nur jene, deren Verlage die ivw damit beauftragen. Kündigt ein Verlag, um Geld zu sparen, die Zusammenarbeit, wird die Zeitschrift nicht mehr erfasst und die Gesamtauflage sinkt entsprechend.

Auch Regeländerungen können für Ausschläge sorgen, beispielsweise werden seit 2017 auch Abrufe von Zeitschriften in Flaterates wie readly (eine Art Spotify für Zeitschriften) zur Auflage gezählt, genauer gesagt zur sonstigen ePaper-Auflage.

Insgesamt sind die Daten der ivw aber sicher mit die besten, die man zur Zeitungs- und Zeitschriftenauflage bekommen kann. Und sie zeigen ebenfalls einen deutlichen Rückgang. Das Problem, so ein ranghoher Zeitungsmitarbeiter, sind dabei gar nicht Kündigungen von Kunden. Vielmehr bleiben die alten Leser der Zeitung treu - sie sterben aber irgendwann und neue Abonnenten kommen nicht nach.

Beim genauen Hinsehen zeigt sich, dass die Zahl der Abos auch deutlich weniger sinkt als die der Einzelverkäufe. Mehr noch als die Tageszeitungen sind also die Kioske in der Krise. Tatsächlich sieht man viele Zeitschriftenhändler schließen, oft findet man dann Ateliers mit Namen wie „Kunst und Feng Shui" darin.

Seit 2010 hat sich der Einzelverkauf praktisch halbiert, er sank von 6,7 auf 3,5 Millionen Exemplare. Alleine vom 2. Quartal 2016 zum 2. Quartal 2017 sank er um 7,3 Prozent. Allerdings fiel der absolute Rückgang bei den Abos sowohl gegenüber 2010 als auch 2016 praktisch ähnlich hoch aus. Gegenüber 2010 gingen 3,1 Millionen Abos und 3,2 Millionen Einzelverkäufe verloren. Denn weil es mehr Abos gibt, fällt der Rückgang hier stärker absolut ins Gewicht, ein Basiseffekt.

Das gilt noch mehr für die Bordexemplare, die vor allem in Flugzeugen verteilt werden. Das Minus von 12,1 Prozent zum Vorjahr entspricht nur 48.000 Exemplaren.

Rettung durch E-Paper?

Immerhin steigen die E-Paper-Verkäufe rasant an. Daten liegen hier erst seit 2012 vor. Seitdem hat sich die Zahl der Abos um 1.057,8 Prozent gesteigert, die Zahl der Verkäufe insgesamt um 470,7 Prozent. Paid Content wie Welt Plus oder BILD Plus ist hier übrigens nicht enthalten. Es geht ausschließlich um digitale Ausgaben der Zeitung.

Der Zuwachs hört sich beeindruckend an, rettet aber die Tageszeitungen nicht. Denn leider gibt es auch hier einen Basiseffekt. Weil die meisten Menschen ihre Zeitung immer noch auf Papier lesen, bedeuten die 4,3 Prozent Minus gegenüber dem 2. Quartal 2016 bei der gedruckten Auflage (Verkauf gesamt) fast 750.000 Zeitungen weniger. Das Plus von 22,5 Prozent bei den ePapern entspricht dagegen nur etwas mehr als 200.000 Exemplaren. Insgesamt verkauften die Zeitungen im 2. Quartal rund 16,6 Millionen gedruckter Tageszeitungen pro Tag und 1,1 Millionen ePaper.

Man könnte die Entwicklung mit einer gewissen Schadenfreude beobachten. Schließlich sehen Journalisten gerne auf Blogger und auch auf die Arbeit von Vergleichsportalen herab und bestätigen sich gerne selbst, wie wichtig sie sind. Aber leider sind Blogs und Soziale Medien bisher tatsächlich kein Ersatz für guten Journalismus. Man kann an Journalisten viel kritisieren, beispielsweise die Konzentration auf Negativnachrichten oder die geringe Vielfalt im Hinblick auf das Herkunftsmilieu und die politische Ausrichtung. Doch es bleibt die Tatsache, dass viele auch gute Arbeit leisten und die nicht so einfach von Freizeitjournalisten übernommen werden kann. Noch weniger wünschenswert ist die oft geforderte staatliche Finanzierung. Das bedeutet entweder politischen Einfluss auf die Medien oder aber eine durch niemanden kontrollierte Medien-Aristokratie.

In der nächsten Woche werde ich deshalb zunächst mal einen Blick auf die Entwicklung der anderen Medien sowie anschließend auf das Thema Wochenzeitungen und Zeitschriften werfen. Außerdem werde ich etwas tun, was ich so noch nicht gemacht habe, nämlich als Teil der Medienförderung ein paar E-Paper-Angebote vorstellen. Um die Frage vorweg zu beantworten, nein, es wird sich nicht um einen gesponserten Beitrag handeln und ich bekomme auch keine Vermittlungsprovisionen. Aber ich halte die Frage, wie man politische Medien auch weiterhin finanzieren kann, bei aller Kritik im Einzelfall an schlechter journalistischer Arbeit für wichtig und werfe daher einen subjektiven Blick auf Angebote wie iKiosk, Readly oder Steady.


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