An den Ringseilen

Ein Kopf taucht auf, mit Sonnenbrille und einem Hut auf dem Kopf, direkt zwischen zwei Ringseilen, Popcorn purzelt aus dem Mund, der sich zum Schreien öffnet und schließt, wir werden später alle Geräusche aus dem Film schneiden, wir wollen nur dieses statische Bild, nur diese Aufnahme, die hier zwischen den Ringseilen entsteht, wir werden mit der Zeit arbeiten, wir werden die Zeit verlangsamen, damit wir die Schweißtropfen, die nun wie Patronenkugeln horizontal Richtung Publikum schießen, zum Schweben bringen können, wir werden sie bremsen, anhalten, damit man sich die Salzwasserlösung betrachten kann, um dann die Zeit, plötzlich und ohne weitere Vorankündigung, fließen zu lassen, schon sind die Schweißtropfen auf den Stirn eines Zuschauers gelandet, sie haben sich dort mit seinem Schweiß vermengt, ohne dass er es bemerkt hätte, diese kleinen, mit Blut versetzten Schweißtropfen, die er mit der Hand von seiner Stirn wischen wird, um sie dann in der Handinnenfläche nach Hause zu tragen und seiner Frau über die Wange zu streichen, beruhigt und befriedigt, sich so sehr verausgabt zu haben, denn die Schreierei hat ihn erschöpft, aber all das liegt außerhalb des Bildes, all das müssen wir der Fantasie des Zuschauers überlassen, während wir noch in den Raum hinein filmen, in den inzwischen leeren Saal, immer noch mit jenem statischen Bild, das uns nun einen Mann mit Besen zeigt, der entlang der Zuschauerreihen kehrt, der sich bückt, wir können es sehen, der sich umblickt, leicht nervös, denn er scheint etwas entdeckt zu haben, wir holen ihn uns mit der Kamera heran, können aber nicht entdecken, was er dort am Boden gefunden hat, es ist schon längst in seiner Hosentasche verschwunden, ein letzter Blick, auch zu uns hin, denn nun hat er uns gesehen, er lächelt verunsichert, schwingt wieder den Besen und verschwindet aus unserem Bild, nicht mehr lange dann wird das Licht erlöschen, dann werden wir ins Dunkel der Halle filmen, wir werden das Dunkel mit der Kamera fangen, denn was könnte revolutionärer für einen Film sein, als ein Bild, das einzig nur mit einer schwarzen Fläche operiert, die im Kopf des Zuschauers gefüllt werden muss, mit Farbe oder mit Trauer, das werden wir dem Zuschauer überlassen, wir werden einzig nur filmen und warten und auf den Ausschnitt vertrauen.



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