Allez Ciao: Letzte Blicke auf Korsika

Allez Ciao: Letzte Blicke auf Korsika

Wie es sich auf Korsikas Bergstraßen fährt, habe ich hier kürzlich ja schon geschildert. In den korsischen Städten fährt es sich wie auf dem Bild. Bastia, Ajaccio, Calvi, Bonifacio – überall sind die Straßen verstopft. Von morgens bis abends. Französische Straßen verstopfen allerdings anders als unsere. Auf den ca 20 Kilometern von Bastia-Zentrum zum kleinen Flughafen hielt mich keine einzige Ampel auf. Es geht durch einen Rond-Point nach dem anderen und selbst wenn du glaubst, jetzt geht gar nichts mehr: es geht immer was. Es rollt. Ein wenig. Du kommst voran, langsam, im Kriechgang, aber du fährst. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es in Bastia mit Ampeln an jeder Kreuzung aussehen würde. Ich schätze: der tägliche Kollaps.

Allez Ciao: Letzte Blicke auf Korsika

Ich bin in dieser Nicht-mehr-hier-aber-auch-noch-nicht-auf-der-Rückreise-Stimmung. Der Mietwagen ist zurückgegeben, ich sitze am Flughafen Bastia und habe vor dem Kofferabgeben zwei Stunden zum Totschlagen. Der Flughafen besteht aus einem Terminal, in dem an alles locker in einer Minute zu Fuß erreicht. Davor ein Parkplatz und gegenüber flache Hallen mit zwei Autovermietungen. Voilà. Eine dieser Zwischenwelten – nicht mehr die Insel, noch nicht die Reise. Gleich wird ein kräftiger Regenguss auf sie niedergehen.

Trotzdem hatte ich selten so wenig Bock auf das Ende einer Reise. Meistens freue ich mich zwar nicht auf die Rückreise. Aber es ist okay, irgendwie. Viel erlebt und unternommen, interessante Menschen gesprochen, tausend Bilder im Kopf. Dieses Mal war die Reise einfach zu kurz. Korsika zog noch an mir.

Allez Ciao: Letzte Blicke auf Korsika

Dann schlendere ich herum und da steht dieser Gedenkstein. Das Bild lässt eine ganze Reihe von Erinnerungen losrattern: Saint-Exupéry, Kult-Autor der französischen Nachkriegsjahre. Le Petit Prince, ein Märchen, das ein grelles Licht auf die Realität warf, weil die Realität so gar nicht märchenhaft war (niemals ist, niemals sein kann). Von hier startet der Aufklärungspilot zu seinem letzten Flug. Ziel war Grenoble. Saint-Exupéry kam nie dort an. In den Jahren darauf wurde viel spekuliert über seinen Tod: Abschuss durch die deutschen Besatzer? Unfall? Selbstmord gar?

Genau der richtige Anblick für eine melancholische Abschiedsstimmung.