Acht Gründe The Hateful Eight nicht zu hassen

Im Schnee sieht man das Blut der anderen besonders gut. Und das eigene. Für seinen achten Film hat sich Quentin Tarantino die verschneiten Berge von Wyoming als Kulisse ausgesucht, als besonders feindliche, unbarmherzige Kulisse, die den Menschen in seine Schranken weist. Die Story: Einige Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg finden sich acht Leute während eines Schneesturms in einem Kurzwarenladen wieder. Es wird definitiv kein Kaffeekränzchen.

Jennifer Jason Leigh als Daisy Domergue

Dass sich in einem Film mehrere Männer um eine Frau herum bewegen, persönliche Ziele mit ihr verbinden und sie besitzen wollen, ist kein seltenes Szenario. Neu aber ist, dass diese Frau gar nicht wie eine Frau behandelt wird. Sie wird behandelt wie ein gefährlicher Krimineller, der seine Rechte, einschließlich des Rechts auf Leben, durch schwere Verbrechen verwirkt hat. Daisy Domergue ist die Gefangene des Kopfgeldjägers John Ruth (Kurt Russell), der sie an den Galgen bringen und dafür seine Belohnung einstreichen will. John behandelt Daisy dabei, wie er auch mit einem widerspenstigen männlichen Gefangenen umgehen würde. Er schlägt brutal zu, wenn sie ihn provoziert, bedroht sie fortwährend und zerrt sie mit sich. Für die Zuschauer ist das eine faszinierend-erschreckende Erfahrung, die eine Menge Gedanken aufwirbelt. Darf man mit einer Frau so umspringen, auch wenn sie eine mehrfache Mörderin ist, die sich wie die Axt im Walde aufführt? Wie weit darf Gleichbehandlung gehen, wie viel Gleichbehandlung können wir ertragen?

Jennifer Jason Leigh spielt die Rolle grandios. Daisy ist ein hinterhältiges, rassistisches Miststück, von dem eine ständige Bedrohung ausgeht, denn es ist mehr als offensichtlich, dass sie sich noch lange nicht ergeben hat. Sie treibt ihre Spielchen und bringt die Zuschauer damit sogar dann und wann zum Schmunzeln, wofür man sich gleich verschämt umblicken möchte, ob es jemand gesehen hat.

Das Kammerspiel

In der Hütte, die eigentlich ein Laden ist und hier zur Herberge für die Gestrandeten wird, entspinnt sich ein Kammerspiel. Wem kann man trauen und wem nicht? Handelt es sich bei einem oder mehreren der Anwesenden um Komplizen von Daisy? Wo sind die eigentlichen Besitzer des Ladens abgeblieben? Die Atmosphäre ist gespannt, um es milde auszudrücken. Der noch nicht lange zurückliegende Bürgerkrieg trägt ebenfalls dazu bei. Die Hütte im Schneesturm repräsentiert auf gewisse Weise das Amerika jener Zeit, das leider auch Parallelen zum Amerika dieser Tage hat. Menschen, die sich feindlich gesonnen sind, einander nicht vertrauen oder aus rassen-ideologischen Gründen ablehnen, werden gezwungen, eine Einheit zu bilden. Am Ende artet dies, wie man es von Quentin Tarantino nicht anders gewohnt ist, in einer schonungslosen Gewaltorgie aus. Tarantino ist gar nicht daran gelegen, Lösungen für die Probleme dieser Welt aufzuzeigen, er treibt sie einfach bildlich auf die spitzeste Spitze.

Die Tür

Während eines Schneesturms sind ein Dach über dem Kopf und vier Wände um einen herum eine wahre Wohltat. Blöd nur, wenn die Tür nicht richtig schließt. Dieses Problem haben unsere „Helden", die die Tür der Hütte jedes Mal mit Brettern zunageln müssen, damit der Schneesturm draußen bleibt, und folglich keine andere Wahl haben, als die Tür aufzubrechen, um selbst rein oder raus zu kommen. Dies ist ein Running Gag des Films mit symbolischem Charakter. Die Tür, die nur mit Mühe und Gewalt zusammengehalten wird, spiegelt die Gesamtsituation der stürmischen Zwangsgemeinschaft wider. Schließlich erfahren wir in einer Rückblende auch, wie die Tür zu Bruch ging - und das ist natürlich keine lustige Geschichte.

Lincolns Brief

Um Marquis Warren (Samuel L. Jackson), den bekanntesten schwarzen Kopfgeldjäger des ausgehenden Wilden Westens, ranken sich diverse Legenden. Es heißt, dass er während seiner Zeit als Soldat für die Nordstaaten sogar eine Brieffreundschaft mit Präsident Abraham Lincoln pflegte. Zum Beweis trägt er einen der Briefe des Präsidenten bei sich. Doch sagt Warren überhaupt die Wahrheit? Ist der Brief echt? Das ist eine der kleinen, cleveren und satirischen Randgeschichten dieses Films.

Das Scheißhäuschen

Wir verherrlichen den Wilden Westen ja ganz gerne ob seiner Freiheit und Ursprünglichkeit, aber es gibt wohl kaum einen rational denkenden Menschen, der sich danach sehnt, wieder das Haus verlassen und mehrere Meter durch Wind und Wetter stapfen zu müssen, nur um auf die Toilette zu gehen. Wir sind doch alle ganz froh, dass wir heute fließend Wasser und Sanitäranlagen im Haus haben. Die Hütte, in der ein Großteil der Handlung von „The Hateful Eight" spielt, ist sehr frei und ursprünglich. Der Verschlag mit der Toilette liegt mehrere Meter entfernt, die im Schneesturm wie Kilometer wirken. Die Aussicht, zur Befriedigung eines dringendes Bedürfnisses die Tür der Hütte aufbrechen zu müssen, gegen den gefährlichen, eiskalten Sturm anzulaufen und dabei durch meterhohen Schnee zu stapfen (und das Ganze auch wieder zurück), könnte kaum weniger verlockend sein. Als Zuschauer leidet man da schon in seiner Vorstellungskraft mit. Trotz des Konsums von viel Kaffee und eines fettigen Eintopfs muss zwar keiner der Protagonisten mal austreten, dennoch wird einer der Antihelden zu einem Ausflug in Richtung Häuschen genötigt. Scheiße für ihn.

Der Schneesturm

Der Schneesturm an sich ist einfach die perfekte Rahmenkulisse für das ganze blutige Drama. Er hält die Menschen in Schach, die sich zwar gegenseitig brutal ins Jenseits befördern können, aber gegen das Wetter einfach nur machtlos sind.

Tarantino-ismen

Ein Quentin-Tarantino-Film steht selten für sich allein. Auch wenn die einzelnen Handlungen nichts miteinander zu tun haben, findet man in seinen Werken oft Verweise auf frühere Filme, z.B. wiederkehrende Namen und Orte. Außerdem engagiert er gerne Schauspieler, mit denen er bereits zuvor zusammengearbeitet hat. In „The Hateful Eight" lassen sich wieder eine Reihe von Tarantino-ismen, wie ich sie einfach mal nenne, entdecken. So kommt erneut die fiktive Zigarettenmarke Red Apple vor, die auch schon in den Tarantino-Filmen „Pulp Fiction", „From Dusk Till Dawn", „Four Rooms", „Kill Bill: Volume 1", „Planet Terror" und „Inglourious Basterds" zu sehen war oder erwähnt wurde. Der Charakter Oswaldo Mobray, gespielt von Tim Roth, erinnert in seinem ganzen Auftreten und Aussehen sicher nicht zufällig an die von Christoph Waltz gespielte Figur des Dr. King Schultz aus Tarantinos „Django Unchained". Die Verwechslungsgefahr ist in manchen Szenen schon extrem hoch. Natürlich macht es für Kenner immer wieder Spaß, solche Dinge zu entdecken, die mal mehr und mal weniger offensichtlich sind.

Das Ensemble

Auch wenn Jennifer Jason Leigh als Daisy Domergue heraussticht, überzeugt der ganze Cast dieses Films. Man könnte glatt meinen, dass sich am Set tatsächlich alle gehasst und misstraut haben.

(Bild: The Weinstein Company)

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