Abwarten und Atay trinken…

Abwarten und Atay trinken...

Es ist immer wieder schön anzusehen, wie leidenschaftlich die muslimischen Geschwister werden, wenn es um das Muslimsein an sich geht. Stolz sind sie, aber besorgt, dass das Image der Muslime in Deutschland und Europa allgemein nicht das Beste ist. Von Hetze ist die Rede, von Verleumdung und Falschdarstellungen. Und ich sitze dabei und ich stimme ihnen zu. Schade, dass Muslimsein nicht „normal“ sein kann in diesem Land, in dem Demokratie und die damit verbundene Religionsfreiheit so groß geschrieben werden. Lasst uns etwas ändern! Lasst uns auf die Menschen zugehen, ihnen die Hand reichen! Lasst uns zeigen, dass wir nette Menschen sind und vor allem: Dass auch wir muslimischen Frauen ein Gehirn zum Denken und einen Mund zum Sprechen haben. Aber statt euphorischem Freudenjubel schlägt mir betretene Stille entgegen.

Es gibt in der muslimischen Gemeinschaft ein riesiges Problem, mit dem wir Muslime uns selbst den Weg in eine gute Zukunft im Diesseits und im Jenseits versperren. Es betrifft die guten Taten, ob mit dem Herzen, der Zunge oder den Handlungen. Es gehört zu den Pflichten eines Muslim, verabscheuungswürdige Zustände zu ändern – unser Image in Deutschland ist ein solch verabscheuungswürdiger Zustand. Wenn man nun aber zur Teilnahme an einem sozialen Event aufruft, zu einer Demo, einer Spendenaktion, zum Helfen generell, stößt man auf taube Ohren. „Gerade an diesem Tag habe ich keine Zeit.“, „Mein Mann lässt mich nicht.“ oder „Wir sind Frauen und gehören nicht in die Öffentlichkeit“ sind nur einige Beispiele der Ausreden, die man zu hören bekommt.

Fakt ist, dass niemand etwas an unserem Bild in der Gesellschaft ändern kann, als wir selbst. Wenn wir aber lieber zu Hause im stillen Kämmerlein vor uns hinjammern, statt die Sache selbst in die Hand zu nehmen, kann das nichts werden. Es gibt sicher immer gewisse Gründe, nicht an vorderster Front für unsere Rechte zu kämpfen – aber jeder kann seinen Teil beisteuern, indem er hinter den Kulissen tätig wird. Wer sich nicht zutraut, an einem Infostand in der Stadtmitte Dawa zu machen, kann möglicherweise die dort aktiven Geschwister mit Kuchen und Getränken versorgen. Oder das Kind einer Schwester betreuen, während sie dort ist. Wer nicht die Zeit findet, auf dem Flohmarkt Dinge für den guten Zweck zu verkaufen, kann das gleiche anonym bei Ebay tun und den Erlös spenden. Alles ist besser, als die Hände in den Schoß zu legen und sich darüber zu beschweren, dass man mal wieder „Kopftuchmädchen“ genannt wurde.

Daher gilt mein Appell allen Menschen, die dies lesen: In uns liegt soviel Potenzial zum friedlichen Miteinander, zur Aufklärung über unsere Religion, zum Entwickeln neuer Ideen. Traut euch! Engagiert euch! Jeder Bruder und jede Schwester, jeder Muslim und jeder Nicht-Muslim kann seinen Teil beisteuern und damit ein Stück weit für eine bessere Welt sorgen – und das alles ganz ohne in irgendeiner Weise unserer Religion zu widersprechen. Denn:  „Wer nun Gutes im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen. Und wer Böses im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen.“ (Sure 99:7 ff.)


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