A hurricane: Monday Thoughts / Montagsgedanken #27 everywhere ...

“later that night
I held an atlas in my lap
ran my fingers across the whole world
and whispered
where does it hurt?it answered 
everywhere
everywhere
everywhere.”Warsan Shire


Michael Jackson - Heal the World
Later that night
 I held an atlas in my lap

ran my fingers across the whole world
 and whispered


"Where does it hurt?"
it answered 

"Everywhere

everywhere

everywhere.”
Warsan Shire


Das erste Mal als ich diese poetischen Worte hörte, war ein Tag nach dem Anschlag in Paris. Mir standen Tränen in den Augen und ich habe lange nachgedacht. Unser Erde ist voll von Missgunst, Fremdenhass, Kriegen und Kummer. Und wir können nichts dagegen tun, diese Welt vom ihrem Leid zu heilen. Es gibt keinen geheimer Retter, keinen Superhelden oder Glücksdrachen der uns neuen Mut machen könnte.
Wie habe ich diesen Tag erlebt? Freitag, den 13.11.2015?
Ich habe wie so viele von uns das Fußballspiel ab der 18. Minute verfolgt und noch gar nicht realisiert was dort am Fernseher passiert ist. Sofort dachte ich an meine Freundin in Paris und versuchte sie noch am Abend zu erreichen, leider ohne Erfolg. Bilder schossen mir durch den Kopf. Bilder in denen sie verletzt am Boden liegt, oder gar schlimmeres. Ich konnte meine Gedanken den ganzen Abend nicht mehr von diesen Bildern lösen. Mit Tränen in den Augen saßen mein Mann und ich wie versteinert vor dem Fernseher, ehe die Müdigkeit uns überwältigte. Am Samstag Mittag endlich die erlösende Nachricht, "mir geht es gut. Ein paar von unseren Freunden sind leicht verletzt worden. Ein paar Tage vorher saßen mein Mann und ich noch in dem Restaurant wo es passierte. Aber ich mag mir nicht vorstellen, am Montag wieder mit der Metro zur Arbeit zu fahren."
Das ganze Wochenende saßen wir fast nur vor dem Fernseher und schauten unserem Nachbarland dabei zu, aufzuräumen, ihren Schmerz zu verarbeiten und den Schock zu ertragen. Montagmorgen trug ich schwarz im Gedanken an meine Freundin, an ihre Freunde, an das Land - Frankreich. Ich dachte daran, wie sie zitternd in die Metro stieg, immer im Hinterkopf was wohl noch in ihrer Wahlheimat passieren könnte. Die Reaktion auf meine "stille Trauer" schlug mir dann morgens ins Gesicht. "Wieso, Frankreich ist doch weit weg," oder "ich trauere nur um den einen Deutschen, wir haben doch mit den Franzosen nichts zu tun," oder "sowie ein arrogantes Volk."
Was ist bloß mit unserer Welt? Natürlich, berührt es uns mehr, wenn Anschläge bei uns in Hannover passieren könnten, weil es uns direkt betrifft. Aber ist es uns mittlerweile sogar gleichgültig, ob ein Nachbarland oder ein anderes Land betroffen ist? Ist es nicht gleichsam schlimm, wenn Kinder in Syrien sterben als wenn Kinder in Paris bei einem Anschlag ums Leben kommen?
Wir kümmern uns tagein tagaus nur noch darum, zur Arbeit zu gehen, uns das technisch beste Handy zu kaufen und unseren Blog mit Themen wie Kosmetik und Mode zu füllen. Wir halten älteren Menschen nicht mehr die Tür auf, geben unseren Kindern Werte auf den Weg wie, der "Stärkere überlebt." Der Kampf auf dem Schulhof ist keiner mehr um das Butterbrot, sondern um die Nationalität. Sind wir Menschen nur noch gefühlskalt und gleichgültig geworden, was unsere Mitmenschen angeht? Diese Welt geht ganz langsam vor die Hunde und es ist uns einfach "Scheißegal!?"
Ich für meinen Teil, antworte wenn ich gefragt werde, warum ich keine Kinder habe, mit einer Antwort: "Was könnte ich meinem Kind einmal sagen, warum das Leben lebenswert sein soll?" Sorry, aber mir fällt aktuell bald nichts mehr ein!
Der 13.11. hat mir wieder einmal gezeigt, wie verletzbar wir alle sind und auch wenn wir im Zeichen der Freiheit und des Friedens den Kopf hoch erhoben tragen sollten, sind wir alle vorsichtiger und irgendwie nachdenklicher geworden. Ich bete für jeden einzelnen von uns, dass dieses Jahr für uns ein schönes Weihnachtsfest werden wird, ohne weitere schlimme Nachrichten, ohne das wir Angst haben zu müssen.

Im Gedanken bin ich wohl bei Dir, Angela. ♥
Habt alle eine schöne Woche,
Eure,

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