4 Woche frugane Ernährung: The Good, the Bad and the Ugly

28 Tage lang habe ich mich von Obst, Gemüse und Nüssen ernährt. Mehr als 7 kg habe ich dabei verloren, gleichzeitig aber auch verdammt viel über meinen Körper und meine Ernährung gelernt. Befinden, Blutwerte und Erkenntnisse - hier bekommst du die nackte Wahrheit.

Wie bei allen Lifestyle X Experimenten ging es mir auch beim Frutarier nicht rein um die Ernährung. Wenn du so willst, dient das Obst als Metapher für das eigentliche Ziel: radikale Änderungen anstoßen, die meine Denkweisen auf den Kopf stellen. Das hat im Februar definitiv funktioniert.

Mein Ziel für dieses Lifestyle X Experiment war es, größtenteils Lebensmittel zu essen, die von der Pflanze gepflückt werden können, ohne diese zu beschädigen. Mich ausschließlich von Fallobst zu ernähren, habe ich ausgeschlossen, dennoch wollte ich versuchen, meine Lebensmittel nur auf Wochenmärkten zu kaufen und im Supermarkt genau auf die Herkunft zu achten.

Außerdem wollte ich einen Gesundheitscheck mit Blutwerten zu Beginn und Ende des Experiments durchführen sowie genau Buch über Gewicht, Gemütszustand und Ernährung führen. All das habe ich getan und fasse es in hier ganz ungefiltert zusammen.

Woche 1: Im Fruchtparadies

Der Monat startete mit einem 4-tägigen Seminar in Singapur und einem Flug nach Penang. Keine guten Voraussetzungen, um sanft in die neue Ernährung zu starten. Dennoch war meine Freude über die vielen Früchte in Singapur und Malaysia in der ersten Woche groß.

Ein paar Tage habe ich gebraucht, um mein Hungergefühl in den Griff zu bekommen. Die meisten Früchte sind kalorienarm, weshalb ich die Portionen an Wassermelone, Pomelo, Guava und Orangen verdreifachen musste. Unterwegs hatte ich immer Bananen, Mandarinen und Nüsse dabei.

Gewarnt wurde ich von anderen Frutariern vor dem "Entzug", der durch die Entsäuerung des Körpers auftritt. Bis auf Durchfall, kleinere Magenverstimmungen und eine leicht verschnupfte Nase machte mir das wenig zu schaffen. Ein guter Indikator dafür war mein Urin, das wohl aufgrund der Entsäuerung und viel Wasser mit jedem Tag klarer wurde.

Der Detox hat sich gut angefühlt. Tagsüber waren Energielevel und Wohlbefinden hoch. Nachts habe ich besser (und weniger) geschlafen und das Gefühl bekommen, dass mir meine Verdauung für die Umstellung sehr dankbar ist.

Allerdings habe ich in dieser einen Woche auch schon über 2 kg abgenommen. Mein Kalorienverbrauch (2.500 - 3.000 pro Tag) liegt deutlich über den aufgenommen Kalorien (1.500 - 2.000 pro Tag) und meine Ernährung ist alles andere als ausgewogen.

Erschrocken war ich, dass selbst in Malaysia die meisten Früchte importiert wurden (von Singapur habe ich das schon eher erwartet). Die vielen lokalen Obstsorten gab es nur an Straßenständen außerhalb der Städte, nicht aber im Supermarkt oder den vielen Obstmärkten in Georgetown. Hätte ich hier nur lokales, "von den Bäumen gefallenes" Obst gegessen, dann wäre meine Auswahl sehr eingeschränkt gewesen.

Typischer Speiseplan in Woche 1:

4 Woche frugane Ernährung: The Good, the Bad and the Ugly

Woche 2: Langeweile auf dem Teller

Die zweite Februarwoche verbrachte ich zur einen Hälfte in Georgetown auf Penang zur CUAsia Conference und zur anderen Hälfte auf Phuket bei einem Treffen mit meinen Geschäftspartnern vom Citizen Circle.

Auch wenn die Auswahl an Obst relativ groß ist, wiederholen sich die Mahlzeiten schnell. Es macht wenig Spaß, sich 10 Bananen, eine ganze Wassermelone oder 5 Mangos reinzuquälen, um den Kalorienbedarf zu decken.

So langsam habe ich die Schnauze voll von Früchten, besonders wenn ich mit Freunden essen gehe und mich die Kellner beim Bestellen des Fruit Salads fragen, was ich denn als Hauptgericht haben möchte. Was ich vermisse, sind Vielfalt und warmes Essen im Magen.

Beim Essen in Restaurants hatte ich immer meinen Beutel mit Obst und Nüssen dabei, so dass ich zwar allen Versuchungen gut widerstehen konnte, den sozialen Aspekt des gemeinsamen Schlemmens aber schon vermisse.

In Penang habe ich auch wieder mit dem Sport begonnen. Früh morgens funktionales Training für 15 min und eine Stunde joggen am Abend. Danach war ich ziemlich schlapp und habe gemerkt, dass mein Körper sich gerade arg an meinen Energiereserven bedient. Am Ende von Woche 2 habe ich fast 5 kg verloren.

Typischer Speiseplan in Woche 2:

4 Woche frugane Ernährung: The Good, the Bad and the Ugly

Woche 3: Kohl und Rüben

Zurück in Deutschland gab es im Winter bis auf eingelagerte Äpfel kein Obst, das nicht bereits tausende Kilometer zurückgelegt hat. Also habe ich meine Diät auf Weißkohl, Rüben, Karotten, Chicorée, Tomaten und Salat ausgedehnt. Nicht alles habe ich roh gegessen, sondern Kohl geschmort und Karotten als Suppe verkocht. Auch ohne Gewürze und Öl ganz schön lecker nach zwei Wochen Obst.​

Das entspricht natürlich nicht den Idealen eines Frutariers, denn Kohl und Rüben fallen bekanntlich nicht vom Baum. Aber wenn ich es zu ernst nehmen würde, dann wäre ich wohl jetzt verhungert. Vielleicht ein Beleg dafür, dass wir Menschen so weit entfernt vom Äquator eigentlich nichts zu suchen haben.

Ich habe mich gefragt, was die Menschen in Mitteleuropa gegessen haben, bevor es Viehzucht, Ackerbau und Feuer gab. Die Antwort ist: nichts. Vor diesen Errungenschaften konnten unsere Vorfahren ganz einfach nicht überleben, weil die Nahrung fehlte. Erst vor ein paar zehntausend Jahren sind Menschen aus den Tropen in neue Gebiete umgesiedelt.

Regionale Früchte zu essen, muss also ganz und gar nicht natürlich sein. So ein Blumenkohl oder ein Weißkohl schmecken roh auch nicht so wirklich. Wir haben unseren Körper trainiert, diese Dinge zu essen. Ein "das haben die Menschen hier doch schon immer gegessen" ist schlichtweg falsch.

Nach genau drei Wochen, am 21.02. um 18 Uhr Ortszeit, bin ich dann auch zum ersten Mal schwach geworden und habe ein paar Stückchen Schokolade gegessen. Schieben wir es auf die Kälte in Deutschland, die mich dazu verleitet hat.

Ansonsten war meine Ernährung dank des Gemüses deutlich ausgewogener (mehr Proteine, weniger Fette). Das Essen hat wieder mehr Spaß gemacht, da ab und an etwas warmes in den Magen kam, und es war einfacher, meinen Kalorienbedarf zu decken. Sogar das Gewicht blieb in Woche 3 recht stabil.

Was mir zunehmend fehlt, sind der Genuss beim Essen und der soziale Aspekt bei gemeinsamen Mahlzeiten mit Freunden. Hier widersprechen sich Ideale, Gesundheit und Bedürfnisse.

Typischer Speiseplan in Woche 3:

4 Woche frugane Ernährung: The Good, the Bad and the Ugly

Woche 4: Saftkur ohne Freuden

Motiviert von den ersten drei Wochen wollte ich dem fruganen Monaten einen würdigen Abschluss verleihen. Was wäre da geeigneter als eine 7-tägige Saftkur? Meine Annahme war, dass die Hürde nicht mehr so groß sei ... weit gefehlt.

Meinen bisherigen Früchteverzehr habe ich einfach gemixt zu mir genommen, was angenehm war, denn 5 Bananen am Stück sind deutlich einfacher zu trinken, als sie zu essen. Es hat durchaus Spaß gemacht, verschiedenste Rezepte und Eigenkreationen auszuprobieren.

Erstaunlich war für mich, dass ich so gut wie kein Wasser brauchte. Zu jedem Saft habe ich lediglich ein klein wenig Wasser beigegeben, ansonsten hat das Fruchtwasser für meine Hydrierung anscheinend ausgereicht.

Was ich total unterschätzt habe war, wie sehr mich in den ersten drei Wochen eigentlich Nüsse mit Energie versorgt haben. Selbst mit 5 Säften am Tag hatte ich echte Probleme, mein Hungergefühl in den Griff zu bekommen, so dass ich zumindest jeden zweiten Tag ein "Cheat Meal" (Kürbissuppe, Süßkartoffel-Pommes und Kartoffelsuppe) einlegen musste.

In den letzten Tagen habe ich mich körperlich schwach gefühlt. Das lag sicher nicht nur an der Saftkur, sondern auch den Wochen davor, in denen ich weder meinen Kalorienbedarf ausreichend gedeckt noch ausgewogen gegessen habe.

Am Ende von Woche 4 hatte ich mit 74 kg über 7 kg weniger auf den Rippen als zum Monatsbeginn. Das lag wohl mehr an meiner Unwissenheit bezüglich fruganer Ernährung, als an den Früchten selbst. So oder so konnte ich das "Fastenbrechen" am Abend von Tag 28 kaum erwarten! Es gab Bratkartoffeln, Krautsuppe und Nachos. Dazu ein Radler. Es war lecker aber weit entfernt von dem, was sich meine Fantasie zuvor zurechtgelegt hat.

P.S. wenn du Lust auf eine eigene Juice Fast hast, dann schau dir unbedingt den Videokurs für die 7-Tage-Saftkur von Johanna an, die für alle Leser den Rabattcode "WIRELESSLIFE" eingerichtet hat.

Typischer Speiseplan in Woche 4:

4 Woche frugane Ernährung: The Good, the Bad and the Ugly

Mein Speiseplan

Ich habe versucht, am Morgen saftiges Obst wie Wassermelone oder Papaya zu essen. Zum Mittag dann süße und sättigende Sachen wie Mango, Banane oder Avocado. Zum Abend hin dann eher wieder saftiges Obst oder leichte Salate.

Es war erstaunlich, wie einfach ich mich daran gewöhnt habe, auf Koffein, Alkohol, die gelegentliche Zigarette und Süßigkeiten zu verzichten. Der Schalter im Kopf hat sich schnell von Verlustangst hin zu einem Gewinn für den Körper umgeschalten. Das hat mir mal wieder bewiesen, wie sehr sich meine Grundbedürfnisse (was ich wirklich brauche) von Gewohnheiten (was ich glaube zu brauchen) unterscheiden.

Was ich echt vermisst habe, waren warme Mahlzeiten und hin und wieder mal etwas richtig bauchfüllendes wie Pasta oder Brot. Richtig genießen konnte ich meine Fruchtdiät nur in den ersten Tagen. Dann wurde es schnell langweilig und unbefriedigend, was sicher auch an meiner fehlenden Kenntnis zu ausgewogener Rohkosternährung und spannenden Rezepten bzw. der Verfügbarkeit an regionalen Zutaten lag.

Auch wenn ich selten mal so ein richtiges Magenknurren hatte, ist aus dieser Monotonie und der fehlenden Lust auf das Essen heraus ein großes Defizit zwischen Kalorienbedarf und Kalorienaufnahme entstanden. Durch Grundumsatz und Bewegung habe ich täglich 2.853 Kalorien verbrannt, aber nur 1.679 Kalorien konsumiert. Der Gewichtsverlust von 7,5 kg ist also nicht verwunderlich. Spezielle Defizite bei Nährstoffen hatte ich für Vitamin B12 und D, Kalzium und Sodium. Absolut überfüllt habe ich hingegen meine Nährwertziele für Eisen und andere Vitamine.

Wie die Anteile der Kalorien aus Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen für den Körper am besten sind, darüber wird gestritten. Am meisten Sinn machen für mich die Ausführungen von Douglas Graham in seiner 80/10/10 Diät (80% Kohlenhydrate, 10% Fett und 10 % Proteine). So sah unsere Ernährung wahrscheinlich vor McDonalds und Geschmacksverstärkern aus.

Mit 31,3% war mein Fettanteil an der gesamten Kalorienaufnahme deutlich zu hoch. Proteine lagen mit 7,1% noch in einem gesunden Bereich, wobei diese zum Großteil aus fettigen Nüssen stammten.

Meine Kohlenhydrate habe ich vor allem aus Bananen (16%), Mangos (8%), Orangen (7%) und Äpfeln (7%) bezogen. Fette aus Cashew Kernen (20%), Avocados (8%), Mandeln (6%), Walnüssen (5%) und Kokosnüssen (3%). Ein nennenswerter Proteinanteil kam über Cashew Nüsse (5%).

Einen Monat lang habe ich alles, was ich gegessen habe, mit zwei verschiedenen Apps aufgezeichnet: Cronometer und Myfitnesspal, wobei ich erstere App als deutlich benutzerfreundlicher und aussagekräftiger empfand. Wenn es dich interessiert, kannst du in diesem Cronometer Report ganz genau nachlesen, was ich 28 Tage lang gegessen habe und wie sich das in Nährwerten widerspiegelt.

Basierend auf diesem Foodlog hier noch ein paar nützliche und unnütze Daten:

  • 2.853 kcal habe ich täglich verbrannt (301 kcal durch Sport, 819 kcal durch Bewegung, 1733 kcal durch Grundumsatz)
  • 1.679 kcal täglich konsumiert (7,3% Proteine / 30,9% Fett / 61,8% Kohlenhydrate)
  • 1.174 kcal Defizit für 28 Tage resultierten in 7,5 kg Gewichtsverlust
  • 20% meines Energiebedarfes habe ich allein durch Cashew Kerne (10%), Bananen (7%) und Avocados (3%) gedeckt
  • 71 Orangen, 54 Bananen und 27 Äpfel habe ich im Februar verputzt
  • 3 Liter Wasser täglich getrunken (+22 Gläser Orangensaft und 8 Kokosnüsse)
  • 1.550 g Cashew Kerne und 820 g andere Nüsse (Walnüsse, Macadamia, Erdnüsse) haben mir Kraft gegeben
  • 288.904 Schritte (10.318 pro Tag) bin ich im Februar gelaufen (davon 60,1 km gejoggt)
  • 3 mal habe ich kleine Cheat Meals gegessen, alle während der letzten Woche Saftfasten

Meine Blutwerte

In den ersten Tagen habe ich es noch genossen, viele exotische Früchte zu essen und dabei meinen Körper entsäuern zu sehen. Zum Monatsende hin war die anfängliche Aufregung verflogen und ich habe mich körperlich nicht immer gut gefühlt.

Zunächst kann ich sagen, dass meine Laune den ganzen Monat über keinen großen Schwankungen unterlegen war. Ich habe nicht gespürt, dass mich die Unterernährung gestresster oder müder hat werden lassen. Dafür habe ich deutlich besser geschlafen und weniger Verdauungsprobleme gehabt.

Was ich auf der Waage sehe, sind 7,5 kg Gewichtsverlust. Das zeigt sich auch im Spiegel, wo ich ein Gesicht mit weniger Vitalität sehe. Mein Hautbild an sich hat sich zwar nicht verändert aber durch den Gewichtsverlust sehe ich nicht unbedingt frischer aus.

Hier aber die harten Fakten aus zwei Laboranalysen, die ich am 30.01. in Bangkok und am 27.02.2018 in Berlin habe machen lassen.

Wissenschaft & gesunder Menschenverstand

Ich möchte mich gar nicht zu Empfehlungen hinreißen lassen, da mir dazu auch ganz einfach das Hintergrundwissen fehlt. Aber ich möchte ein paar Gedanken mit dir teilen, die ich gerne weiter diskutieren würde. Egal, wie du dich gerade ernährst, urteile beim Lesen der nächsten Paragraphen nicht basierend auf deinen Gewohnheiten und Propaganda der Lebensmittelbranche, sondern deinem gesunden Menschenverstand.

Unsere gesamte Anatomie, Biochemie und Psychologie spricht dafür, dass wir keine Fleischfresser sind. Wir müssen Fleisch kochen, braten oder frittieren. Dinge wie Sehnen, Muskeln und Kochen entfernen wir. Wir ekeln uns vor warmen Blut und Organen. Schmackhaft wird das Fleisch eigentlich nur mit viel Öl und Gewürzen. Genauso ist das mit Milchprodukten und Eiern.

Reifes Obst und Gemüsefrüchte schmecken uns hingegen ohne Zubereitung. Es ist fertig, sobald es in der Natur gereift ist. Früchte riechen und schmecken einfach gut, ohne dass dafür Geschmacksverstärker und Zerkochen nötig ist. Wird dein Mund bei dem Gedanken an Weizen, rohe Eier und Milch aus dem Euter auch wässrig?

If we observe nature, we will find that all creatures are born with or develop everything they need to secure their natural food. No human has yet been born with a stove on his back or the keys to a tractor in her hand. - Dr. Douglas Graham

Das Feuer haben wir Menschen vor einigen Hunderttausend Jahren entdeckt, den Ackerbau und Nutztiere (und damit auch Kuhmilch) gibt es erst einige Tausend Jahre. Was haben wir vorher gegessen? Wahrscheinlich Früchte, Gräser, Wurzeln und Würmer. Vielleicht auch ab und an mal ein Mammut.

Fakt ist jedoch, dass der Körper sich über lange Zeiträume auf neue Nahrungsmittel wie Mehl oder gekochtes Fleisch einstellen konnte. Zeiträume von tausenden von Jahren. Alleine in den letzten einhundert Jahren gab es dann plötzlich so viele neue Nahrungsmittel, dass wir uns nicht wundern dürfen, mindestens genauso viele hausgemachte Krankheiten zu erleben.

Krebs, HIV und Allergien gab es im 19. Jahrhundert einfach nicht oder sie treten zumindest erst jetzt vermehrt auf. Diabetes und Fettleibigkeit gibt es erst, seitdem unsere Diät so viele Fette und Proteine enthält. Beides sind Anzeichen für eine generell schlechte Gesundheit, die zu Todesursachen wie Blut- und Gefäßkrankheiten, Krebs oder Schlaganfall führen.

Unser Körper hat sich über Millionen von Jahren auf eine Diät eingestellt. Bildlich gesprochen, schmeißen wir in den letzten Sekunden des Evolutionsjahres nun allerhand neue Dinge (inklusive Medikamente) den Rachen runter und erwarten, dass unsere Verdauung das schon irgendwie regelt.

Mein wenig wissenschaftliches, aber auf gesundem Menschenverstand basierendes Fazit zu diesem Zeitpunkt lautet:

  • alles was uns roh und reif schmeckt, ist gut für uns (ausgenommen sind Toxine)
  • alles was uns roh nicht schmeckt, sollten wir hinterfragen
  • Früchte können nicht nur ein Dessert oder ein Snack zwischendurch, sondern durchaus eine vollwertige Mahlzeit sein
  • Molkereiprodukte, Fleisch und Eier sollten wir nur in kleinen Mengen verzehren, da es unnatürlich für uns ist
  • es ist absurd, Symptome mit mehr und mehr Medikamenten zu bekämpfen, anstelle die Ursachen (Ernährung, Bewegung, Drogen) zu verändern

Wie gesagt reicht mein Urteilsvermögen zu diesem Thema nicht besonders weit. Es soll lediglich Anstoß für Diskussionen zu geben. Zum Weiterlesen und Schauen kann ich dir die folgenden Quellen empfehlen:

The Good, the Bad & the Ugly

Ich weiß viel zu wenig über Ernährung und frage mich, warum ich mich erst in den letzten Jahren damit beschäftigt habe. Sollte das nicht Gegenstand des Bildungssystems sein? Ernährung gehört für mich (genauso wie Finanzen) in den Lehrplan von jedem Schüler.

Ich habe verlernt auf meinen Körper zu hören. Sagt mir dieser gerade, dass ich diese Scheibe Brot oder das Curry mit Hühnchen wirklich brauche oder ist es nur ein Verlangen bzw. eine Gewohnheit? Es wurde mit jedem Tag besser und ich bin guter Dinge, dass mein Körper und ich unsere Beziehung weiterhin verbessern.

Lokale Lebensmittel sind rar: Ich war überrascht, wie schwer es im Supermarkt (sowohl in Asien als auch Deutschland) war, lokale Früchte im Supermarkt zu finden. Avocados aus Mexiko, Melonen aus Vietnam und Trauben aus Australien - viel Auswahl bleibt da nicht, wenn man wirklich lokal und saisonal essen möchte.

Wir essen nicht nur zur Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, sondern auch für den Genuss. Die Auswahl an lokal angebautem Obst ist vor allem in Deutschland nicht groß. Die Mahlzeiten wiederholen sich schnell und es macht wenig Spaß, sich 10 Bananen, eine ganze Wassermelone oder 5 Mangos reinzuquälen, um den Kalorienbedarf zu decken.

Neben dem Genuss bietet Essen auch eine Plattform für sozialen Austausch. Es war zwar weniger schlimm als angenommen, mit Freunden zum Essen zu gehen (ich hatte immer meinen Fruchtbeutel dabei und Wasser oder einen frisch gepressten Saft bestellt), aber doch manchmal neidisch auf die Teller meiner Begleitung geschaut.

Kalorienaufnahme wird erschwert: meinen Kalorienbedarf von über 2.000 kcal kann ich allein mit Obst kaum decken, außer wenn ich mich fettigen Früchten wie Avocado oder Kokosnuss aus Übersee bediene. Bleiben also noch Nüsse und Kerne, die jedoch auch einen sehr hohen Fettgehalt haben, was wiederum zu hohem Blutzucker führt.

Hoher Blutzucker und Fettleber durch die hohe Aufnahme von Fruchtzucker sind Argumente gegen die frugane Ernährung. Nach dem was ich gelesen und gehört habe, ist die Gefahr vor allem bei getrockneten und entsafteten Früchten hoch. Jedoch wird der Zucker von vollwertigem, rohem und reifem Obst wird schneller abgebaut und bleibt deshalb nicht lange im Blut.

Fehlende Proteine sind ein weiteres, immer wieder hervorgebrachtes Argument gegen die pflanzenbasierte Ernährung. Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse und Samen kommen locker auf einen Proteingehalt von 10g auf 100g. Vegetarische Proteinquellen gibt es zur Genüge. Das wir ohne Fleisch nicht gesund leben können, ist reine Rechtfertigung dafür, uns das Schnitzel nicht vom Teller nehmen zu lassen.

Fehlende Vitamine B12/D: beide Vitamine habe ich über meine Diät im Februar nicht aufgenommen. Welche Auswirkungen die Mangelernährung langfristig hat, mag ich natürlich nicht zu beurteilen. Nach einem Monat waren bei mir keine Symptome von schlechter Stimmung, Müdigkeit, unruhigem Schlaf oder nachlassender körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit zu sehen.

Bis auf die ersten Tage hatte ich keine Probleme mit meiner Verdauung. Das macht sich vor allem vor dem Schlafengehen bemerkbar, da ich normalerweise ein reichhaltiges Abendessen habe. 6-7 Stunden Schlaf pro Nacht schienen mir im Februar zu reichen, um früh munter zu sein (sonst 8 Stunden). Vielleicht braucht mein Körper weniger Zeit zum Aufladen der Batterien, da weniger Energie für die Verdauung benötigt wird.

Ich brauche meinen Kaffee nicht, um morgens fit zu sein. Nach der ersten Stimulation durch Koffein war ich sonst noch müder als vorher, was ich für gewöhnlich mit einem zweiten Kaffee bekämpft habe. Dieser teuflische Kreislauf ist genauso wahr für alle anderen Genussmittel, Drogen und Medikamente. Der schnelle Genuss bzw. der Fix verursachen langfristig Schäden.

Meine Kosten sind gesunken, was vor allem an den wenigen Restaurantbesuchen lag. In den vorangegangenen Monaten habe ich wöchentlich um die 100 Euro für Essen und Getränke außerhalb ausgegeben. Im Februar waren es im Schnitt um die 15 Euro für einen gelegentlichen Fruchtsalat, die Kokosnuss oder eine heiße Zitrone. Die Kosten für Lebensmittel lagen mit 45 Euro pro Woche etwas höher als in den Vormonaten mit meiner normalen Diät, was aber eher an den häufigen Restaurantbesuchen als an der Art der Lebensmittel liegt.

Veränderte Gewohnheiten

Warum mache ich diese Experimente? Weil ich dadurch gezwungen bin, meine Gewohnheiten und Denkweisen neu zu bewerten. Viele Handlungsmuster haben sich ungebeten in mein Leben eingeschlichen und werden mir erst wieder bewusst, wenn ich den Blickwinkel darauf verändere. Erst mit diesem Bewusstsein kann ich Automatismen verändern.

Ein Beispiel: im Laufe des Vormittags schnappe ich mir gerne meinen Laptop und gehe zum Schreiben in ein Café. Ganz automatisch bestelle ich dort einen Kaffee, der in mir gelegentlich die Lust nach einer Zigarette auslöst. Wenn ich der Lust nachgebe, setze ich mich raus und spiele beim Rauchen mit meinem Handy. Das alles sind Automatismen, die ich nur begrenzt bewusst steuere.

Im Februar war Kaffee keine Option, weshalb ich mich nach Jahren der Gewohnheit wieder neu auf der Speisekarte umschauen musste. Damit ist auch die Lust auf die Gelegenheitszigarette komplett verschwunden.

Gewohnheiten werden durch eine Schleife aus Auslöser, Routine und Belohnung geformt. Der Auslöser (bei mir Besuch im Café) versetzt unser Gehirn in den Autopilot, wir führen unsere Routine aus (Arbeiten, Kaffee trinken, Zigarette rauchen) und verstärken diese dann durch eine Belohnung (Rausgehen, durch den Facebook Newsfeed scrollen).

Um Gewohnheiten zu verändern, muss das Verlangen nach der Routine ausgeschaltet oder verändert werden. Der beste Ansatz dafür ist die Veränderung des Auslösers und der Belohnung oder der Einsatz einer neuen Routine in die bestehende Schleife. Was dann noch für die langfristig erfolgreiche Veränderung einer Gewohnheit fehlt, ist der Glaube daran und die feste Absicht, es zu schaffen.

Wie viele dieser Automatismen sind dir bewusst? Welche davon schaden dir? Wie kannst du den Auslöser oder die Belohnung verändern? Warum möchtest du diese Routinen aus deinem Leben schmeißen? Wie sieht dein Leben in 10 Jahren aus, wenn du dies nicht tust?

In jedem Augenblick haben wir die Chance, Gewohnheiten zu ändern und unserem Leben damit eine andere Richtung zu geben. Dafür müssen wir nicht bis zum kommenden Neujahr oder "den richtigen Moment" warten. Ein "vielleicht" oder "später" muss durch "sofort" und "definitiv" ersetzt werden.

Weißt du was noch geschieht, wenn sich Lebensumstände radikal ändern: der Blickwinkel verändert sich und damit haben wir die Chance, Denkweisen neu zu bewerten.

Sicher hast du eine Meinung zu Rohköstlern oder Vegetariern. Du bewunderst sie, schüttelst den Kopf oder stehst ihnen neutral gegenüber. In etwa das Gleiche passiert in deinem Kopf, wenn eine Frau mit Burka an dir vorbeiläuft oder wenn ein Straßenmusiker in der S-Bahn spielt.

Total egal, ob du diese Assoziationen im Kopf Vorurteile, Stereotypen oder Klischees nennst; sie sind in aller Regel nicht fair. Wir bewerten Dinge und Menschen viel zu oft anhand weniger Details, weil wir es einfach nicht besser wissen.

Für mich sind weder militanter Rohköstler noch 7 Tage die Woche Fleisch essen gute Optionen. Zwischen diesen beiden Extremen liegt jedoch ein unglaublich großes Spektrum an Möglichkeiten, das wir nur sehen können, wenn wir unsere starren Denkmustern regelmäßig wieder hinterfragen.

Ausblick und offene Fragen

Mein größter Gewinn dieses Experimentes ist das Hinterfragen von Gewohnheiten. Schon nach ein paar Tagen habe ich einige Muster in mir entdeckt, die mir nicht völlig bewusst waren. Meine große Hoffnung ist es natürlich, auch dich zum Hinterfragen und eventuell zu kleinen Veränderungen zu motivieren.

Was ich mir selbst auch in Zukunft beibehalten möchte, sind der Verzicht auf Nikotin und Koffein, das Ersetzen einer Mahlzeit am Tag durch einen frischen Saft sowie die starke Einschränkung von Fleisch, Milchprodukten und verarbeiteten Lebensmitteln. Außerdem werde ich auch weiterhin meine Ernährung tracken, um einer möglichst ausgewogenen Ernährung nahezukommen.

Im Laufe dieses Monats habe ich mir eine ganze Menge Fragen gestellt. Klare Antworten habe ich für mich noch nicht gefunden, weshalb ich mich auf eine Diskussion zu den folgenden Punkten sehr freuen würde:

Warum essen wir eigentlich 3 mal am Tag? Warum nicht einmal? Oder 8 mal?

Warum trinken wir als einzige Lebewesen auch nach dem Babyalter noch Milch? Und warum von anderen Spezies?

Warum essen viele von uns so viele verarbeitete Lebensmittel, Junk Food und Fleisch, obwohl wir ganz genau wissen, dass es unser Leben verkürzt?

Woher weiß ich, wann mein Körper wirklich etwas braucht und wann es nur ein Verlangen ist, dass durch Gewohnheiten oder gutes Marketing hervorgerufen wird?

Warum müssen alle Lebensmittel immer jederzeit verfügbar sein? Warum nicht regional und saisonal essen?

Ist es nicht ein Widerspruch, wenn ich als Frutarier keinem Lebewesen schaden will, gleichzeitig aber Früchte esse, die um die halbe Welt gereist sind?

Wie haben es die Lebensmittel- und Pharmabranche geschafft, uns abhängig von angeblich schnellen Heilmitteln zu machen, anstatt die Ursachen von Krankheiten zu bekämpfen?


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