27. Mai 2019 – Kernzonen Tala & Khitauli

9. Tag

Um 5 Uhr klopfte es an der Tür und wir bekamen eine frische Tasse Masala Chai. Dann starteten wir zum nahen Tala-Gate. Für die Morgensafari hatten wir nur noch ein Tatkal-VIP-Ticket bekommen und teilten uns den Gypsy daher mit einem sehr netten Offizier aus Agra, seiner Frau und seiner kleinen Tochter. Akshay war ebenfalls dabei. Er sei auch Naturalist hatte er erzählt und erklärt, dass Mai und Juni die beste Zeit für Tigerbeobachtungen wäre, insbesondere am Nachmittag. Wenn die Morgentouren starteten, hätten die Raubkatzen ihren Durst schon gestillt und man würde sie höchstens sehen, wenn sie auf dem Weg zu ihrem Ruheplatz die Pisten kreuzten. Während der Nachmittagstouren würden sie dagegen noch einmal zum Trinken an die Wasserstellen kommen.

Auf der Piste in den Park begegneten wir zuerst einer Ranger-Patrouille, die auf drei Elefanten unterwegs war. Dann sahen wir Axis-Hirsche, Hanuman-Languren, zwei Wildschweine und eine Schlangenweihe (crested serpent eagle). An einem Hügel waren schließlich die Warnrufe der Languren zu hören und wir suchten das nahe Bambusdickicht ab. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein Tiger auf, überquerte ganz gemächlich die Straße, auf der sich etwa 20 Gypsys drängelten und verschwand wieder im Unterholz. Dann tauchte er noch einmal auf und es setzte ein wildes Rangieren ein. Gefolgt von einem empörten Aufschrei, als sich ein Jeep rücksichtslos an allen anderen vorbei in die „erste Reihe“ schob, seinen Platz aber dann doch ganz schnell wieder räumte. Der Tiger schnupperte währenddessen an einem Zweig, markierte kurz einen anderen und ging dann endgültig seiner Wege. Akshay erzählte, dass wir gerade dem dreijährigen Kairi begegnet wären, der sich nur ganz selten sehen lasse.

Bei der Pause entpuppte sich der Inhalt unserer Frühstücksboxen als qualitativ breit gefächert. Die hartgekochten Eier mit gesprungenen Schalen, aus denen bräunliches Wasser tropfte, waren nicht besonders appetitlich, der Rest aber in Ordnung. Anschließend fuhren wir noch den Tafelberg ein Stück zum alten Fort hinauf, das seit 2012 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist, und stoppten kurz am „Shesh-Saiya“, einem Wasserbecken im Wald, das Shiva, Brahma und Vishnu geweiht war, dessen 12 m lange steinere Statue die Kalchuri-Herrscher im 10. Jahrhundert aus dem Sandstein schlagen ließen. Gegen 11 Uhr waren wir zurück im Resort.

Um 12.30 Uhr gab es ein üppiges Mittagessen und dann zogen wir uns in die kühlen Zimmer zurück, bis um 15.30 Uhr die Nachmittagssafari in die Kernzone Khitauli startete. Dieses Mal war Prem Yadar unser Guide, ein sehr erfahrener, älterer Mann, der uns erklärte, dass er am Morgen die Tigerin „Tara“, was in der regionalen Sprache „Stern“ bedeute, mit ihren beiden vier Monate alten Jungen an einer Wasserstelle gesehen habe. Er schlage daher vor gleich dorthin zu fahren und zu warten. So waren wir um 16.15 Uhr die ersten dort, im Laufe der Zeit stand aber wieder ein knappes Dutzend Gypsys um uns herum. Eine gute Stunde lang konnten wir die verschiedensten kleinen Vögel und auch einen weiteren Adler beim Trinken beobachten. Schließlich erklangen nacheinander mehrere Warnrufe. Im Bambus hinter dem großen Wasserloch konnten wir dann nach Prems Hinweis ein Stück Tigerfell entdecken. Kurz darauf auch für einen Moment schemenhaft die beiden spielenden Jungtiere.

Anschließend passierte aber wieder nichts, doch Prem dirigierte unseren Jeep mit etwas Platz nach vorne und nach hinten vor ein Gebüsch, das den direkten Blick auf das Wasserloch versperrte. Er erklärte so könnten wir uns ganz schnell zur Lücke auf der einen oder anderen Buschseite drehen, je nachdem wo die Tiger auftauchen würden. Dann sagte er „She’s coming“ und Sekunden später erschien die Tigerin und ging hinunter zum Wasser. Die beiden Jungen folgten ihr kurz darauf. Und als alle drei tranken, hatten wir wie versprochen freie Sicht auf die Szene.

Nach ungefähr einer Viertelstunde verschwanden die Tiger wieder und wir fuhren weiter. Prem kündigte an uns noch etwas zeigen zu wollen. Als wir hielten, lagen dort gleich zwei Tiger nur wenige Meter neben der Piste in einer kleinen Senke durch die ein schmales Rinnsal floss. Es waren Bruder und Schwester, beide 18 Monate alt. Nach wenigen Minuten hatten sich aber so viele Gypsys versammelt, dass die Raubkatzen kurz nacheinander den Rückzug antraten. Unsere Safari war dann zwar schon um 18.30 Uhr zu Ende, aber aufgrund der fünf Tiger waren uns die zweieinhalb Stunden deutlich länger vorgekommen. Bandhavgarh war seinem Ruf als sehr guter Tigerpark jedenfalls voll und ganz gerecht geworden.

27. Mai 2019 – Kernzonen Tala & KhitauliFährt man im Bandhavgarh-Nationalpark zum alten Fort hinauf, gelangt man zum „Shesh-Saiya“, einem Wasserbecken, das Shiva, Brahma und Vishnu geweiht ist.

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