22. Januar 2011, Scheunen sprengen, 16.58 Uhr

Und jetzt, schreit er, und dann wieder, und jetzt. Sie drängen den alten Mann auf die Seite, er solle sich nicht so anstellen, die Nachbarn beäugen ihn misstrauisch. Wir werden das Ding sprengen, erklärt einer der Polizisten. Sprengen, schreit er da. Ihr seid ja alle verrückt. Er kann es nicht fassen, nicht glauben, er hält sich an einer alten Frau fest, sie rückt von ihm ab, er sieht ihr nach. War die Müller, denkt er. Die kann von Glück reden, dass ich meine Waffen nicht hier habe. Die Waffen sind in der Scheune, die Scheune soll gesprengt werden. Das darf er nicht zulassen, auf keinen Fall. Er will rennen, kommt aber nicht vorwärts. Die Schwäche, das Alter. Das Alter ist seine Schwäche. Frühe, ja früher, jetzt hört er sich schon wie sein Vater an. Die Polizisten nicken sich zu, sagen, sie kommen jetzt erst einmal mit uns. Niemals, sagt er. Sie haben keine Lust, mit ihm zu diskutieren. Die Meute der Gaffer wächst. So viele Menschen wohnen doch gar nicht in diesem Dorf, denkt er. Jemand muss ihn verraten haben, dabei wusste doch keiner etwas von seinem Waffenarsenal in der Scheune, höchstens der Jürgen, der Jürgen, heult er auf. Der muss es gewesen sein. Du kannst keinem vertrauen. Wenn sie mein Waffenlager sprengen, dann können sie mich gleich mit dem Laden in die Luft jagen. Ich will nicht, will nicht, will nicht, jammert er, da führen sie ihn bereits ab. Die Dorfbewohner können es nicht glauben. Und das bei uns, sagen sie, das kann doch gar nicht sein, kann doch gar nicht sein, sie beten die Worte immer und immer wieder herunter. Sie glotzen sich gegenseitig an. Der Wagen mit dem Irren fährt davon. Weg, weg, weg. Sie reiben sich den Schweiß von der Stirn.
Endlich, sagt einer.
Die Polizei riegelt alles ab. Sie bitten die Leute zur Seite, sprechen mit ihnen, geht doch endlich, Mensch, hier gibt es doch nichts zu sehen.
Morgen, gibt es etwas zu sehen, sagt einer, morgen kommt das Sprengkommando. Die ganzen Waffen und die Munition. Wir müssen das sprengen.
Warum denn?, fragt ein kleiner Junge. Rotz läuft ihm über den Mund.
Weil das gefährlich ist, was da drin ist, sagt ein Polizist.
Der Junge staunt. Hört sich gut an. Er wird auf jeden Fall hier bleiben, da wird ihn nichts aufhalten können.
Sein Vater tippt ihn auf die Schulter.
Scheiße, denkt er. Wer weiß, wann bei uns mal wieder was los ist.



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