15. Den Kritikern ins Stammhirn

Über Literatur und Kritik

Von Frank Schäfer, junge Welt

Auch wenn die Kritik selbst literarisch ist, praktiziert sie Reduktion, sie schließt aus. Die Überheblichkeitsgeste der Kritik ist ihre Kompensation dieses Umstands. Sie weiß das naturgemäß selbst, und sie ärgert sich grün vor Neid. Deshalb auch oft dieser Furor sowohl des Verrisses wie des Lobs. Ist doch nur Kunst, könnte man dagegenhalten, tut doch keinem weh. Aber in beiden Fällen sind es Machtdemonstration, die umso forcierter ausfallen, je deutlicher der Kritiker dem Künstler zu verstehen geben will, daß er den längeren Füller hat. Insofern steckt noch in der größten Laudatio ein Kern Verachtung.

Schriftsteller schreiben etwas auf, um zu sehen, wie die Welt aufgeschrieben aussieht.

Roland Barthes erinnert daran, »daß das Mindere nichts Minderwertiges ist, sondern eine Gattung wie andere auch«. Eine Gattung zumal, die aufrichtiger und wahrer sein muß, weil sie sich von der Empirie nicht so weit entfernt. Man müsse der »größtmöglichen Zahl von ›kleinen Welten‹ Gehör verschaffen«, »die ›große Welt der Herden‹ durch die unaufhörliche Teilung der Partikularitäten angreifen« und immer wieder versuchen, »dem Prestige großer Proportionen zu widerstehen, und so den Eifer der Medien bremsen, das Ereignis selbst zu erzeugen«. Karl Kraus wußte das zwar auch schon, aber was wußte der nicht? Und letztlich gehört das immer noch allen Kommentatoren, Leitartiklern, Glossisten und nicht zuletzt Literaturkritikern ins Stammhirn geritzt.



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