14. Oktober 2010, Kronleuchterliteratur, 5.53 Uhr

14. Oktober 2010, Kronleuchterliteratur, 5.53 Uhr

Kaffee, Zigarette, endlich wieder einmal, da stehen die Worte, die noch jeden pathologischen Eintrag des Tages einläuteten, die zum Kirchgang rufen, die den Gläubigen in die Pathologie hinunter zitieren, Kaffee, Zigarette, und ich versuche mich an den Abend der Lesung in Frankfurt zu erinnern, um diesen einen Tag zum Abschluss zu bringen, um ihn hinter einer Armee von Wörtern zu verstecken, die nichts bedeuten, ich schließe die Augen, erinnere mich, öffne sie, nichts, ich greife nach dem Kaffee, sehe zum Adler hin, ich könnte Ihnen vom zwanzigsten Anfang eines neuen Romans erzählen, weil ich immer wieder von vorne beginne, irgendwann packt mich schon eine Figur und schleift mich mit, ich denke an Fassbinder, an den Band mit Interviews, die ich las, ja, der sprach von der Wahrhaftigkeit, vom Geschichtenerzählen, vom Müll, dem Tod, der Stadt, denn so ein Text will leben, und deshalb, genau aus diesem Grund verachte ich die Kronleuchterliteratur, diese Totenkammern, gefüllt mit Wörter, denn die Ästheten schlachten die Wörter ab, sie drehen ihnen die Hälse um und verbuddeln sie bei Nacht in ihren fünftausendseitigen Großwerken, das ist eben keine Kunst, da geht es um Dekoration, tote stinkende Texte, in so einen Text sollte alles rein, die verklebten Augen am Morgen, die Blähungen in der Nacht, die Feigheit vor dem Leben, der Hass auf die Kronleuchter im Literaturhaus, und schon habe ich den Bogen gespannt, schon bin am letzten Abend angekommen, denn im Literaturhaus am Main, da fand die Abschlussveranstaltung der OPEN BOOKS statt, wir also da rein, 4 Euro, geht ja, die haben wir noch, Gewühl, Wärme, Hitze, ich spürte Panik in mir aufkochen, warum ist hier so eine Hitze, wir schlenderten in den Tanzsaal, die Musik, ach, kein Ahnung, über die kann ich gar nichts mehr sagen, also hinüber zur Theke, Seraphe holte einen Wein, ein Bier, ich unterbreche mich, ich hätte die Geschichte von der Toilette erzählen sollen, die ich noch Stunden vorher in einem Frankfurter Restaurant aufsuchte, denn da ging es wieder einmal hinab, am afrikanischen Toilettenmann vorbei, der das Handy an sein Ohr klemmte, der in einer unbekannten Sprache ins Handy nuschelte, während ich pinkelte, der vielleicht mit seiner Frau sprach, Scheiße, schrie er vielleicht, ich bin ein Lehrer, kein Toilettenmann, vielleicht aber auch, hier steht dieser hässliche weiße Mann und pinkelt, ich melde mich später, die Geschichte hätte ich in aller Ausführlichkeit beschreiben sollen, schreib sie vielleicht später auf, denn schon schlug mir Seraphe auf die Schulter, dort im Nebenraum sitzt Alban, ich schob ich mal in den Raum, herrlich, ein Paradies für Raucher, ich ging hin, die Menschen von den Kulturmaschinen saßen mit ihm am Tisch, also Leander Sukov und Simone Barrientos, ich fuhr die Hand aus, wir schüttelten uns die Hände, ich setzte mich, denn ein wenig betrunken war ich ja auch schon, verzeihen Sie, mein Kaffee wird kalt, wir sprachen über meinen Roman, wann der denn erscheinen sollte, über die Buchmesse, über schlechte Autoren, die Barrientos brachte mich zum Lachen, die lockte mir Tränen aus den Augen, erzählte von einer Absage in Form von Haikus, ich durchschallte den Raum, das gefiel nicht unbedingt jedem, lasst das Leben in die Literatur, dachte ich, das Lachen und Schwitzen muss wieder hinein, auch die Politik, ich hebe den Kopf, denke, das reicht, das reicht, ich schaue auf meine Hände, die Hände sind kalt, ich denke an meinen Kaffee, wird Zeit, den endlich zu trinken, ich werde noch eine Zigarette rauchen und dann …



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