14. Januar 2011, Diktatorenspiel, 5.50 Uhr

Der Diktator, seit Jahren unter Haarausfall und übermäßiger Achselnässe leidend, betrachtet mit strenger Miene die Toilettenschüssel, dieses außergewöhnliche Exemplar seiner Gattung, das er sich, im Schlepptau hunderte von Bediensteten, höchstselbst in einem Sanitärbedarfsluxusshop in Japan aussuchte, hörte er doch von den vortrefflichen Forschungsergebnissen der Schlitzaugen, wie er sie abfällig im Familienkreis zu nennen pflegt, auf diesem so nötigen Gebiet der Alltagskultur, gar über eine Popo-Dusche plus Föhnanlage verfügt das beachtenswerte Monstrum, dessen Ränder vergoldet sind, nichts anderes würde er seinem Hinterteil anbieten, ist er doch der höchst gestresste Diktator dieses Landes, dem sich die Zustimmung durch die Bürgerschaft momentan langsam entzieht, weil unzufriedene Banden von Studenten das Volk aufwiegeln und dies mit den seltsamsten Thesen, mal fordern sie Arbeit, mal fordern sie freie Wahlen, den Diktator kann solcherlei Unsinn nur vergnügen, am Ende werden sie noch die Macht fordern, gar Gottes Sitz im Himmel, die Menschheit ist verrückt geworden, er starrt auf seinen aus der Hose gewühlten Penis, kümmerlich, denkt er, er sollte ihn vielleicht einer Vergrößerungsoperation unterziehen, aber nein, momentan treiben ihn andere Sorgen um, also konzentriert er sich auf einen eventuell konzentrischen Urinstrahl, der leider erst gar aus ihm heraus möchte, eine Art von Pisshemmung hat ihn befallen, das Volk ist daran schuld, denkt er, dieses dämliche Volk, ohne das es leichter wäre, er könnte einige Todesurteile unterzeichnen, um den Harndrang zu fördern, aber sicher sein kann er sich da auch nicht, was hat er denn getan, dass sie ihn alle derart unleidlich angehen, einige wenige wichtige Posten an Familienmitglieder vergeben, ein paar strengere Verhöre, ein bisschen Dauerbeobachtung der Opposition, da ist doch nichts dran, denkt der Diktator, denn so funktioniert das Diktatorenspiel, und nun wollen die Massen einfach keinen Spaß mehr daran entwickeln, er reißt die Augen auf, spürt Harndrang, Urin scheint sich seinen Weg zu bahnen, er lauscht, sieht hin, aber nichts, wieder einmal nichts, er ist enttäuscht und ruft nach seinem Adjutanten, der bitte einmal seinen Penis halten soll, bitte fassens hier an, danke, dann greift er nach dem Mobiltelefon, der General ist sofort zu sprechen, General, sagt der Diktator, schießen Sie in die Menge, aber bleiben sie dran, ich will zuhören, es herrscht ein Rauschen, dann sind Schüsse und Schreie zu erahnen, Scheißtelefon, denkt der Diktator, er blickt nach unten, tatsächlich, da kam ein Tropfen, die Mordkur half also, er legt zufrieden auf und lächelt den Adjutanten an, er könne jetzt los lassen, immerhin sei er der Diktator und brauche keinen Penishalter, er schickt den Adjutanten wieder nach nebenan, entspannt sich, er packt das Diktatorengemächt zurück in die Unterhose, tritt vor den Spiegel und überlegt, mit welcher Schreckenstat er wohl seinen Haarwuchs wieder befördern könnte, ihm wird da schon etwas einfallen, denn wenn es um Mord und Totschlag (gar auch Folter) geht, ist er Ideenreich wie kaum jemand, denn zum Diktator, da ist er sich gewiss, muss man von Gott berufen sein, und er ist nun wahrlich von Gott berufen, daran besteht für ihn und Gott kein Zweifel.



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