08.06.12

Wollte eigentlich eine ganze Serie über die Autoren schreiben, die mich als Kind gefesselt haben, die mich im Bett hielten, bis es irgendwann an der Tür klingelte (wir waren erst vor einigen Wochen in ein neues Haus gezogen) und eines der Nachbarkinder sich nach mir erkundigte: “Kommt denn der Junge, der hier wohnt, auch mal raus?” Mein Mutter muss ihn entsetzt angesehen haben, das Kinn fiel ihr nach unten, und sie stürmte zu mir nach oben, um die Decke von mir zu reißen. So geht das nicht weiter, sagte sie, sagte es unentwegt, aber es ging weiter, lesend, sich vor aller Welt abschottend, darüber lachend, denn was brauchte ich die Welt, wenn ich mich längst schon auf anderen Planeten aufhielt.
Ich werde die Porträts lassen, einfach aus praktischen Gründen, denn sie halten mich auf, sie halten mich ab, von dem, was WIRKLICH geschrieben werden muss. (Ein neuer Roman ist es, ein neuer Roman, der mir unter den Nägeln brennt, im Hals, im Kopf, er muss raus, sonst werde ich ganz krank davon.) Mit Disch endet es also hier, vorerst, denn wenn ich wieder Lust bekommen, wenn sie mich anfällt, dann …

Gestern bei Kerouac über das Entstehen seines ersten Romans gelesen, an dem er zwei Jahre arbeitete. Später fand er zu seiner eigentlichen Schreibweise, einer spontanen, die ihn fließen ließ, überfließen.
Ich arbeite ähnlich, ich darf mir keine Zeit geben, weil ich an keinen Meisterwerken arbeite, an keinen Klassikern, denn wenn das so wäre, Gott, dann wäre ich bereits tot.