Woman: Nicht an jeder Ecke

Woman: Nicht an jeder EckeWoman
„Happy Freedom“
(Asmara)
Fast ist man versucht sich zu entschuldigen, weil man dem Kölner Trio nach Anhören ihrer vorzüglichen Single „Control“ Soulambitionen angedichtet hatte. Natürlich spielen Woman keinen Soul, ebensowenig wie Funk, Progrock, Synthpop oder Dance. Jedenfalls nicht ausschließlich. Denn was die Musik von Manuel Tran, Milan Jacobi und Carlos Hufschlag auszeichnet, ist die Fähigkeit, mit all den genannten Stilen so gekonnt zu jonglieren, daß es schwerfällt, diese Mixtur in eine einzige Schublade zu stecken. Das kann bisweilen auch gewaltig schiefgehen, man kann sich verzetteln und einen Gemischtwarenladen in Discountergröße aufbauen – die drei tun zum Glück das nicht. Der Sound von Woman ist angenehm ausbalanciert, geschmeidig und vertrackt zugleich, eigentlich finden sie immer einen Dreh, die Songs weder beliebig noch anstrengend klingen zu lassen.

Daß Zebo Adam, der Mann hinter den österreichischen Durchstartern Bilderbuch, seine  Finger an den Reglern hatte, läßt sich unschwer heraushören, ein Stück wie „Love“ hätte mit seinen breitbeinigen Gitarrenriffs plus ein wenig mehr Schmäh durchaus auch auf der letzten Platte der Wahlwiener Platz gefunden. Auch andere Bezüge sind mit Bedacht, aber aller Deutlichkeit gewählt – Pink Floyd schimmern passenderweise in einem Track namens „Money“ durch die Saiten, für Moroder, Zoot Woman und The Whitest Boy Alive bleibt bei „Marvelous City“ und „Concrete Jungle“ genügend Assoziationsspielraum, später darf man noch die Pronomen Space-, Post- und Art- in die Rock-bzw. Popkiste packen. Alles klug gemacht, Feinmechanik quasi, sämtliche Rädchen und Schräubchen sitzen und funktionieren an der richtigen Stelle und dank häufig eingestreuter, angenehm vertrauter Funkrhythmen kommt selbstredend der Tanzboden nicht zu kurz.
Damit aus dem Ganzen kein allzu ausgelassenes Fest wird (was man bei dem Titel ja durchaus vermuten könnte), geht es textlich eher besinnlich zur Sache, dem Netzmagazin Diffus haben sie kürzlich in den Block diktiert, daß sie sich sehr wohl Sorgen um die politische Kultur und das Stimmungsbild in diesem Lande machen, insofern sind der fiese Bassbeat aus „Khung-Bo“ oder die Schwermut mancher Zeile keine Ausrutscher, sondern die Folge betonter Nachdenklichkeit. Soll heißen, so „happy“ ist die grenzenlose Freiheit nicht zu haben und hat man sie erst einmal, dann will auch verteidigt werden. All diese Dinge unter einen Hut zu bringen ist schon eine beachtliche Leistung, die – mit Verlaub – hierzulande in dieser Qualität nicht an jeder Straßenecke zu finden ist.

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