Wie Ost-Berlin 1990 wirklich aussah

Ostberlin

Ostberlin – kalt, grau und werbefrei

Vor 25 Jahren ging die DDR unter. Wie Ost-Berlin aussah, ist heute fast vergessen.  Mit Techno untermalte Originalaufnahmen von 1990 aus einer Straßenbahn hinaus lassen einen hautnah und authentisch durch die letzten Wintertage der untergehenden DDR-Metropole gleiten. Ein faszinierendes Zeitdokument erster Güte und nebenbei große Kunst!   

Shot in 1990 by Stefan Münster on Video 8
Edit by Phillip Sollmann 2014
Track taken from DECAY
artinlandscape.com

Ost-Berlin vor 24 Jahren. Im historischen Einheitsjahr 1990. Acht Tage war das Jahr erst alt. Ein grauer kalter Wintertag. Man sieht eine alte DDR-Trambahn vor einer grauen Trabantensiedlung, die Erde in Falckenberg ist öde und leer. Der Sozialismus nimmt uns auf seine letzte Reise mit. Unter den hypnotisch-meditiativen Technoklängen von EFDEMIN fahren wir mit der Straßenbahn durch die melancholische Eiswüste der Hauptstadt der untergehenden DDR. Vorbei an Dreck versprühenden Trabbis alter Schule und einer antikapitalistischen Atmosphäre, die sich Kinder des modernen Turbokapitalismus eigentlich gar nicht mehr vorstellen können. Nirgendwo Werbung, keine effektheischerische Aufforderungen zum Haben, Kaufen und Erwerben. Phänomenologie des Augenblicks. Kein Konsumnebel verdeckt den Blick auf die nackte Wahrheit des untergehenden protestantischen Sozialismus: Grauheit und Verlassenheit .

Prenzlauer Berg Ost-Berlin

Der Blick vom Prenzlauer Berg auf den Fernsehturm zu DDR-Zeiten/Pardon Reed, ccc-Lizenz

Alter bundesrepublikanischer Politprominenz verursacht der Gedanke an das alte entschwundene Ost-Berlin anscheinend heute noch ästhetische Albträume. Der Bildungsbürger Otto Schily, einstiger RAF-Verteidiger, einer der ersten Grünen im Deutschen Bundestag 1983 und viel später dann knochenharter SPD-Innenminister, erinnert sich in der zweiteiligen ZDF-Dokumentation „Die Insel“ mit Grauen an Ost-Berlin. „Ost-Berlin war ausgesprochen hässlich“, sagt er. „Dann der Gestank von dem berühmten Ostbenzin, der auch unangenehm war. Die DDR roch schlecht (…). Ich habe einmal zugespitzt gesagt, die DDR ist an Mangel an Ästhetik zugrunde gegangen.” Eine Aussage, die beeindruckend von der alten westdeutschen Arroganz zeugt, und das sagt ein west-, ja ein süddeutsch Sozialisierter. Schön im klassischen Sinn war Berlin nie, ja, der wirtschaftlich heruntergewirtschaftete Ostteil erst recht nicht. Schön im Münchner Sinn des Wortes sozusagen ist auch das vereinigte Berlin nur an einzelnen Stellen. Aber die Schönheit Ost-Berlins zeigt sich in dem Videomaterial durch seine rohe Nacktheit, die keine Schminke braucht. Es ist auch eine Ästhetik des Scheiterns.

 

Wie Ost-Berlin 1990 wirklich aussah

Der Münchner Christoph Marx ist freier Publizist, Lektor und Redakteur und lebt und arbeitet in Berlin. Er veröffentlichte bzw. verantwortete inhaltlich zahlreiche Werke, v.a. zu historisch-politischen, gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Themen.


wallpaper-1019588
Checkliste Urlaub – 9 Tipps für die perfekte Reisevorbereitung
wallpaper-1019588
Schmuggel-ein-paar-Zucchini-auf-die-Terrasse-Deiner-Nachbarn-Nacht – die amerikanische National Sneak Some Zucchini Onto Your Neighbor’s Porch Night
wallpaper-1019588
Mariendistel – Heilpflanze für die Leber
wallpaper-1019588
Tag der Macadamianüsse – der amerikanische National Macadamia Nut Day
wallpaper-1019588
Graz: Eine Nacht in den Amedia Luxury Suites
wallpaper-1019588
„Das Ziel ist, sensibler zu werden und nicht stumpfer zu werden“ – Daniel Richter und Yung Hurn gemeinsam im Atelier
wallpaper-1019588
Trump geht die Puste aus: Talfahrt beim „Dow“, Sturz in „Polls“
wallpaper-1019588
Etwas-am-Stiel-Tag in den USA – der amerikanische National Something on a Stick Day