Ressort Psychologie

Wer sich rächt, ist nicht viel besser als der Täter!

Erstellt am 8. Juni 2012 von Wernerbremen

Wer sich rächt, ist nicht viel besser als der Täter!
Ihr Lieben,
heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von René Leudesdorff erzählen:

„Dein Urteil wird auf Dich zurückfallen“

Die Amerikaner und Engländer rückten 1945 in die deutschen KZs ein.
Wer sich rächt, ist nicht viel besser als der Täter!
Die Lagerhäftlinge erwischten einen deutschen Kapo, einen dieser verhassten deutschen Aufseher, als er auf der Flucht gerade seine Beine über die Fensterbank schwingen wollte.

Wortlos zogen sie ihn herunter und schleppten ihn, schnaufend vor Hass., hinaus auf einen seitlichen Lagerweg. Dort schlugen unzählige gierige Hände auf ihn ein.

Warnende Rufe wurden laut. Bewaffnete Soldaten liefen herum. Alle verschwanden in den überfüllten, stinkenden und lauten Baracken. Ein junger amerikanischer Offizier kam. Ein Dolmetscher begleitete ihn. Die Männer im Block verstummten. Alle hörten aufmerksam zu.

„Gentlemen“, sagte der Offizier freundliche, aber bestimmt und nahm den Helm ab.
„Ich weiß, dass Sie nach allem, was Sie erlebt haben, Ihre Henker zutiefst hassen. Nehmen Sie zur Kenntnis: Alle Schuldigen werden bestraft! Schon jetzt werden die gefangenen SS-Männer als Leichengräber verwendet!“

Von allen Pritschen ertönten zustimmende Rufe und Beifall.
Aber der Offizier sprach weiter: „Darum bitte ich Euch, Geduld zu haben und kein neues Unrecht zu begehen, weil sich das nur an Euch selbst rächen würde. Übergebt also bitte die Halunken der Lagerwache. Einverstanden?“

Der Block antwortete mit einem langen einstimmigen zustimmenden Schrei.
Der Offizier ging in den nächsten Block. Erst als er verschwunden war, zerrten sie jenen Mann von der Pritsche, auf der er, mit Decken zugedeckt und mit den Körpern abgeschirmt, geknebelt, das Gesicht tief in den Strohsack gedrückt, gelegen hatte. Sie schleppten ihn auf den Betonboden vor dem Ofen und trampelten ihn dort unter dem wütenden, hasserfüllten Schnaufen der ganzen Baracke zu Tode.“

Ihr Lieben,

wenn ein Text schwierig zu „verdauen“ war, dann sagte meine geliebte Großmutter:
„Das ist schweres Brot!“

So geht mir das heute mit dieser Geschichte: Sie ist ganz schweres Brot.
Dass Menschen sich zusammenrotten und einen einzelnen Menschen töten, das ist ein schreckliches Verbrechen, für das im „normalen“ Alltag niemand Verständnis hat.

Aber tief in mir regt sich dennoch so etwas wie Verständnis für diese Täter, denn sie waren oft jahrelang im KZ gewesen, hatten grausame Qualen erdulden müssen, hatten unter solchen brutalen Aufsehern gelitten, die unmenschlich Andere quälten, und sie hatten oft Freunde, Bekannte, Verwandte, ja oft Vater, Mutter, Tochter oder Sohn im KZ sterben sehen.
Daher ist ihre abgrundtiefe Wut zu verstehen.
Auch wenn das in gar keiner Weise mit den Erlebnissen eines KZ-Insassen vergleichbar ist, so kann ich die Wut der Menschen im KZ doch ein wenig verstehen, denn als ich damals als ESELSKIND über Jahre als Kind und Jugendlicher von einer Schulklasse bestialisch gedemütigt, gequält, geschlagen und missbraucht wurde, da regten sich auf in mir oft tiefe, abgrundtiefe Wut und rabenschwarzer Hass.

Im Gegensatz zu den KZ-Insassen wurde mir aber ein besonderes Gnadengeschenk zuteil, denn ich hatte zu der damaligen Zeit, als die Taten an mir verübt wurden und auch in den ersten Jahren danach, gar nicht die Möglichkeit und Gelegenheit, mich zu rächen.
Erst als ich erwachsen war und in mir inzwischen der Same der Liebe und Versöhnung aufgegangen war, den liebe wundervolle Menschen in mich hinein gesät hatten, hatte ich die Gelegenheit und die Möglichkeit, den ehemaligen Tätern zu begegnen.
Ich hatte erkannt, dass der Weg zu einem glücklichen Leben, zu einer Veränderung der Welt nicht ein Weg der Rache und des Hasses ist, sondern ein Weg der Liebe und der Vergebung.
Nicht zufällig sind Albert Schweitzer, Mutter Theresa, Mahatma Gandhi und Nelson Mandela Wer sich rächt, ist nicht viel besser als der Täter!meine größten Vorbilder geworden, denn auch sie hatten erkannt:
 
Wut führt nur zu neuer Wut.
Hass führt nur zu neuem Hass.
Rache führt nur zu neuer Rache.

Liebe aber verwandelt unsere Herzen,
sie macht uns bereit zur Vergebung und Versöhnung.
Wer sich rächt, ist nicht viel besser als der Täter!
Liebe ermöglicht einen Neuanfang im Leben.
Mag das „alte“ Leben auch noch so – verzeiht mir das harte Wort - beschissen gewesen sein, die Liebe gibt uns die Chance, noch einmal neu anzufangen, uns von den Schatten der Vergangenheit zu lösen, uns selbst zu lieben, glücklich und fröhlich zu werden.

Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass Ihr den Weg der Liebe findet und dass in Euch die Flamme der Freude und der Versöhnung entzündet wird.

Ich wünsche Euch nun ein strahlendes, ein luftballoniges, buntes, fröhliches Wochenende und den Fußballfreunden viele Tore und ich grüße Euch herzlich aus BremenWer sich rächt, ist nicht viel besser als der Täter!Euer heiterer Werner 

Wer sich rächt, ist nicht viel besser als der Täter!

Quelle: Karin Heringshausen


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