Virtuelle Umarmungen

Dies wird kein sorgfältig recherchierter Artikel über das Thema, es wird einfach nur ein purer, kopfloser Rant. Es reicht mir nämlich.

Gestern Nacht ist es wieder passiert.
Jemand hat einen Tweet geschrieben, in dem meine Twitter-Handle eingeklammert war. Wie ich lernte, bedeutet das in der Kinderwunsch-Twitter-Subkultur, dass man jemanden virtuell umarmt.

Als ich mich dagegen zur Wehr setzte, wurde dann im Nachgang noch die Emo-Keule rausgeholt. Wenn jemand was ins Internet schreibe, dann müsse man damit rechnen, von dieser Person virtuell umarmt zu werden. Es sei ja nur gut gemeint gewesen.

Da frage ich Euch: Wenn Ihr im Real Life das Bedürfnis habt, jemanden zu umarmen, also einen durchaus sehr nahen Körperkontakt einzugehen, fragt Ihr dann vorher um Erlaubnis? Oder drückt Ihr einfach Menschen, ohne Rücksicht auf deren Bedürfnis? Auch noch, wenn Ihr sie nicht kennt? SRSLY?

Ich frage das, weil es für mich geschrieben genau so schlimm ist wie gemacht. Mir kommt Kotze hoch, wenn jemand virtuell einen Kontakt nachahmt, den ich im echten Leben nur von sehr wenigen Menschen zulassen kann. Es erfüllt mich micht Anspannung, Panik, und Ekel. Nicht, weil die Person ekelig ist, sondern weil DU in dem Moment meine persönlichen Grenzen überschreitest. Ich HASSE es, wenn jemand meine persönlichen Grenzen überschreitet. Ich habe Jahre in Psychotherapien verbracht, um meine Grenzen zu erlernen, zu sehen, zu respektieren, und einzufordern, dass auch andere sie respektieren.
Das wirst DU mir nicht kaputt machen. Schon gar nicht, mit der Emokeule, die ich von den Leuten kenne, die mein Vertrauen im Leben bereits so oft missbraucht haben.

Ich weiß, dass es in Kinderwunsch-Foren und auf Twitter und Instagram so üblich ist, sich gegenseitig mit virtuellen Umarmungen zu überschütten und immer besorgt nachzufragen, wie es den anderen denn geht. Ihr seid so besorgt, dass Ihr Euch mit Listen organisieren müsst, damit Ihr nicht den Überblick verliert. Das ist für mich Heuchelei.

Ich sage es nochmal, ich sage es Euch klar und deutlich:

ICH WILL KEINE UMARMUNGEN!

Schon gar keine von wildfremden Leuten aus dem Internet.

Ich will, dass jemand mir schreibt, dass er an mich denkt, wenn er an mich denkt. Die einfachen Worte reichen aus, wenn es wirklich so ist. Ich will, dass mir jemand schreibt, dass ich sie anmotzen darf, wenn ich Laune habe.

Wenn ich traurig bin, will ich eine Umarmung von meinem Mann. Sonst von NIEMANDEM. Nicht meiner Mutter, nicht meinen besten Freunden.
Also hört endlich auf mit dem Scheiß und seid mal authentisch.

Und gestern war ich nicht mal traurig. Da wollte ich einfach nur abschließen, runterschreiben, und fertig sein.

Und um es auch nochmal deutlich zu machen: Ich bin keine Kinderwunsch-Bloggerin. Ich bin Inka, manche nennen mich Knitterfee, und Kinderwunsch ist gerade ein großes Thema in meinem Leben. Ich schreibe darüber, weil andere nicht können. Sobald der Kinderwunsch, auf welche Art auch immer, kein Thema mehr in meinem Leben ist, werde ich vermutlich nicht mehr darüber schreiben.

Ich bin mehr als unser Kinderwunsch. Und gut gemeint ist nicht gut gemacht.


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