Tag der Zauberei – der amerikanische National Magic Day

Nachdem sich der Rahmenkalender der kuriosen Feiertage aus aller Welt thematisch nach und nach der Nacht von Samhain (a.k.a. Halloween) am heutigen 31. Oktober angenähert hat, widmet sich der vorliegende Beitrag allerdings nicht der Kulturgeschichte verschiedener Halloween-Bräuche, sondern wirft einen detaillierten Blick auf den US-amerikanischen Tag der Zauberei (engl. National Magic Day). Um was geht es bei diesem Zauber-Ehrentag geht und welche Rolle Harry Houdini und Sir Arthur Conan Doyle dabei spielen, erzählen die folgenden Zeilen. Was war passiert?

Der Streit um einen Ehrentag für den großen Harry Houdini

Im Gegensatz zu vielen anderen kuriosen Grusel-Feiertagen aus den Vereinigten Staaten sind die Ursprünge und Hintergründe des heutigen National Magic Day relativ gut dokumentiert. Zunächst bezieht sich das Datum auf den Todestag des großen Magiers Harry Houdini (1874 - 1926), der am 31. Oktober 1926 um 13:26 Uhr in Detroit verstorben ist.

Zwar steht dieser Bezug im Widerspruch zur angelsächsischen Tradition, den Geburtstag einer verstorbenen Person als Ehrentag zu wählen, da Houdini allerdings gebürtiger Ungar war, erscheint mir dies an dieser Stelle hinreichend als Einspruch widerlegt zu sein (siehe dazu auch den Beitrag zum Harry Houdini Tag (engl. Harry Houdini Day) am 24. März). Und Zauberer sind sowieso ein ganz eigenes Völkchen. 😉

Aber weiter im Text. Veranstaltet und gesponsert wird der amerikanische Tag der Zauberei von Society of American Magicians (SAM - dt. Vereinigung der US-amerikanischen Zauberer), die zugleich die komplette 44. Kalenderwoche zur National Magic Week erklärt hat. Somit stellt der 31. Oktober einen Höhepunkt dieser magischen Festwoche dar und ehrt zugleich einen der großen amerikanischen Magier der Moderne bzw. eines der bekanntesten Mitglieder der Society of American Magicians.

Geht man der Geschichte dieses kuriosen Feiertags weiter nach, so stößt man auf den Hinweis, dass der National Magic Day ursprünglich ganz offiziell als Houdini-Tag von der Zauberer-Gesellschaft geplant war. Je nach Quelle werden diesbezüglich die Jahre 1927 und 1938 als erste Termine genannt, ganz eindeutig sind die Quellen aber nicht. Ob es hier dann auch eine Verbindung zum ebenfalls heute begangenen Schnitz-einen-Kürbis-Tag (engl. National Carve a Pumpkin Day) gab, konnte ich im Zuge der Recherchen allerdings nicht herausfinden. 😉

Unabhängig davon stimmen alle Berichte aber darüber überein, dass die jeweiligen Bestrebungen eines Mitglieds der Zauberer-Vereinigung am Veto von Houdinis Witwe Wilhelmina Beatrice Rahner (1876 - 1943), besser bekannt als Bess Houdini, gescheitert sind. Um diesen Ansinnen gerecht zu werden, hat man sich daher - wohl erst nach ihrem Tod im Jahr 1943 - für den 31. Oktober entschieden. Aber für die Wahl des Datums gibt es noch einen weiteren, wesentlich gruseligeren Faktor.

Harry Houdini und der Kampf gegen den Spiritismus

Houdini erlangte vor allem als Entfesselungskünstler weltweite Berühmtheit und nicht umsonst ist das Verb to houdinize in der US-amerikanischen Umgangssprache zu einem Synonym für entkommen bzw. entfliehen geworden. Für Generationen von Amerikanern galt Houdini als unbesiegbarer Superheld, der mit seinen Entfesselungskünsten jeder Gefahr trotze.

Dass geschicktes Marketing wesentlicher Bestandteil dieser Legendenbildung war, spielte dabei natürlich keine Rolle. Aber dies nur als Randbemerkung. Wesentlich interessanter ist in diesem Zusammenhang der Hinweis auf Houdinis offen ausgetragenen Konflikt mit der spiritistischen Bewegung der Jahrhundertwende, die er für verbrecherische Scharlatane und esoterische Spinner hielt. Insofern ist auch davon auszugehen, dass der Zauberer und Entfesslungskünstler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den ebenfalls am 31. Oktober begangenen Steigere-Deine-übersinnlichen-Fähigkeiten-Tag (engl. Increase Your Psychic Powers Day) abgelehnt hätte.

Vor diesem Hintergrund soll der Zauberer, der übrigens in aller Deutlichkeit etwaige magische Fähigkeit seinerseits bestritt, mit seiner Frau Bess den geheimen Code Rosabell, believe vereinbart haben, den er als Geist nach seinem Tode an ein echtes Medium im Rahmen einer Séance übermitteln wollte.

Rosabell, believe als Halloween-Botschaft aus dem Jenseits

Auf diese Weise könne auch nach seinem Ableben, so Houdinis Gedanke, der Kampf gegen seine Erzfeinde weitergeführt werden. Dementsprechend hielt seine Witwe zehn Jahre nach dem Tod ihres Gatten, symbolträchtig immer zu Halloween am 31. Oktober, eine Séance ab, zu der sie zahlreiche Spiritisten einlud. 1929 gelang es augenscheinlich zwar dem Geisterbeschwörer Arthur Ford diesen Code zu entschlüsseln, jedoch fand man schnell heraus, dass dies weniger durch seine spiritistischen Fähigkeiten, sondern vielmehr durch eine Affäre mit der psychisch und vor allem auch finanziell angeschlagenen Bess Houdini gelang.

Trotzdem hat sich daraus eine Halloween-Tradition unter US-amerikanischen Zauberern entwickelt, die den 31. Oktober immer noch zu solchen Treffen nutzen, um eine weitere, ursprünglichen für Houdinis Freund Conan Arthur Doyle vorgesehene Botschaft zu empfangen. Von dem, was man weiß, bis dato allerdings vergeblich.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es hier eher um die Ehrung des verstorbenen Großmagiers geht bzw. eine gute Gelegenheit gefunden wurde, sich zu diesem Anlass kollektiv einen hinter die Binde zu kippen. Aber wie gesagt, Zauberer sind ein ganz eigenes Völkchen. 😉

In diesem Sinne: Happy Halloween und Euch allen einen tollen Tag der Zauberei. 🙂

Weitere Informationen zum Tag der Zauberei


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