Gerhards Liebste tut es, Münteferings Frau will es auch - in der SPD rüstet sich die Next Generation nach den Giganten der Ära Rot-Grün zum Einzug in die heiligen Hallen des deutschen Parlamentarismus. Nur wenige Tage nach der Ankündigung von Doris Schröder-Köpf, sich bei der nächsten Bundestagswahl um ein Mandat bewerben zu wollen, machte auch Michelle Müntefering ihre Absicht öffentlich, dem deutschen Volk baldigst stellvertretend für ihren erst vor zwei Jahren aus der aktiven Politik ausgeschiedenen Mann Franz dienen zu wollen.
Schön, wenn soviel Talent sich so wenigen Familien findet. Während die Mehrzahl der Menschen in Deutschland nicht einmal auf die Idee kämen, fähig zu sein, in der Hinterbank eines Stadtrates über die Müllgebührensatzung abzustimmen, schultern bei Münteferings und Schröders die Damen, was die Herren nach abgelaufener Dienstzeit unerledigt liegenlassen mussten.
Politik als family business wie bei den Kennedys, den Clintons, den Kims oder den Bushs, in denen ganze Familienverbände dem Land dienten, um der Familie zu nützen. Freunde im Saal! Der Adel ist zurückgekehrt. "Was im Großbürgertum längst gang und gäbe ist, ist nun auch in die Politik eingedrungen", freut sich ein Sympathisant bei Wallstreet Online. Dabei hätten Doris Schröder-Köpf und Michelle Müntefering das beileibe nicht nötig. Schröder-Köpf verlegt laut Wikipedia Adventskalender mit Motiven von Hunden, Katzen und Meerschweinchen, Michelle Müntefering ist Mitglied im Landesvorstand der SPD Nordrhein-Westfalen und auch sonst gesellschaftlich sehr aktiv.
Dem zuletzt nicht nur wegen des Falles Wulff ins Gerede geratenen Castingverfahren zur Besetzung politischer Spitzenposten öffnet sich mit dem neuen Ehegattensplitting für Elitenstellen ganz neue Perspektiven: Die Zukunft der Demokratie ist dynastisch, Blutsbande, wenn auch nur angeheiratet, überbrücken den Abgrund zwischen politischer Klasse und tumbem Wahlvolk. "Die Aristrokratisierung der Demokratie schreitet voran", heißt es bei Wallstreet Online voller Vorfreude über die wegweisende Initiative der in der Opposition durch Nahlismus erneuerten SPD. Deutschland stehe vor der Gründung neuer Dynastien, deren Mitglieder genau die eine notwenfige Fähigkeit für kommende Aufgaben besäßen: Mitglied dieser Dynastien zu sein.
Ressort Gesellschaft
SPD: Ehegattensplitting für Elitenstellen
Erstellt am 13. Januar 2012 von PpqDiese Artikel könnten Sie auch interessieren :
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