Sonntagmorgen

Der Regen plätschert gemütlich aufs Dach. Das Meer ist grau wie der Himmel. Die Wochenendnachbarn kochen scharf, Wolken chilligeschwängerter Schwaden drängen durch, ein fröhliches, lautstarkes Geplapper schallt rüber. Der Bus erwacht zum Leben, gesund orgelt der Diesel, bald ist Abfahrt für die Verwaltung von Suphan Buri. Sie war gestern morgen für eine Nacht am Meer Hunderte Kilometer Richtung Süden gekarrt worden. Auf dem Stuhl neben mir schläft Kätzchen Moo Sang, Kater Puk hat sich auf der Bank gemütlich gemacht. Von drinnen dröhnt der Staubsauger. Die Monsunwinde bringen viel Staub vom unserem Neubau ins Haus. Es ist Sonntag früh um acht in Ban Krut.

Sonntagmorgen

Der Regen plätschert, das Grün leuchtet intensiv, Himmel und Meer hüllen sich in grau. 

Ein Eritreer hat den Marathon an der Leichtathletik Weltmeisterschaft in Peking gewonnen. Wasser wird knapp, schreibt der Spiegel. Hatte er schon 1961, Mitte der Siebziger und jedes Jahrzehnt danach. 2000 herrscht Wassernotstand, hatte man vorausgesagt. Aber noch immer gibt es genug Wasser. Eine halbe Milliarde Menschen lebt schon von Wasser aus Entsalzungsanlagen. Wasser gibt’s genug und wird’s immer genug geben. Wenigstens für die, die Geld haben. Gebreselassie, der Weltmeister, hat nicht nur all die Kenianer, Ugander und Äthiopier geschlagen. Zuvor musste er seinen Vater überzeugen. Der wollte, dass sein Sohn studiert, nicht läuft. 

Aus Eritrea kommen viele Flüchtlinge in die Schweiz. Auch sie laufen. Weg von einer repressiven Militärdiktatur. Nach 30 Jahren Krieg mit Äthiopien wurde das Land 1993 unabhängig. Jeder, vom Kind bis zum Greis, kann jederzeit zum Militärdienst gezwungen werden. Wer sich weigert wird hart bestraft. Wer fliehen will, darf ohne Warnung erschossen werden. Die Menschen leben von mehr als einer Millionen Verwandten im Ausland. Die schicken Geld und versorgen die Wirtschaft. Im eigenen Land werden sie als Verbrecher angesehen. 

Shawne Fielding, Ex von Ex-Botschafter Bohrer, wird von ihrem Partner nicht geheiratet, weiss der Blick. Armes Ding, sie ist jetzt 46 und die besten Jahre scheinen vorbei. Aber immerhin konnte sie dank ihrem Vater, einem Ex General in jungen Jahren mal Nixon und Kissinger treffen. Auch der Vietnam Krieg ist schon lange vorbei und dort, wo auf geheiss der beiden Herren Gift versprüht wurde, blüht jetzt der Kaffee. Vietnam ist heute der zweit grösste Kaffeeexporteur der Welt. Nicht zuletzt dank Nixon und Kissinger. Verfrühte  Reparationszahlung? Möglicherweise haben die USA deshalb seither nichts mehr bezahlt.

Noch einen Kaffee. Ein Mischung aus Arabica und Robusta. Zwei der vierzig Kaffeesorten der Welt. Arabica ist die Wichtigste im Handel und kommt vor allem aus Brasilien, Kenia und Kolumbien. Robusta wächst schneller und ist ertragreicher, gedeiht in Höhen bis 600 Meter. Wie in Vietnam. Die richtige Mischung macht’s. Süditaliener trinken im Mischverhältnis 60 zu 40, im Norden haben sie’s lieber 75 zu 25 oder gar 90 zu 10. Je mehr Arabica, desto säurebetonter und fruchtiger. 

Obwohl, die Süditaliener haben nichts zu lachen. Letzte Woche stand in der FAZ, dass Süditalien wirtschaftlich noch viel schwächer dasteht als Griechenland. Da wurde die Doku „Hafenstädte der Welt: Neapel“ auf Arte doch genau zur richtigen Zeit ausgestrahlt. Der optische Eindruck bestätigt. Trotzdem quirlt die Stadt vor Leben über. Die Leute lachen. Ein junge Frau erzählt begeistert von ihrer Stadt. Sie war mit ihrem Mann nach dem Studium ins reiche Mailand gezogen, beide hatten einen guten, gut bezahlten Job. Kamen aber zurück. Ihnen fehlten Intensität, Emotionen. Jetzt wohnen sie wieder in der Altstadt und laden die Reporterin in ihr enges Haus auf Spaghetti ein. Drinnen sieht’s aus wie bei Adelina in „Ieri, Oggi e Domani“ von Vittorio de Sica. Nur die sieben Kinder fehlen. Und Sophia Loren.

Wer schon von klein an nicht an die Zukunft denken kann, nimmt jeden Tag als wär’s der Letzte. Kein Geld egal, miese Arbeit egal. Heute und jetzt zählen. Wie in Thailand. Wenigstens vordergründig. Wer sein Gesicht nicht verlieren darf, funktioniert nicht so, wie wir’s uns gewohnt sind. 

Jetzt wird nebenan die Wiese gemäht. Der Rasentrimmer dröhnt, ab und zu knirscht's von aufgewirbelten Steinen und Sand. Sonntag in Thailand ist nicht Sonntag in der Schweiz. Keine Kirchenglocke läutet am Samstag Nachmittag den Ruhetag ein. Die Leute arbeiten sechs Tage die Woche. Da kommt der Rasen eben am Sonntag dran. Der Mäher arbeitet sonst bei der Gemeinde, als Strassenarbeiter. Am freien Tag hat er Zeit, sich ein Zubrot zu verdienen. Dann reicht’s am Nachmittag auch für ein Bier oder zwei. Unsere Wiese mäht er unter der Woche, nach fünf. Sie ist nicht so gross, aber gross genug für ein Feierabendbier.

Morgen um acht soll wieder die Sonne scheinen. Dann wird’s wieder wie immer sein. Das Meer blau, die Katzen am Herumtollen, kein Tom Kha Gai Geruch in der Luft, die Verwaltung in Saphan Buri wird an ihren Schreibtischen sitzen, jemand zum Geplärr der Nationalhymne die Flagge hochziehen. Montag morgen eben. 



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